Das „iCar-Fieber“

| |
1 Star2 Stars3 Stars4 Stars5 Stars

Baut Apple tatsächlich ein Auto? Wird Steve Jobs Traum von einer eigenen Autosparte posthum wahr? Die Gerüchte verdichten sich. Der iPhone-Konzern wirbt zunehmend elektromobile Fachkräfte – auch von der Benzin-Konkurrenz – ab.

Gewöhnlich gut unterrichtete Kreise haben viel zu tun dieser Tage. Das iCar spukt völlig abgasfrei in Gestalt eines selbstfahrenden Minivans durch die Medien. Angeblich arbeiten schon einige Hundert Leute am Projekt mit dem Codenamen „Titan“. Geleitet von Steve Zadesky, sollte das „Wall Street Journal“ recht behalten. Das würde allerdings Sinn machen, kam der Apple-Veteran doch vor 15 Jahren vom Automobilhersteller Ford. Jetzt sei ihm ein Heer von 1000 Mitarbeitern von Apple zugestanden worden.

Deshalb wird fleißig abgeworben: Akku-Spezialisten von Samsung und A123 und elektromobile Fachleute vom Nachbarn Tesla. Auch der bisherige Chef der Entwicklungssparte von Mercedes-Benz im Silicon Valley, Johann Jungwirth, ist bei Apple gelandet. Er sollte bei Daimler Smartphones in selbstfahrende Autos integrieren.

Weiteren Gerüchten zufolge, will Apple bereits 2020 mit der Produktion beginnen. Das ist mehr als sportlich, brauchen doch herkömmliche Autobauer 5-7 Jahre für die Entwicklung einer neuen Karosse.

So ganz neu sind Apples Autopläne allerdings nicht. Milliard Drexler, Mitglied des Apple-Vorstands, verriet schon vor Jahren in einem Interview, dass Steve Jobs ein iCar entwerfen wollte. Nach dem Erfolg des iPod-Players sei ernsthaft über eine Kamera oder ein Auto als mögliche nächste Produkte nachgedacht worden.

Sorgen bei den „Benzinern“

Bei den klassischen Autobauern dürften die Gerüchteflut wohl die elektromobilen Sorgenfalten vergrößern. Zwar ist es etwas anderes ein iPhone zu bauen, als ein Auto. Andererseits haben Tesla und Google gezeigt, was man mit Geld und Durchsetzungsvermögen abgasfrei bewegen kann. Und Apple kann im Gegensatz zu Tesla und Google zusätzlich mit einer Kultmarke punkten.

Dazu kommt, dass die digitale Vernetzung in Zukunft einen immer größeren Teil der automobilen Wertschöpfung ausmachen wird. Und die digitale Welle reitet man im Silicon Valley nun mal besser als in Wolfsburg, München oder Stuttgart.

Noch wird das iCar allerdings in der Gerüchteküche gekocht, wenn auch mit zunehmend konkreten Zutaten. Für ein so sehr marketinggetriebenes Unternehmen wie Apple ist das ebenfalls bares Geld. Auch wenn die Cupertiner das Gerücht nicht selbst in die Welt gesetzt haben, dürften sie ihre Freude daran haben. Andererseits mit 150 Milliarden „flüssigen“ Dollars kann man schon einiges versuchen – auch ein Smartphone auf Rädern. Apples next big thing?

Apple iCar Designstudie

Franco Grassi ist einer von mehreren Designer, die sich Gedanken gemacht haben, wie ein Apple-Auto aussehen könnte. (Bild: Franco Grassi).