Von „tierischer“ Elektrizität zur Bioelektronik

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Galvanic Bioelectronics heißt das neue Unternehmen, mit dem die Google-Holding Alphabet und der Pharmariese GlaxoSmithKline in Zukunft chronischen Erkrankungen mit Hilfe von winzigen Implantaten an den Nerven behandeln wollen.

Lange Zeit fragte man sich, was Google eigentlich macht. Mittlerweile ist man eher geneigt zu fragen, was Google nicht macht. Neben dem Kerngeschäft Internetwerbung, betreibt der Suchmaschinenriese mit der für das Silicon Valley typischen Mischung aus Größenwahn und Experimentierfreudigkeit eine wachsende Anzahl von zum Teil exotischen Projekten. Und nicht alle dienen dazu noch mehr Werbung zu verkaufen. Auch Gesundheit und ewiges Leben stehen auf der Liste. Wobei, wer ewig lebt natürlich auch ewig mit Werbung zugepflastert werden kann.

Bioelektronik gegen chronische Krankheiten

Gestern nun wurde bekannt, dass Verily Life Sciences – ein Ableger der Google-Mutter Alphabet – und das britische Pharmaunternehmen GlaxoSmithKline (GSK) gemeinsam bioelektronische Medizin voranbringen wollen. Das macht durchaus Sinn. Ist doch moderne Medizintechnik ein stark interdisziplinäres Unterfangen. Meist trifft hohe biologisch-medizinische Kompetenz auf das Know-how, Elektronik extrem „klein“ zu machen und die Daten sinnvoll zu verarbeiten.

Das neue Unternehmen heißt Galvani Bioelectronics. Benannt nach dem italienischen Arzt und Naturforscher Galvani, der Ende des 18. Jahrhunderts als erster entdeckte, dass Froschschenkel auf Elektrizität reagieren. Und sogar „dem Tier selbst Elektrizität innewohnt“.

Alte Entdeckung – neue Wissenschaft

Über zweihundert Jahre später ist die Bioelektronik immer noch eine relativ neue Wissenschaft, in dem GSK seit etwa vier Jahren mitmischt. Eigentlich verwunderlich, werden doch viele Prozesse im Körper von elektrischen Signalen gesteuert. Chronische Krankheiten wie Arthritis, Diabetes oder Asthma fungieren hier oftmals als „Störenfriede“. Winzige programmierbare Implantate an den Nervenbahnen sollen dem in Zukunft entgegen wirken, indem sie die gestörten elektrischen Signale registrieren und korrigieren.

Galvani Bioelectronics will sich erst einmal ganz der Volkskrankheit Diabetes Typ 2 widmen. Hier ist das Potential wohl am größten. Immerhin sind derzeit rund 285 Millionen Erwachsene – 6, 6 Prozent der Weltbevölkerung – an Diabetes mellitus (95 Prozent davon sind Typ 2) erkrankt.

Galvani Bioelectronics stehen für die ersten sieben Jahre 640 Millionen Euro zur Verfügung. GSK hält 55 Prozent, die Alphabet-Tochter Verily 45 Prozent des neuen Unternehmens, das in Großbritannien angesiedelt sein wird.

 

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Bioelektronik (Bild:GSK)

Winzige Implantate an den Nerven sollen zukünftig Störungen korrigieren. (Bild: GSK).