TREND Smart Packaging: Interaktive Wundertüten

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Intelligente Verpackungen bringen nicht nur Marketingabteilungen zum Träumen. Die Pharmaschachtel der Zukunft mit LEDs, Lautsprechern, Funkchips und Display verpetzt Sie auch beim Arzt, wenn Sie Ihre Pillen nicht einnehmen.

Fast 60 Prozent der deutschen Verbraucher fischen aufgrund der Verpackung ein Produkt aus dem Regal , sagt die europäische Studie „Packing Matters“. Aber erst das richtige Drumherum „überredet“ den Kunden zum Kauf, was man in Zukunft auch wörtlich zu verstehen hat. Denn dank gedruckter Elektronik werden schon bald intelligente Verpackungen (Smart Packaging) multimedial um unsere Aufmerksamkeit streiten.

So hat die Universität Cambridge zusammen mit dem britischen Unternehmen Novalia eine auf Graphen basierende, leitfähige Farbe entwickelt, die mit konventionellen Rollendruck- Technologien wie Offset-, Flexo- oder Siebdruck verarbeitet werden kann. Derzeit „druckt“ man Elektronik mit schlecht leitendem Kohlenstoff und anderen Materialien wie Silber. Diese Farben kosten mehr als 1.000 Euro/kg. Die neue Graphen-Farben würden 25-mal billiger sein.

Smart Packaging mit Papier-Tastatur

Novalia stellte erst kürzlich den Prototypen einer gedruckten Tastatur auf einem einfachen DINA4-Papier vor. Das Druckverfahren kombinierte dazu leitfähige Tinte mit kapazitiver Touchtechnologie und einem eingebetteten Bluetooth-Chip. Die Touch-Sensoren kommen dabei vollkommen ohne Metallverkabelung aus, und gedruckt werden kann bei beliebigen Druckdienstleistern überall auf der Welt.

Zu den „Druckerzeugnissen“ von Novalia gehören auch Poster, die Musik abspielen, Print-Broschüren für Automobilfirmen, die mit einer Bluetooth-Verbindung zum Smartphone das Fahrzeug-Cockpit simulieren oder Hüllen von Vinyl-Alben, die wie ein DJ-Pult funktionieren.

Auch am Fraunhofer EMFT werden ultradünne Bauelemente mit funktionellen Tinten auf Folie oder Papier gedruckt. Mit der eigens dafür entwickelten, robotergestützten Rolle-zu-Rolle-Fertigung können intelligente Verpackungen zum Beispiel mit eingebauten Sensoren seriell hergestellt werden.

Sprechende Tablettenschachteln

Aber der Trend hin zum Smart Packaging resultiert nicht nur aus dem Wunsch dem Konsumenten auch zwischen den Regalen multimedial auf den Leib zu rücken. Er speist sich auch aus übergeordneten Megatrends wie dem der alternden Gesellschaft und der explodierenden Gesundheitskosten. Schätzungen der WHO ergaben zum Beispiel, dass sich lediglich die Hälfte der Patienten an die Anweisungen von Arzt, Apotheker oder Beipackzettel hält. Die falsche Einnahme von Medikamenten gefährdet dabei nicht nur die Patienten selbst, sondern verursacht auch enorme Folgekosten.

Smart Packaging soll es jetzt richten. Intelligente Medikamentenschachteln mit eingebauten Chips, LEDs und winzigen Lautsprechern registrieren die Pillenentnahme und schlagen bei falscher Einnahme Alarm oder informieren sogar den behandelnden Arzt.

Faltschachteln mit Funk-Chip

Smart Packaging
Elektrochrome Displays in Walletverpackungen zeigen Informationen über die erfolgte oder nicht erfolgte Entnahme einer Tablette an. (Bild: Rondo).

Als erster Faltschachtelhersteller revolutioniert Rondo durch den Einbau von NFC-Funkchips und elektrochromer Displays die Kommunikationswege zwischen Pharmahersteller und Patient sowie zwischen Patient, Arzt und Apotheke. Die extrem dünnen Billigdisplays können auf fast alle Oberflächen geklebt werden.

Der NFC-Chip wird bei der Herstellung der Verpackung eingearbeitet und überträgt seine Informationen per Funk, sobald ein lesefähiges Endgerät in der Nähe ist. Legt man zum Beispiel ein NFC-taugliches Smartphone auf die Medikamentenschachtel, lässt sich der Beipackzettel vorlesen oder das Medikament elektronisch nachbestellen. Das Display zeigt dazu Kundenname, Medikament und Dosierung an. Rezeptbestellung an den Arzt und die Medikamentenbestellung an die Apotheke erfolgen über die entsprechende Schaltfläche.

Noch haben intelligente Verpackungen keine große Bedeutung. Die immer kostengünstigere Herstellung durch digitale Druckverfahren könnte dies aber schnell ändern. Die Analysten von Smithers Pira sehen den Markt für Intelligent Packaging jedenfalls bis 2021 mit einer jährlichen Wachstumsrate von 18 Prozent auf zwei Milliarden US Dollar wachsen.

Rondo Smart Packaging

Nach Auflage des Smartphones auf die Verpackung wird der Beipackzettel vorgelesen. (Bild: Rondo).