Trend Automotive: Grüne Welle

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Fahrzeuge lernen miteinander und mit der Umwelt zu kommunizieren. Das macht unsere Straßen nicht nur sicherer und komfortabler, sondern auch nachhaltiger.

Zukünftige Fahrzeugen kommunizieren mit Werkstätten, Versicherungen, Ampeln und miteinander. Car-to-Car- (C2C) oder Car-to-X -Kommunikation (C2X) nennt sich der automobile Hype, der die Verkehrseffizienz, Sicherheit und den Komfort verbessern soll. Die Technologie erweitert die bisherige Fahrzeugsensorik, wie beispielsweise Radar- oder Kamerasysteme. Und kann so in Kombination mit Fahrerassistenzsystemen über Hindernisse, Bremsungen vorausfahrender Wagen oder über die Verkehrslage informieren.

So tauschen etwa intelligente Ampeln (wir berichteten davon) mit Fahrzeugen Daten aus, um Staus zu verhindern. Ein riesiges Potential, wenn man Benzineinsparung und die Kosten der verlorenen Arbeitszeit – pro Jahr etwa 17 Milliarden Euro – in Betracht zieht. Dazu die Verringerung von Unfällen und die Reduzierung der Umweltbelastung.

Leider nimmt mit der zunehmenden Vernetzung auch das Bedrohungspotenzial IT-basierter Angriffe auf das Auto zu. Sicherheitsexperten warnen deshalb vor dem Griff ins Lenkrad durch Dritte. Was eigentlich ein Plus an Sicherheit bringen sollte, könnte schnell zu einer Gefahr für den Straßenverkehr werden.

Car-to-X -Feldtests bescheinigen Alltagstauglichkeit

Im Feldversuch „Sichere  Intelligente Mobilität – Testfeld Deutschland (simTD)“ wurde Car-2-X-Kommunikation zur Verbesserung der Verkehrssicherheit und Mobilität untersucht.
Im Feldversuch „Sichere Intelligente Mobilität – Testfeld Deutschland (simTD)“ wurde Car-2-X-Kommunikation zur Verbesserung der Verkehrssicherheit und Mobilität untersucht.

Alle Automobilhersteller sprechen von „connected cars“, aber in Ansätzen verwirklicht hat es erst Daimler. So oblag dem Stuttgarter Car-to-X -Pionier auch die Gesamtleitung des Projektes „simTD (sichere intelligente Mobilität Testfeld Deutschland)“, bei dem 2012 die Alltagstauglichkeit erstmals unter realen Bedingungen getestet wurde.

Ein anderer großangelegter Feldtest, das europäische Projekt DRIVE C2X, fand erst kürzlich seinen Abschluss. Erprobt wurden die Car-to-Car- und Car-to-X  -Technologien unter realen Bedingungen in Europa – sowohl auf öffentlichen Straßen als auch auf kontrollierten Teststrecken. Auch untersucht wurde eine Europäische Harmonisierung und Normung der Kommunikationssysteme mit Blick auf eine zukünftige Markteinführung.

Es wird also einiges getan, um die Autos ins „Netz“ zu bekommen. Fragt sich nur, ob der Fahrzeughalter das auch möchte.

Haben ja, zahlen nein

Die Mehrheit der Autofahrer hat keine Einwände gegen die „automobile“ Vernetzung des Fahrzeuges, will allerdings nicht dafür bezahlen. So jedenfalls das zentrale Ergebnis der “Consumer Connected Vehicle Study 2013″ des Marktforschungsunternehmens IDC. An der „Wertschätzung“ für vernetzte Dienste fehle es, laut IDC. Radio, Internet oder Navigation sollte allerdings auf jeden Fall im Auto per Smartphone steuerbar sein.

Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt die „Trendanalyse: Vernetztes Fahrzeug 2015“ von Mbtech: Mobilitätsinformationen, die gewerbliche Nutzung von Diensten im B2B-Bereich und Infotainment stehen auf der Wunschliste, nicht aber auf der Einkaufsliste.

Zahlungsbereitschaft hin oder her. Car-to-X -Systeme sollen schon im kommenden Jahr in Europa und Nordamerika kommen. Allerdings rechnen Experten mit einer Verzögerung von ein bis zwei Jahren. Nach Frost & Sullivan könnten 2030 etwa 40 Prozent aller Fahrzeuge in Europa mit Car-2-Car-Kommunikationssystemen ausgestattet sein. Die Einführung des Notrufsystems eCall ab 2015 sowie Services wie Stau- und Unfallwarnungen werden nach Ansicht der Marktforscher die Beliebtheit der Systeme fördern.

Mobile Überwachung

Auf wenig Gegenliebe stößt dagegen, dass Daten von Car-to-X -Systemen die Einstufung bei der Auto-Versicherung mitbestimmen sollen. Jedoch nicht unbedingt aus Datenschutzgründen. Laut einer Bitkom-Umfrage sind eher die Komplexität und die zu geringen Einsparmöglichkeiten Gründe für die Verweigerung. Nach der Capgemini-Studie „Cars online 2014“ kommt der Datenaustausch zwischen Fahrzeug, Fahrer, Hersteller und Händler bei deutschen Verbrauchern allerdings weniger gut an als weltweit. Hersteller und Händler sehen das natürlich anders. Der Einsatz von Big Data ermöglicht individualisierte Angebote und zusätzliche Umsätze durch datengetriebene Geschäftsmodelle auch im After Sales Bereich.

Daimler Car2X

Car-to-X macht das Internet der Dinge erst richtig mobil. Fahrzeuge lernen miteinander und mit der Umwelt zu kommunizieren,