TREND Energiespeicher: Batterien an der Wand

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Akkus für Solaranlagen gibt es schon länger. So mancher Bastler hat beide auch schon in Eigenregie gekoppelt. Magazine und Tageszeitungen füllt das Thema allerdings erst seit Tesla dafür die Marketingmaschine angeworfen hat.

Die stationären Lithium-Ionen-Batterien des amerikanischen Elektro-Pioniers speichern Solarstrom für „dunkle“ Zeiten oder dienen einfach nur als Backup. Deutsche Hersteller bezeichnen die „Powerwall“ als „Autobatterie an der Wand“. So weit her geholt ist das nicht. Werden sie doch in Teslas Gigafactory zusammen mit Stromspeichern für Elektromobile gefertigt.

Die hübschen „Wandbatterien“ sollen in den USA ab Sommer 2015 ausgeliefert und später auch in Europa vertrieben werden. Und das im Vergleich zur Konkurrenz zu Kampfpreisen. So kostet die 10-kWh-Version 3.500 Dollar, 100 kWh schlagen mit 25.000 Dollar zu Buche. Dazu kommen allerdings noch ein Wechselrichter und die Installation.Die Akkus schaffen etwa zwei Kilowatt und 3,3 in der Spitze.

Laut Tesla-Chef Elon Musk „schießen die Batteriebestellungen durch die Decke.“ So erwarten Experten auch, dass der neue Geschäftszweig für Tesla genauso lukrativ werden könnte, wie der Autobau. Immerhin sieht das Analysehaus Navigant den Markt für Batteriespeicher bis 2024 auf rund 68 Milliarden Dollar anwachsen. IHS erwartet bis 2017 eine Volumen von etwa 19 Milliarden Dollar.

Technisch allerdings konstatieren Experten dem Tesla-Produkt keine Überlegenheit. Marketingtechnisch schon eher.

Bayern in Amerika

Dabei hatte einen Tag vor Teslas großer Show der bayerische Mittelständler Sonnenbatterie zusammen mit Sungevity, einem großen Installateur von Solaranlagen, den Einstieg in den amerikanischen Markt angekündigt. Auch andere Unternehmen wie etwa Solarwatt mit dem Speicher „My Reserve“ versuchen hierzulande Batterien als Solarstromspeicher in die Privathaushalte zu bringen.

Bisher war es allerdings für Solardachbesitzer günstiger den Strom ins öffentliche Netz einzuspeisen, die Vergütung zu kassieren, und bei Bedarf teuren Strom wieder zurückzukaufen. In Zukunft könnte sich die private Speicherlösung jedoch lohnen.

Das musste sich auch Daimler gedacht haben. Der Autokonzern steigt nun auch ins Geschäft mit stationären Energiespeichern ein. Zwar verabschiedete sich Ende 2014 die Daimler-Tochter Li-Tec von der unwirtschaftlichen Zellenproduktion. Die Deutsche Accumotive – auch eine hundertprozentige Daimler-Tochter – erweitert jedoch die Produktionskapazitäten, um ab 2016 neben den Batterien für die nächste Elektro-Smart-Gerneration auch stationäre Batteriespeicher zu bauen.

Gute Zellen für Heimspeicher

Die Zellen für die Daimler-Akkus kommen aus Asien. Hersteller wie der südkoreanische Elektronikkonzern LG, Samsung, Panasonic, Toshiba oder die chinesische Firma BYD haben die Führung in der Akku-Technologie übernommen. So bedient sich auch Tesla beim Bau der Gigafactory des Know-Hows von Panasonic.

Das Zell-Rennen – zumindest bei Autobatterien – macht, wer am günstigsten ist. Diese Zellen verlieren aber in der Regel spätestens ab 1000 Ladezyklen deutlich an Kapazität. Wie stark die Leistung im Tesla-Heimspeicher nach vielen Zyklen abfällt, lässt sich nicht sagen. Für den Heimbatteriebesitzer dürfte das aus Wirtschaftlichkeitsgründen wenig akzeptabel sein. Dieses Problem wollen die Kalifornier allerdings über eine Zehn-Jahres-Garantie lösen.

Tesla Heimspeicher Powerwall

Teslas Heimspeicher "Powerwall" sorgt für Gesprächstoff im Markt für stationäre Energiespeichersysteme. (Bild: Tesla).