Smart Home mit Chaos-Potenzial

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Intelligente Stromzähler sollen eigentlich Schwankungen im Stromnetz ausgleichen. Da die Geräte aber auf Angebot und Nachfrage reagieren, könnten sie, wie an der Finanzbörse auch, im Stromnetz einen Crash verursachen.

Seit Anfang 2010 müssen in Deutschland sogenannte „intelligente“ Stromzähler in Neubauten oder grundsanierten Gebäuden installiert werden. Durch flexible Tarife soll damit aktives Stromsparen möglich sein. So springt die programmierbare Waschmaschine beispielsweise erst dann an, wenn der Strom am billigsten ist.

Die Grundidee dahinter stammt aus der Wirtschaftstheorie, nach der Angebot und Nachfrage den Preis regeln. Wird viel Strom ins Netz eingespeist, sinkt der Preis und gleichzeitig steigt der Verbrauch. Steht wenig Strom zur Verfügung, tritt der umgekehrte Fall in Kraft. So viel zur Theorie. Zu einer der Theorien.

Wissenschaftler der Uni Bremen bezweifeln, dass damit Stromschwankungen im Netz verringert werden. Vielmehr könnte genau das Gegenteil passieren. Durch die intelligenten Stromzähler wird nämlich ein neuer künstlicher Strom-Markt geschaffen, der – wie alle Märkte – auch Blasen und sogar Crashs produziert. Dieses überraschende Ergebnis förderten eine ganze Reihe verschiedenster Simulationen zu Tage.

Stromzähler mit unvollständiger Theorie

Den Wissenschaftlern zufolge ist die Standardtheorie von Angebot und Nachfrage unvollständig, wenn eine riesige Zahl Konsumenten gleichzeitig um den günstigsten Preis konkurriert.

So wird etwa das Waschen verschoben, wenn wenig Strom im Netz und der Preis daher teuer ist. Das geht natürlich nur eine Zeit lang. Je mehr Waschmaschinen nun auf ihren Start warten, desto höher steigt die potentielle Nachfrage: Eine Nachfrage-Blase bildet sich. Und die platzt spätestens, sobald der Preis wieder etwas absinkt. Weil viele Konsumenten aufgrund des aufgestauten Waschbedürfnisses ihre „Schmerzgrenze“ nach oben angepasst haben, starten plötzlich unzählige Waschmaschinen auf einmal. Die Folge: Ein lawinenartig erhöhter Verbrauch, der die Stromnetze extrem belastet. Blackouts wegen unerwarteter Überlastung nicht ausgeschlossen.

Nach Meinung der Wissenschaftler ist der massenhafte Einsatz der neuen intelligenten Stromzähler „ein Schnellschuss, der nicht sorgfältig bis zum Ende durchdacht ist“. Denn der Einzelne weiß in solch einer Situation natürlich nicht, welche Folgen sein Verhalten hat, wenn es sich potenziert. Und leider wissen es auch diejenigen noch nicht, die den Strom bereitstellen.

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Verblüffendes Ergebnis einer Simulation: Intelligente Stromzähler können einen Crash im Stromnetz auslösen. (Bild: EVB Energie AG).