TREND Medizin-Wearables: Vom Spielzeug zum Werkzeug

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Noch bestimmen bunte Fitness-Tracker das Bild der Wearables. Das könnte sich aber bald ändern. Denn die tragbare Sensortechnik soll zukünftig das Leben von Millionen kranker Menschen verbessern.

Das Sammler-Gen hat den Menschen nie verlassen. Die Objekte der Begierde änderten sich allerdings im Lauf der Geschichte. Mittlerweile sind Daten jeder Art angesagt. Da ist es nicht verwunderlich, dass der Markt für Wearables explosionsartig wächst. Denn nichts sammelt so bequem und unermüdlich wie die farbigen Tracker. Sie sind immer „online“ und kommen ohne die Aufmerksamkeit ihrer Benutzer aus.

Die meisten dieser tragbaren „Kollektoren“ sind Lifestyle- oder Fitness-Produkte. Doch man hat erkannt, dass Wearables nicht nur ein „nice to have“ sein müssen. Schon bald sollen sie unsere wankenden Gesundheitssysteme retten und uns im Alter ein weiterhin selbstbestimmtes Leben schenken.

Bis 2020 soll der Wearable-Healthcare-Markt bei einer durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate von 65 Prozent auf 41 Milliarden Dollar wachsen. Für Wachstum sorgen in der Hauptsache die Bereiche Diabetes, Schlafstörungen, Fettleibigkeit und Kardio. (Bild: Soreon Research).
Bis 2020 soll der Wearable-Healthcare-Markt bei einer durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate von 65 Prozent auf 41 Milliarden Dollar wachsen. Für Wachstum sorgen in der Hauptsache die Bereiche Diabetes, Schlafstörungen, Fettleibigkeit und Kardio. (Bild: Soreon Research).

Einer aktuelle Studie von Deloitte zum Gesundheitswesen zufolge, wird der Markt für Health Apps, Wearables und Fitness-Tracker bis zum Jahr 2017 auf 26 Milliarden US-Dollar ansteigen. Das Marktforschungsunternehmen skizziert ein Szenario, in dem bis 2020 Kliniken, niedergelassene Ärzte, Pharmaunternehmen und Patienten über Smartphones, Tablets und Wearables miteinander verbunden sind.

Vom Hörgerät zum Sensorpflaster

Die ersten „Tragbaren“ erblickten übrigens bereits 1938 das Licht der damals noch analogen Welt als Hörgerät der Aurex Corp.. Damals musste die schwergewichtige Batterie noch am Bein befestigt werden. Mittlerweile warten moderne „medizinische“ Wearables mit deutlich eleganteren Lösungen auf. Und das nicht nur bei der Stromversorgung.

So etwa das EKG- Sensorpflaster für das Heim-Monitoring. Aus ihm sollen in Zukunft Gesundheitspflaster werden, die mit einer ganzen Reihe von Sensoren den allgemeinen Gesundheits-Status des Trägers abbilden. Ein anderes intelligentes Pflaster vereinigt Blutzucker-Sensor und Insulin-Injektor. Über hundert winzige Nadeln spritzen Insulin unter die Haut, wenn der Sensor einen zu hohen Blutzuckerspiegel registriert.

Prototypen mit Potential

Viele der klinisch relevanten Medizin-Wearables sind jedoch noch Prototypen oder stecken in der Erprobungsphase. Aber bereits jetzt wird klar, dass die neuen technologischen Möglichkeiten eine sinnvolle Ergänzung der „stationären“ medizinischen Versorgung sein werden. Wenn nicht gar eine notwendige, bedenkt man, dass chronische Volkskrankheiten wie Diabetes eine Bedrohung für alle Gesundheitskassen darstellen. Allein in China gibt es über 100 Millionen Diabetes-Kranke. Dazu kommt, dass Arztbesuche in vielen Ländern der Erde für viele Menschen zu teuer sind. Leider gehören medizinische Wearables auch nicht gerade zur Kategorie der Billigprodukte.

Teures Zulassungsverfahren für Medizin-Wearables

Dafür sorgt unter anderem auch, dass sie etwa hierzulande, gemäß der Medizinprodukte-Richtline, für das notwendige CE-Kennzeichen ein Konformitätsbewertungsverfahren durchlaufen müssen. Dazu gehören, abhängig von der Risikoklasse, Nachweise der Sicherheit, der Biokompatibilität, der Hautverträglichkeit, der Leistungsdaten und der klinischen Wirksamkeit. Das dauert und kostet.

Bevor die Medizin-Wearables also das Zusammenspiel von Ärzten, Patienten, und Krankenkassen revolutionieren dürfen, müssen sie günstiger werden. Aber auch in Punkto Daten-Qualität, Tragekomfort, Kompatibilität und Leistungsverbrauch besteht Nachholbedarf. Nicht zu vergessen die vielfach ungelösten Fragen nach der Datensicherheit. Eine kürzlich veröffentlichte Studie (PDF) der kanadischen Non-Profit-Organisation Open Effect wies diesbezügliche auf grobe Mängel bei fast allen aktuellen Fitness-Trackern hin.

 

Medical Wearable Bild Intel

Die medizinischen Wearable-Ausführungen sehen nicht immer so hip aus wie ihre Fitness-Brüder. (Bild: Intel).