Selbstfahrendes Auto: Lenken und gelenkt werden

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Fahren ohne Fahrer ist DAS große Ding der Autoindustrie. In den USA soll nun eine Sicherheits-Liste die Hersteller zügeln, um „autonom“ Gas zu geben.

Autos müssen in Zukunft alleine fahren können. Sonst werden sie wie Pferde nur noch eine „sentimentale“ Daseinsberechtigung haben, sagte Tesla-Chef Elon Musk. Dabei war eines seiner Limousinen erst kürzlich völlig „selbständig“ in einen tödlichen Unfall verwickelt.

Die „technische“ Vermeidung solcher Vorfälle ist weitestgehend planbar, wenn sie auch nicht vollkommen auszuschließen sind. Die Diskussion in der Gesellschaft stellt da schon eher ein unkalkulierbares Risiko für die rasche Einführung autonomen Fahrens dar. Obwohl es unstrittig ist, dass damit die Zahl der Verkehrstoten drastisch sinken würde. Aber schließlich musste seinerzeit schon der Sicherheitsgurt eine Menge Widerstände überwinden, bevor er Millionen von Menschenleben retten durfte.

Flexible Liste für selbstfahrendes Auto

Eine 15-Punkte-Liste der US-Regierung soll jetzt nach Obama offen legen, wie es um die Sicherheit selbstfahrender Autos tatsächlich bestellt ist. Und zwar „nicht nur der Regierung, sondern jedem Amerikaner“. Fahrzeughersteller müssen neben dem Einbau von Ersatzsystemen für eventuelle Ausfälle der Technik unter anderem ihre Testroutinen, Maßnahmen gegen Hacker-Angriffe und ihren Umgang mit Nutzerdaten veröffentlichen.

Die Sicherheits-Liste zielt nur auf Automatisierungen bis Level 4 – also Hochautonomie. Das Fahrzeug fährt dauerhaft selbst, der Fahrer kann aber jederzeit übernehmen. Vollautonomie – ein selbstfahrendes Auto ohne Lenkrad – sieht die Gesetzesvorlage nicht vor.

Viele Experten in USA halten die Regulierung für flexibel genug. Trotz strikter Beachtung der Sicherheitsaspekte würden dadurch weitere technische Entwicklungen nicht behindert. Auch bei Audi begrüßte man das „Papier“. Für die Öffentlichkeit würde dadurch transparent, was die neuen Fahrzeuge können, und was nicht. Allzu kritisch gegenüber der amerikanischen Behörde können die Ingolstädter allerdings nicht sein. Sollen doch einige ihrer Modelle ab diesen Herbst in USA mit der zentralen Verkehrskontrolle kommunizieren, um den Status von „einheimischen“ Ampeln abzufragen.

Es gab allerdings auch andere Stimmen. So fragte sich John Dolan vom Robotics Institute am Carnegie Mellon College, wie sich denn genau ein unsicheres halbautomatisiertes System definieren ließe. Und der Analyst für Autonomes Fahren bei Gartner, Michael Ramsey, traut der Behörde nicht unbedingt zu, so hochinnovative Technologien richtig bewerten zu können. Für ihn stecken die Teufel in Unmengen von Details.

Autonom in Europa unterwegs

Für amerikanische Verhältnisse jedenfalls stellt die Sicherheits-Liste ein Novum dar. Normalerweise ruft man jenseits des Atlantiks fehlerhafte Technologie zurück, nachdem sie auf die Anwender „losgelassen“ wurde. Der Blick unter die Haube vor der Einführung ist eigentlich Europäisch.

Apropos Europa. Eine europäische Lösung ist nicht in Sicht. Noch eher kommt es zu einem deutschen Alleingang. Hierzulande will das Bundesverkehrsministerium schnell selbstfahrende Autos mit Einschränkungen erlauben. Der Fahrer muss allerdings weiterhin die Kontrolle über das Fahrzeug übernehmen können. Laut dem knapp 50 Jahre altem Wiener Abkommen sind Fahrzeuge ohne Lenkrad ausgeschlossen. Die Übereinkunft wurde von 74 Nationen unterzeichnet. USA und China gehörten nicht dazu.

Das Problem kennt man in China nicht. Noch dieses Jahr soll eine Roadmap autonome Fahrzeuge in urbanen Gebiete bringen. Kürzlich wurde dazu in Shanghai das erste Test-Center eröffnet. Die „kompromisslose“ staatliche Unterstützung und die schiere Größe des Automobilmarktes in China kann dafür sorgen, dass man im Reich der Mitte der Konkurrenz „autonom“ davonfährt. So erwarten die Marktforscher von IHS bis 2035 ca. 5.7 Millionen selbstfahrende Automobile in China, verglichen mit 4.5 Million in den USA und 3 Million in Westeuropa.

Wenn man in Deutschland und Europa eine gewichtige Rolle im Zukunftsmarkt „individuelle Mobilität und selbstfahrendes Auto “ spielen will, sollte man schnell für die politischen und rechtlichen Rahmenbedingungen sorgen. Auch eine vertrauensbildende, „milde“ Regulierung würde für die nötige Akzeptanz in der Bevölkerung sorgen. Einer gerade veröffentlichten Studie von Deloitte zufolge befürchten immerhin 65 Prozent der Befragten unzuverlässige Technik und 50 Prozent Hackerangriffe und Datendiebstahl beim Fahren ohne Fahrer.

 

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