Elektroingenieur als „Softi“

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Software entwickelt sich zunehmend zum wichtigsten Wettbewerbsvorteil für technische Produkte. Sie ist der Schlüssel, um Kunden zu überzeugen und dauerhaft zu binden. Werden deshalb Elektroingenieure durch Informatiker verdrängt? Nicht unbedingt.

Das Beschäftigungswachstum in der deutschen IT- und Telekommunikationsbranche soll sich dieses Jahr fortsetzen – so eine aktuelle Studie des Branchenverbandes Bitkom. Danach entstehen neue Arbeitsplätze hauptsächlich in den Bereichen Software und IT-Dienstleistungen. Für dieses Jahr wird dort ein Plus von 25.000 auf insgesamt 795.000 Arbeitsplätze erwartet. In fünf Jahren sollen dann 157.000 zusätzliche Stellen geschaffen worden sein. Bei den Hardwareherstellern sieht es nicht so rosig aus. Rechnet man da doch mit leichten Rückgängen, ebenso bei den Telekommunikationsunternehmen und in der Unterhaltungselektronik.

Werden also Elektroingenieure in Zukunft von Informatikern verdrängt? Schließlich vermittelt das Fach Informatik auf den ersten Blick eine höhere Kompetenz in der Softwareentwicklung.

Bitkom Elektroingenieur ArbeitsplätzeAktuell geht es jungen Elektroingenieuren nach einer Befragung des Verbands der Elektrotechnik Elektronik und Informationstechnik (VDE) ziemlich gut. Fast die Hälfte hält ihre Stelle für krisensicher, 17 Prozent haben innerhalb der ersten fünf Berufsjahre Personalverantwortung übernommen. Und die Arbeitslosenquote für Elektroingenieure liegt bundesweit auf einem stabilen und niedrigen Niveau von unter 2,5 Prozent.

Elektroingenieur oder Informatiker

Thomas Hegger, stv. Vorsitzender des VDE-Ausschusses „Studium, Beruf und Gesellschaft“, meinte in einem Interview auf dem Elektroniknet, dass die Softwareentwicklung heute bereits integraler Bestandteil der Arbeit von Ingenieuren sei. So speise sich etwa der aktuelle Mitarbeiterzuwachs in der Automobilbranche aus dem Bedarf an Programmierern. Und hier werden etwa für die Entwicklung von Embedded Systemen bevorzugt Elektroingenieure eingestellt. Denn solche Lösungen erfordern neben der Programmierung ein Verständnis für komplexe, technisch-physikalische Systeme.

Im übrigen sind die Zeiten, in denen ein Elektroingenieur hauptsächlich für Hardware zuständig war, längst vorbei. Gefragt sind die Projektierung, Implementierung und Integration komplexer Systeme aus Hard- und Software. Wobei das „Softe“ immer breiteren Raum einnimmt. Darauf hat sich der ingenieurwissenschaftliche Nachwuchs aber längst eingestellt.

VDE Elektroingenieure

Elektrotechnik ist bei Studienanfängern beliebt. Die Zahl der Erstsemester ist im Vergleich zum Vorjahr mit 17.400 gleichbleibend hoch. (Bild: VDE).