Elektronik nervt

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Die medikamentöse Behandlung vieler chronischer Krankheiten ist teuer und nicht ohne Nebenwirkungen. Dagegen sollen in Zukunft winzige, intelligente Mikroimplantate helfen. Sie greifen nur da im Körper ein, wo auch die Ursache der Erkrankung liegt.

Als Herzschrittmacher oder Hörprothese haben sich elektronische Implantate längst bewährt. Sie stimulieren Strukturen im Nervensystem und gleichen so kardiale und neuronale Funktionsstörungen aus. Die Elektronik vereint dabei häufig Diagnostik und Therapie in einem System.

In Zukunft sollen die flexiblen Winzlinge auch die Behandlung von Stoffwechselstörungen wie Diabetes, aber auch  bestimmte Hirnerkrankungen effizienter und kostengünstiger gestalten. Besonders vom „Nachbau“ des Regelkreises zwischen Blutzuckerspiegel und Insulinausschüttung verspricht man sich deutliche Fortschritte. Mit den gleichen technischen Ansätzen ist die Entwicklung eines Neuroimplantats für die Therapie und Rehabilitation nach Schlaganfällen und Hirnverletzungen geplant.

Noch steht man damit hierzulande ganz am Anfang der Entwicklung. Ein Forschungsverbund aus vier Instituten der Innovationsallianz Baden-Württemberg (innBW) will das jetzt ändern. Das Programm „innBW implant“ ist am 1. Juli mit 3,65 Millionen Euro Förderkapital gestartet.

Mikroimplantate – Europa vs USA

In Europa ist dies das erste Förderprogramm, das bioelektronische Medizin mit öffentlichen Mitteln unterstützt. Damit soll im Wettlauf vor allem mit den millionenschweren Forschungsprogrammen der USA eine gute Ausgangsposition bei der Entwicklung dieser Medikamente sparenden Technologie sichergestellt werden.

So forscht etwa die Defense Advanced Research Projects Agency (DARPA) im Rahmen des amerikanischen Brain-Programms seit letztem Jahr an elektronischen Implantaten, die direkt mit dem Nervensystem kommunizieren. „ElectRx” (ausgesprochen: electrics) soll Medikamente durch Gehirnimplantate ersetzen, die laufend den Gesundheitszustand abfragen. Im Fall einer Abweichung werden mit gezielter Stimulation Organe und biologische Strukturen wieder auf den „rechten“ Weg gebracht. In etwa fünf Jahren will man mit ersten Versuche an Menschen beginnen.

Elektronische Mikroimplantate haben in Zukunft das Potential die Therapie chronischer und altersbedingter Erkrankungen deutlich effektiver und günstiger zu gestalten. Sicher ganz zur Freude der Pharmaindustrie.

 

DARPA Mikroimplantate

Mikroimplantate „hängen“ sich direkt ins Nervensystem und kontrollieren und regulieren verschiedenste Krankheiten wie Arthritis und Depressionen. (Bild: DARPA).