TREND Technologie: Top-Prognosen für 2017

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Wie jedes Jahr wagten Analysten einen herbstlichen Blick in ihre Glaskugeln. Manches ist auch für gewöhnlich Sterbliche vorhersehbar, anderes wiederum durchaus überraschend.

Auf Jahreskongressen geizen Analystenhäuser nicht mit Vorhersagen über die Tech-Welt und wie alles so werden wird. Gartner macht da keine Ausnahme. Zu Recht, immerhin konnte das Orakel aus Stamford, Connecticut in der Vergangenheit mit einer Trefferquote von 78 Prozent überzeugen.

Die Wahrsager von Forrester schlagen mit ihren „Top emerging technologies to watch: 2017 to 2021“ in eine ähnlich große Kerbe, stellen aber weniger das technologische Fortschreiten in den Vordergrund, als vielmehr den Business-Nutzen.

Wenig überraschend, dass für beide künstliche Intelligenz und das Internet der Dinge (IoT) ganz oben auf der Liste stehen. Und auch eine Zukunft ohne Augmented Reality und Virtual Reality kann sich kein Analyst mehr vorstellen.

1. Künstliche Intelligenz und Maschine Learning

Für Gartner und die meisten anderen Analysten ist künstliche Intelligenz (KI) das „nächste große Ding“. Nach über 20 Jahren sei die Zeit nun reif dafür. Schließlich haben schon heute Millionen von Menschen meist unwissentlich mit KI-Systemen wie IBMs Watson, Google’s Assistant, Apples Siri oder Microsofts Cortana zu tun.

Für Google’s CEO Pichai geht die Smartphone-Ära ihrem Ende entgegen. Das alles beherrschende elektronische Gerät der letzten Jahre verkommt in Zukunft zur bloßen Möglichkeit, künstliche Intelligenz an die „Strippe“ zu bekommen. Und das immer weniger über einen Bildschirm. Fast ein Drittel aller „Web-Sessions“ kann und muss bis 2020 darauf verzichten, weil Hände und Augen wie etwa beim Autofahren gerade nicht abkömmlich sind. Noch nicht. Denn für autonome Systeme wie Roboter oder selbstfahrende Fahrzeuge ist KI andererseits der Wegbereiter. Komplexe Bilder erkennen nun einmal zuverlässig nur neuronale Netze.

Nach Forrester beginnen KI-Technologien bis 2021 vor allem im Transport, Kundendienst und in der Logistik Mitarbeiter zu ersetzen. Selbstlernende Systeme verändern auch das Marketing grundlegend. Über Realtime Interaction Management (RTIM) bekommt der Konsument dann genau zur richtigen Zeit auf genau dem richtigen „Touchpoint“ die genau richtigen Inhalte.

2. Intelligente Apps

Intelligente Apps wie virtuelle persönliche Assistenten (VPA) werden unser Leben einfacher und „effektiver“ machen. Etwa indem sie Emails oder Content für uns priorisieren. Nach Gartner sind sie dann auf bestimmte Gebiete spezialisiert, mit dem Potential unser Arbeits- und Privatumfeld zu verändern.

Über die nächsten zehn Jahre wird jede App, Anwendung und jeder Service irgend etwas künstlich Intelligentes „eingebaut“ haben. Das ersetzt dann auch so manchen Arztbesuch. So soll bis zum Jahr 2025 die Hälfte der Bevölkerung im Bereich der medizinischen Grundversorgung von VPAs behandelt werden. Und damit nicht genug, Gartner erwartet auch, dass der virtuelle Doktor bessere Noten bekommt, als sein „weißkitteliges“ Pendant.

Nach Forrester werden intelligente Agenten wie Siri und Co. bis 2021 sechs Prozent der aktuellen Arbeitsplätze ersetzen, weil sie die Verhaltensmuster der Anwender nicht nur verstehen, sondern auch eigenständig Entscheidungen daraus ableiten können.

3. Virtuelle und erweiterte Realität

Immersive Technologien wie Virtual Reality (VR) und Augmented Reality (AR) verändern die Art und Weise wie Menschen untereinander und mit Software-Systemen agieren. Und das dramatisch schnell bis 2021. VR und AR verschmelzen mit dem digitalen Netz zu einer nahtlosen Umgebung aus Geräten, die den Benutzer „pausenlos“ mit personalisierten Diensten versorgt. Gleichzeitig verlassen die Träger überdimensionierter Taucherbrillen ihre Isolation, weil VR-Systeme zunehmend in mobile und IoT-Umgebungen eingebunden werden.

Für Forrester ist Virtual Reality auch 2021 noch ein Nischen-Thema. Bis 2020 soll es 52 Million VR-Brillen in Unternehmen und Haushalten geben. Die Investmentbanker von Goldman Sachs erwarten, dass bis 2025 rund 80 Milliarden US-Dollar jährlich mit VR umgesetzt werden.

4. Digital Twins

Digitale Zwillinge sind virtuelle Abbilder realer Produkte – vom Mikrochip bis zum Walzwerk. Sie entstehen schon mit der Produktidee, liefern die Vorlage für Prototyping sowie Fertigung und bleiben über den gesamten Lebenszyklus untrennbar mit ihrem realen Pendant verbunden. Sensoren sorgen dafür, dass die falschen Twins kontinuierlich mit echten Daten gefüttert werden.

Oft zitiert wird in dem Zusammenhang das Beispiel „vorausschauende Wartung (Predictive Maintenance)“, in dem der Twin etwa den optimalen Wartungszeitpunkt bestimmt. Aber auch komplette Fabriken könnten auf diese Weise in Zukunft geplant und betrieben werden. Gartner rechnet innerhalb der nächsten 3-5 Jahre, dass digitale Doppelgänger Hunderte von Millionen „Dingen“ begleiten.

5. Security

Zu viele Daten aus zu vielen unterschiedlichen Technologien und Anwendungen stellen für die Unternehmen ein erhebliches Problem dar. Gartner setzt deswegen auf eine adaptive Sicherheitsarchitektur, in der nicht nur auf „Einbrüche“ reagiert wird, sondern kontinuierlich alle Prozesse nach existierenden und potentiellen Bedrohungen abgeklopft werden.

Für Forrester muss Sicherheit durch automatisierte Workflows gewährleistet werden. In den nächsten fünf Jahren soll der Markt dafür reif sein.

 

Bei Prognosen amerikanischer Analysten muss man immer auch bedenken, dass sowohl die deutsche Wirtschaft als auch der deutsche Verbraucher in manchen Dingen anders ticken, als die Amerikaner. Die Umsetzung einiger Technologien könnte also zumindest zeitversetzt vonstattengehen. Was meinen Sie? Was wird passieren, was eher nicht? Diskutieren Sie mit uns.

 

Top-Prognosen für 2017 (Bild: pixabay).

Der Blick in die Zukunft zum Jahresende hat Tradition. (Bild: pixabay).