TREND LED: Das Internet des Lichts

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Noch gehört die Versorgung mit Licht zu den Hauptaufgaben einer LED. Aber nun müssen sie wie alles andere auch ins „Netz“ und nur leuchten reicht nicht mehr.

Nach der Herstellung der ersten LED durch den russischen Erfinder Oleg Losev im Jahr 1927 dauerte es über ein halbes Jahrhundert, bis die Licht emittierenden Dioden ihr wahres Potential zeigen konnten. Weitere 35 Jahre später finden sich die Spitzenreiter auf dem Feld energieeffizienter Beleuchtungslösungen nun plötzlich an vorderster Stelle der Internet-of-Things-Revolution.

Laut dem Marktforschungsunternehmen Memoori werden gebäudebasierte IoT-Installationen bis 2020 in der Hauptsache über die Beleuchtungsinfrastruktur erfolgen. Denn die überall bereits vorhandene Infrastruktur des Lichts ist die ideale Basis dafür. Daten wie etwa die Anwesen­heit von Personen in einem Raum werden allerdings bereits heute durch die Lichtspender erfasst. Was aber bisher nur der Lichtsteue­rung dient, scheint in Zukunft auch vollkommen „lichtfremde“ Anwendungen zu ermöglichen. So könnten etwa „Echtdaten-Einblicken“ in gewerbliche Gebäude neue Mehrwert-Dienste für Instandhaltung oder Zustandsüberwachung generieren.

Mehr als Licht

Die intelligente Vernetzung von Licht mit dem Internet stellt einen ähnlichen Wandel im Beleuchtungssektor dar wie die Ablösung der Glühlampe und Leuchtstoffröhre durch die LED. Der Innovationscharakter resultiert allerdings nicht mehr primär aus der technischen Weiterentwicklung, sondern im Aufstellen eines funktionierenden Geschäftsmodells. Das in der Hauptsache Hardware-Produkt Leuchte könnte so zu einem Software-Cloud-Produkt mit den dafür typischen Abrechnungsmodellen mutieren.

Vor diesem Hintergrund holten sich alle großen Leuchtenherstellern Software –und Netzwerk-Expertise ins Haus. So tat sich etwa der internationale Lichtkonzern Zumtobel mit Bosch Software Innovations zusammen. Auf der Agenda stehen erst einmal die Fernsystemanalyse (Remote Monitoring) und das Raummanagement (Space Management) mit vernetzten Beleuchtungslösungen für intelligentere gewerbliche Gebäude.

Sozusagen als Leuchtturmprojekt dient der Life Cycle Tower ONE in Dornbirn, Österreich. Mit an Bord sind neben Zumtobel und Bosch auch Dassault Systèmes, ein Weltmarktführer für 3D-Design-Software, und Modcam, ein Startup mit Fokus auf Digitale Bilderkennung.

Das „Turm-Management“ gewährt nun in Echtzeit Einblicke in den Zustand und die technische „Gesundheit“ des Gebäudes. Abgedeckt werden dabei die Bereiche Energieverbrauch und die Energieeinsparung pro Leuchte, pro Etage und für das gesamte Gebäude, sowie Visualisierungen der Anwesenheitsdaten und der Flächennutzung. Eine Heat Map (Wärmekarte) zeigt die Belegung eines Raums.

Für die Wartung liefert das System Benachrichtigungen bei fehlerhaften Leuchten und die Nutzungshistorie des Beleuchtungssystems. Das Wissen über bevorzugte Lichteinstellungen hilft bei der Optimierung von Lichtszenen und erhöht in der Folge die Zufriedenheit der Gebäudenutzer.

Noch müssen die Präsenzsensoren außerhalb der Leuchte installiert und mit Batterien betrieben sowie die Daten von einem zentralen Rechner verarbeitet werden. Schon bald aber soll sich die Leuchte in einen Sensorhub mit eigenem Prozessor verwandeln, in dem auch die Sensorik schon integriert ist. Die Stromversorgung erfolgt dann über die Leuchte, und für die Kommunikation sorgt eine auf IP-Technik angepasste DALI (Digital Addressable Lighting Interface) – die herstellerübergreifende Schnittstelle für alle Komponenten innerhalb eines Lichtsystems. Nicht ganz so rosig sieht es allerdings mit Schnittstellen für die Kommunikation zwischen Gebäudetechnik und den Sensoren in der Leuchte aus.

Die LED-Schwergewichte sind „in“

Klar, dass auch andere Branchen-Schwergewichte die vernetzten Zeichen der Zeit erkannt haben. So gab vor ein paar Wochen Osram die Gründung der Fluxunit GmbH bekannt. Die neue Unternehmenseinheit des Münchener Beleuchtungshersteller will sich damit wie die Konkurrenz auch als führender Anbieter von vernetzten LED-Beleuchtungssystemen aufstellen. Fluxunit soll dabei eine Art Anlaufstelle für interne und externe Startups sein, um schnell Produkte und Geschäftsideen zu fördern, die über das klassische Geschäft eines Lichtanbieters hinausgehen.

Philips Connected LightingAuch die kürzlich bekannt gegebene strategische Allianz zwischen Philips und dem IT-Riesen Cisco soll das Internet der Dinge (IoT) via Licht in moderne Büros bringen. Dazu werden die LED-basierten Philips Beleuchtungssysteme mit der sicheren IT-Netzwerktechnologie von Cisco kombiniert. Die via Power-over-Ether­net mit Sensoren und Geräten verbundene Beleuchtung kann dann zukünftig ihre Umgebung durchgehend erfassen, um etwa die aktuelle Raumnutzung festzu­stellen und die Beleuchtung entsprechend anzupassen. Cisco lässt sich derzeit schon einmal ein modernes vernetztes Beleuchtungssystem von Philips in seinem kanadischen Hauptsitz in Toronto installieren.

Auch die Beleuchtung kommt nun im Internet der Dinge an. Die Kooperationen für die zukünftigen „Lichtnetzwerke“ sind geschmiedet. Für die Hersteller und Service-Anbieter wartet ein Milliardenmarkt, für den Kunden mehr Komfort, Energieersparnis, aber möglicherweise auch eine weitere Datenkrake.

Was erwarten Sie vom neuen Licht? Haben sie schon vollkommen auf LED umgestellt, oder bunkern Sie noch Glühbirnen. Diskutieren Sie mit uns hier im Blog und erleben Sie die neuesten LED-Technologie auf dem SSL Forum während der electronica 2016!

 

electronicalogo rand rot rechts dünnHolen Sie sich im SSL Forum 2016 einen Überblick über Technologien in SSL (solid state lighting) Systemen. Das Forum wendet sich an Elektronikentwickler und System Designer sowie an Projektleiter, Produktionstechniker und Supply Chain Manager, die in SSL Entwicklungsprojekte einbezogen sind.

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