Haarzauber mit Zauberhaar

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Kleidung mit „eingenähter“ Elektronik war gestern. Beauty Tech bringt sie nun auf die Haut, in die Wimpern und ins Haar.

Wenn ihr Gegenüber mit ihrem Haar spielt, muss das kein Zeichen von Nervosität sein. Sie könnte auch gerade eine heimliches Mitschneiden via Smartphone initiiert oder die Polizei alarmiert haben. Möglich machen das „kapazitive“ Haar-Extensions. Dazu sind Drähte in künstliches Haar eingeflochten, die mit einer ungewöhnlichen Haarklammer verbunden sind. In ihr stecken nämlich ein Bluetooth-Modul und ein Arduino-Mikrocontroller.

Berührt man nun die kapazitiven Drahtsensoren mit den Fingern, verändert sich die Kapazität. Und zwar unterschiedlich, je nachdem wo und wie man die Haare anfasst. Der Mikrokontroller hat dann die Aufgabe diese Berührungen in die entsprechenden Befehle umzuwandeln. Und das Bluetooth-Modul sendet sie an das Smartphone.

Entwickelt wurde der Haarzauber von der Designerin Katia Vega zusammen mit dem brasilianischen Unternehmen Beauty Tech. Damit sollen Frauen etwa in Gefahrensituationen unbemerkt einen Hilferuf absenden können.

Nailo . der Fingernagel vom MIT ist ein winziges Human Machine Interface mit Akku, kapazitiven Touch-Sensoren, Mikrokontroller und Bluetooth. Bedient wird das Pad mit dem Zeigefinger der gleichen Hand. (Bild: MIT).
Nailo, der Fingernagel vom MIT, ist ein winziges Trackpad mit Akku, kapazitiven Touch-Sensoren, Mikrokontroller und Bluetooth. Bedient wird das Pad mit dem Zeigefinger der gleichen Hand. (Bild: MIT).

Aber diese sogenannte „Beauty Technology“ geht noch weiter. Sie will Teile der Körperoberfläche als Human Machine Interface verwenden. Dazu wird Technik direkt in Schönheitsprodukte auf der Haut, den Fingernägeln und in den Haaren integriert.

„Konduktive“ Eyeliner könnten so mit einem Blinzeln das Licht ein- und ausschalten oder eine Drohne steuern. Auch das Make-Up soll als Sensoroberfläche dienen. Und was könnte man nicht alles mit Perücken machen.

Noch ist das smarte Haar nur ein Prototyp. Das Konzept wurde Ende März auf der Konferenz „Intelligent User Interfaces“ 2015 in Atlanta erstmals präsentiert und gewann den Award „Best Demo“. Aber wenn diese „Cyborgisierung“ tatsächlich weiter um sich greifen sollte, wird es in Zukunft gefährlich werden, jemanden zu berühren. Denn es könnte schließlich ein „Sensorwesen“ sein, mit einem direkten Draht zur Feuerwehr.

 

Beauty Technologie

Die Designerin Katia Vega hat gemeinsam mit dem brasilianischen Unternehmen Beauty Tech einen Prototypen entwickelt, mit dem es schon bald möglich sein soll, das Smartphone durch das Streichen intelligenter Haarsträhnen zu steuern.