Erstes Serienauto lädt kabellos

| |
1 Star2 Stars3 Stars4 Stars5 Stars

Nun ist es offiziell. Mit dem neuen Mercedes S 500e kappt der erste serienmäßige E-Hybrid schon nächstes Jahr seine Ladekabel. Das wird nicht sofort dafür sorgen, dass man unsere Städte mit Ladematten zupflastert. Aber ein Anfang ist gemacht.

Nicht immer tragen Ankündigungen so schnelle Früchte. Erst letztes Jahr hatten Daimler und Qualcomm bekannt gegeben, gemeinsam an „Connected Cars“ zu arbeiten. Daneben sollte die Ladetechnologie des Halbleiterriesen aus San Diego die Elektro-Autos und Hybrid-Modelle drahtlos mit Strom versorgen. Und schon nächstes Jahr stört kein „Anhängsel“ mehr die teuren Stromlinien einiger Luxuslimousinen mit Stern.

Halo Wireless Electric Vehicle Charging (WEVC) heisst der induktive Kabelkiller. Einfach das Fahrzeug auf einer im Boden angebrachten Spule parken und den Ladevorgang starten, wenn die Anzeige im Cockpit grünes Licht gibt. Dann befindet sich der S-Klasse-Hybrid in der optimalen Position, und keine Katze hat es sich auf der Ladematte bequem gemacht. Die von einer „sekundären“ Spule unter der Motorhaube „aufgefangene“ Energie wird mit einer Leistung von bis zu 3,6 kW an die Batterie „weiterreicht“. Mit knapp 90 Prozent Wirkungsgrad lässt man dabei sogar einige Kabel hinter sich.

Die Methode ist bequem. Aber nicht nur. Sie verlängert auch die Batterielebensdauer. Denn Lithium-Ionen-Akkus fühlen sich bei einem Ladezustand zwischen 60 und 80 Prozent am wohlsten. Deswegen sind mehrere kleine Ladungen über den Tag verteilt optimal. Entgegen kommt dem die kabellose Variante. Wer will schon mehrmals am Tag an einer Ladesäule hängen?

Kabellos in den Boxen

Der BMW i3, BMWi8, Renault Zoe, Mitsubishi Imiev, Honda Accord oder Nissan Leaf könnten bald ähnlich bequem und batterieschonend ihren Strombedarf decken. Nach Anthony Thomson, dem Vice President Business Development & Marketing von Qualcomm, soll „Halo“ da schon erfolgreich getestet worden sein.

BMW konnte dazu die Qualcomm-Technik schon ausgiebig in der Rennserie Formel-E testen. Der umgebaute BMW i8 lädt da kabellos mit 7,2 kW fast so schnell wie über sogenannte „Wallboxen“, die den Anschluss an das normale 230V-Stromnetz ermöglichen.

Standards brauchen Zeit

Qualcomm ist nicht der einzige Anbieter von drahtloser Ladetechnik. KAIST, Momentum Dynamics, Evatran gehören genauso dazu wie Witricity. Letztere sitzen die nächsten zwei Jahre im Projekt STILLE (Standardisierung Induktiver Ladessysteme über Leistungsklassen) zusammen mit Continental, Bosch, Qualcomm, TÜV Süd, Audi, BMW, Daimler und Toyota, um die Entwicklung eines interoperablen Standards für kabellose Ladesysteme gezielt zu unterstützen.

Den hatte schon Ende 2010 die „Society of Automotive Engineers“ (SAE) mit der Arbeitsgruppe SAE J2954 avisiert. Vor einem halben Jahr war es dann soweit. SAE TIR J2954 heißt die neue Norm, mit der induktive Ladestationen herstellerunabhängig nutzbar werden. Geregelt sind da etwa mit 85 kHz die Frequenz für die Übertragung von der Primär- zur Sekundärspule und die Kommunikationsstandards für den Kontakt zwischen den beiden.

Noch ist der Standard nur vorläufig. Damit lassen sich aber schon jetzt erste Ladesysteme implementieren. Die finale Version soll nächstes Jahr kommen, und die High-Power-Version wird zwischen 2018 und 2020 erwartet. Derzeit können kabellose Ladestationen den großen Energiehunger reiner Elektrofahrzeuge sowieso nur bedingt stillen.

Die Analysten von Strategy Analytics erwarten für die nächsten Jahre erst einmal ein langsames Wachstum. Erstens ist die Technologie mit einem Preis zwischen 1,000-2,000 Dollar – nur für den Wagen – teuer und zweitens rangieren die Automodelle, die ihrem Besitzer so viel Bequemlichkeit spendieren, erst einmal ausschließlich im Luxussegment. Bis 2023 sieht man deswegen auch nur 1,3 Millionen „Kabellose“ über die Strassen rollen. Auf lange Sicht sollte aber genügend Potential vorhanden sein.

 

Was denken Sie über die Möglichkeit kabellos zu laden. Würden Sie sich dadurch eher für ein Elektromobil erwärmen können? Diskutieren Sie mit uns, und besuchen Sie die electronica 2016. Mehr Automobilelektronik finden Sie nirgends!

 

electronicalogo rand rot rechts dünnErfahren Sie alles über Automotive in Halle A6, auf der electronica Automotive Conference und im electronica Automotive Forum.
Programm der electronica Automotive Conference 2016

 

Daimler Kabellos mit Halo  (Bild: Daimler)

Kabellos ist in, nicht nur bei Akkuschrauber, Smartphone und Co. (Bild: Daimler).