Mit Antilärm gegen Lärm

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Fenster zu, und der Lärm bleibt draußen. Wenn es nur so einfach wäre. Erst Minilautsprecher in Fahrzeugen und Fensterrahmen sorgen dafür, dass der Schall mit seinen eigenen Mitteln geschlagen wird.

Lärm ist nicht nur lästig, Lärm macht krank. Deshalb versuchte man schon immer ihn zu reduzieren. Lange Zeit passiv, in letzter Zeit immer häufiger auch aktiv. Dabei ist auch das nicht neu. Bereits 1933 hatte der Deutsche Paul Lueg die Idee, mit Antischall gegen Schall vorzugehen, zum Patent angemeldet. Die technische Umsetzung gelang jedoch erst im letzten Jahrzehnt mit Hilfe der Mikroelektronik.

So hatte 2002 das Advanced Institute of Science and Technology in Korea die Innengeräusche in Fahrzeugen mit mikrofonähnlichen Sensoren aufgenommen und daraus von einem Prozessor das künstliche, inverse Signal errechnen lassen. Lautsprecher unter den Vordersitzen überlagern mit diesem Antischall dann das ursprüngliche Geräusch und reduzierten so den Lärmpegel um etwa ein Viertel. Diese Technologie hat sich bereits bei HiFi-Kopfhörern bewährt.

 


Das Kickstarter-Produkt Muzo soll auf Schreibtischen oder Fensterscheiben haftend Gegenschallwellen erzeugen und so Störgeräusche unterdrücken. Man kann das mobile Gadget sogar ins Restaurant oder an den Arbeitsplatz mitnehmen. Noch lässt sich der oder das Muzo auf der Plattform Kickstarter für 139 US-Dollar vorbestellen. Lieferung Februar 2017. 

 

Seit Ende letzten Jahres vermindert eine aktive Geräuschunterdrückung (Active Noise Cancellation oder ANC) auch im Ford Mondeo Vignale störende Frequenzen von Motor und Getriebe. Andere Fahrzeughersteller arbeiten mit ähnlichen Lösungen. Dabei bieten mittlerweile die Anbieter von Car-Soundsystemen zunehmend Geräuschmanagement-Systeme an. So verringert etwa die Harman Halosonic Suite getrennt voneinander Motor- und Strassengeräusche. Übrigens lässt sie auch den „Lärm“ bzw. Motorensound so klingen wie vom Hersteller gewünscht.

Geräuschunterdrückung für zuhause

Was im Fahrzeug funktioniert, kann zuhause wahre Wunder bewirken. Antischall als aktiver Schallschutz für Fassaden und Fenster soll auch hier künftig unerwünschte Schwingungen und Lärmgeräusche verhindern. Besonders im tieffrequenten Bereich haben diese aktiven Schallschutzfenster Vorteile gegenüber konventionellen Fenstern. Bisher allerdings versperrten die auf der Scheibe angebrachten Piezoaktoren, die dort die Scheibenschwingungen und somit den Schalldurchgang minderten, die Sicht.

Der im Fensterrahmen integrierte, schlanke Lautsprecher auf Basis elektroaktiver Polymere (EAP) des Fraunhofer LBF beseitigt nun diese Nachteile und ist darüber hinaus sehr kostengünstig herzustellen. Neben der klassischen Anwendung in Haushalten oder in Räumen mit extremen Anforderungen, wie etwa Tonstudios, ist eine Auslegung auch für sensible Räume denkbar. So lässt sich beispielsweise in Besprechungszimmern gezielt die Verständlichkeit nach außen hin vermindern.

 

Erfahren Sie alles über den Einsatz von Mikroelektromechanischen Systemen (MEMS) in Mikrofonen oder Signalfiltern in Halle B1.

 

Geräuschunterdrückung (Bild: pixabay/ Kai Stachowiak).

Lautsprecher machen Lärm, aber auch das Gegenteil. (Bild: pixabay/ Kai Stachowiak).