INTERVIEW: „Die electronica ist schon immer Synonym für eine erfolgreiche Fachmesse“

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Er kennt die electronica seit der ersten Stunde: Der Journalist Roland R. Ackermann hat seit der Auftaktveranstaltung im Jahr 1964 an jeder electronica teilgenommen und Fachbeiträge für Magazine wie „Elektronik-Entwicklung“ und „Konstruktionspraxis“ verfasst. Wie er die Entwicklung der Messe miterlebt hat und warum sie seit 50 Jahren eine der erfolgreichsten Veranstaltungen in ihrem Bereich ist, hat er uns in einem Gespräch erzählt.

 

Herr Ackermann, Welche Erwartungen hatten Sie an die erste Ausgabe der electronica?

Die 50er- und 60er-Jahre waren geprägt von bahnebrechenden elektronischen Innovationen. Sowohl deutsche als auch internationale Unternehmen stellten am laufenden Band neue Bauteile vor, die maßgeblich für den Erfolg technischer Entwicklungen und Geräte verantwortlich waren. Bis zur ersten electronica 1964 wurden diese Produkte in Deutschland zumeist auf der Hannover Messe vorgestellt. Schnell wurde hier der Platz neben weißer und brauner Ware, neben Maschinen und Bürotechnologie jedoch zu klein. Dem extrem spezialisierten, aber auch gleichzeitig expansivsten Fachbereich Elektronische Bauteile musste mehr Raum zur Verfügung gestellt werden. Als die electronica dann 1964 das erste Mal auf dem Messegelände in München stattfand, war es soweit: Es wurde endlich ein angemessener Bereich für die Produktpräsentationen in Deutschland geschaffen. Auf der absatzorientierten Spezialmesse haben sich schon damals die wichtigsten Unternehmen ausgetauscht. Alle Branchenvertreter bekamen die Möglichkeit, sich umfassend bei allen relevanten Unternehmen zu informieren. Sie alle fanden endlich Platz, ohne von fachfremden Bereichen eingegrenzt zu werden.

 

Wie haben Sie die ersten Jahre der electronica miterlebt? 

Die ersten Jahre der electronica
Die ersten Jahre der electronica

Die Anfangsjahre waren eine sehr spannende Zeit für uns Journalisten in der Elektronikbranche. Obwohl es eine mutige Entscheidung war, die electronica aufzusetzen, wurden wir alle sehr schnell belohnt. Denn zu diesem Zeitpunkt gab es zwar schon den Salon de Composants électronique, eine ganz ähnliche Fachmesse in Frankreich. Sie wurde von der außerfranzösischen Branche jedoch nicht so angenommen wie erhofft: Nur etwa fünf Prozent der Besucher und Aussteller der französischen Messe kamen damals aus Deutschland. Der deutsche Markt war im internationalen Vergleich jedoch sehr wichtig und amerikanische und japanische Unternehmen schätzten es sehr, sich auf der electronica in München mit den Entscheidungsträgern aus den deutschen Unternehmen auszutauschen. Schon nach wenigen Jahren war die Messe wie von selbst für alle in der Branche ein Begriff. Die electronica galt fast schon als Synonym für eine erfolgreiche Fachmesse weltweit und setzte neue Maßstäbe in der Ausstellungs- und Elektronikwelt.

 

Was sind die Erfolgsfaktoren der electronica aus Ihrer Sicht? 

Die Messe hatte von Anfang an einen sehr guten Fach- und Ausstellerbeirat. Er bestand schon damals aus hochrangigen Vertretern der verschiedenen Themenbereiche. Sie waren sehr gut vernetzt und sorgten dafür, dass auch die electronica von diesen Kontakten profitieren konnte. Dadurch herrschte von Beginn an ein sehr hoher Qualitätsanspruch an die Inhalte, überdie sich Besucher und Aussteller auf der Messe ausgetauscht haben. Gleichzeitig ist die starke Spezialisierung der electronica einer der nachhaltigsten Erfolgsfaktoren. Um den Fokus weiter beizubehalten, haben sich im Laufe der Zeit sogar weitere Fachmessen wie die productronica abgespalten. Und auch der Standort Deutschland war einer der Treiber für den Erfolg. Die Unternehmen vor Ort waren anderen oft einen Schritt voraus. Da war es ein leichtes, den Standortvorteil zu nutzen, um eine attraktive Präsentationsfläche für die ansässigen Unternehmen zu bieten.

 

Welchen Wandel konnten Sie in den letzten 50 Jahren electronica feststellen?

Während früher ganz klar die Produktpräsentationen im Vordergrund des Messegeschehens standen, sind sie heute gleichauf mit dem Netzwerkgedanken. Unternehmen können nicht mehr bis zur Messe warten, um ihre Produkte erstmalig vorzustellen. Sie müssen nach Marktreife sofort veröffentlicht werden, um mit dem Wettbewerb Schritt zu halten. Daher stehen heute konkrete Anwendungsbeispiele der Bauteile genauso im Vordergrund wie die Möglichkeit, mit den führenden Vertretern der Branche zu sprechen. Gerade internationale Messeaussteller sind für mich ein wichtiger Anlaufpunkt, denn sie treffe ich oft nur selten auf anderen Veranstaltungen. Und auch das Erlebnis selbst wird immer außergewöhnlicher: Produktvorstellungen sind nicht mehr nur auf Vitrinen begrenzt. Interaktive Bauteile und aufwändig produzierte Zukunftswelten laden ein, in die Welt der verschiedenen Bereiche einzutauchen.

 

Worauf freuen Sie sich am meisten bei der Jubiläumsausgabe der electronica?

Am meisten freue ich mich auf die Menschen, die ich dort treffe! Außerhalb der electronica sind persönliche Gespräche mit Experten aus den verschiedenen Themenbereichen nur mühsam und mit langen Reisen möglich. Außerdem treffe ich natürlich auch langjährige Kollegen aus der ganzen Welt. Neben den Menschen stehen aber auch immer die Ausstellungsgegenstände im Fokus. Während ich oft über Produkte schreibe, die ich nur von Bildern kenne, bietet mir die electronica die ideale Möglichkeit, Bauteile „in die Hand zu nehmen“Han und gleichzeitig mit den Entwicklern darüber zu sprechen. Ich bin gespannt, welche Neuheiten und Gespräche auf der electronica 2014 auf mich warten!

 

Rolan R. Ackermann
Rolan R. Ackermann

Zur Person:

Roland R. Ackermann (79) ist Journalist und Fachübersetzer und beschäftigt sich seit über 57Jahren mit Themen aus der Technik- und Elektronikbranche. Zu seinen beruflichen Stationen zählen die Magazine „Elektronik-Entwicklung“, „Elektronik Journal“, „Markt&Technik“ und viele mehr. Seit 1996 arbeitet er freiberuflich für weitere Fachmedien, vor allem für „E&E Faszination Elektronik“. Darüber hinaus war er für verschiedene Rundfunkformate im Bayrischen Rundfunk tätig und moderierte internationale Vorträge und Panel-Diskussionen.

 

 

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