Smart Cars alarmieren bei Diebstahl die Polizei

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85 Prozent der Deutschen möchten, dass Autos im Falle eines Diebstahls selbst die Polizei rufen. Die vollvernetzten Fahrzeuge der Zukunft sollen auch eigenständig Parkplätze finden, sich per Ferndiagnose warten lassen und andere Fahrzeuge vor Gefahren warnen. Zu diesen Ergebnissen kommt der electronica-Trend-Index 2020, für den 7.000 Teilnehmern rund um den Globus befragt wurden.

Etwa 250 Millionen vernetzte Fahrzeuge werden im Jahr 2020 weltweit auf den Straßen unterwegs sein, schätzen die Analysten von Gartner. Jedes fünfte Auto soll dann mit dem Internet verbunden sein. Dieses Jahr werden rund 12 Millionen Neufahrzeuge mit Konnektivitätsfunktionen vom Band rollen. 2020 sollen es bereits 61 Millionen sein, prognostizieren die US-Marktforscher.

Mikroelektronik als Innovationstreiber

Fahrzeuge werden zunehmend mit Sensoren und Embedded-Funktionen für Informationsverarbeitung und Wireless-Kommunikation  ausgestattet. „80 Prozent der Innovationen im Automobilbau werden heutzutage von Mikroelektronik und Software angetrieben“, sagt Falk Senger, Geschäftsführer der Messe München und zuständig für die electronica, Weltleitmesse für Komponenten, Systeme und Anwendungen der Elektronik. Was die Menschen weltweit vom voll vernetzten Auto der Zukunft erwarten, zeigt der electronica-Trend-Index 2020. Dazu wurden insgesamt 7.000 Verbraucher in China, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Japan und den Vereinigten Staaten befragt.

Begehrtestes Feature: digitaler Diebstahlschutz

Für Autofahrer in Deutschland hat Diebstahlschutz oberste Priorität: 85 Prozent der Bundesbürger wünschen sich, dass Autos mit Hilfe von Sensoren selbst erkennen, wenn ein Dieb sie stehlen will. Im Ernstfall sollen sie dann automatisch einen Notruf an die Polizei absetzen und auch gleich die aktuellen Positionsdaten durchgeben. Das verwundert nicht: Im vergangenen Jahr wurden allein in Deutschland mehr als 18.600 Pkw gestohlen, rund vier Prozent mehr als im Vorjahr. Der wirtschaftliche Schaden stieg damit auf über 291 Millionen Euro an, geht aus der aktuellen Kfz-Diebstahlstatistik des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft hervor. Besonders begehrt bei den Dieben: SUVs. Unter den am häufigsten gestohlenen Fahrzeugen finden sich gleich mehrere hochpreisige Geländewagen wie Range Rover, Toyota Land Cruiser, Lexus RX350, Audi Q7, BMW X6 und X5. Die bei Autodieben beliebtesten Marken: Land Rover und Jaguar, gefolgt von Audi, Porsche und BMW. Auch den Italienern ist digitaler Diebstahlschutz ein zentrales Anliegen (76 Prozent). In Großbritannien sind es mit 59 Prozent deutlich weniger und in Japan nur 45 Prozent.

Car-to-X und Car-to-Car

Hoch im Kurs stehen bei den Deutschen auch Komfort und Fahrsicherheit. 77 Prozent der Befragten möchten, dass Autos selbständig freie Parkplätze detektieren. So sind etwa in mehreren Mercedes-Benz-Modellen in Europa und den USA bereits digitale Parkdienste integriert, die dynamische Echtzeitinformationen über öffentliche Parkplätze, die Lage von Parkhäusern, Stellplatzanzahl, Belegung und Gebühreninfos umfassen. Eine begehrte Funktionen ist auch die Ferndiagnose (73 Prozent). Zudem sollen die Autos der Zukunft bei drohenden Gefahren automatisch per Funk die Fahrzeuge in der Nähe verständigen (71 Prozent).

Altersspezifische Präferenzen

Car Entertainment ist bei Menschen mittleren Alters ein begehrtes Ausstattungsmerkmal.
Car Entertainment ist bei Menschen mittleren Alters ein begehrtes Ausstattungsmerkmal.

Wenn es um smarte Autoelektronik geht, setzen die Verbraucher je nach Alter unterschiedliche Schwerpunkte. So ist in Deutschland für 63 Prozent der Menschen mittleren Alters zwischen 35 bis 54 Jahren Online-Unterhaltung während der Fahrt ein wichtiges Kriterium. In der Altersklasse 55 Plus haben solche Entertainment-Wünsche deutlich weniger Anhänger (43 Prozent). Ein ähnliches Bild zeigt sich bei der Frage nach innovativer Antriebstechnik: 71 Prozent der mittleren Altersgruppe halten es für wichtig, dass ein smartes Auto über einen elektrischen Antrieb verfügt. In der Generation 55 Plus steht das Elektroauto dagegen weniger hoch im Kurs (56 Prozent).

Länderspezifische Unterschiede

„Wie der electronica-Trend-Index zeigt, wird die Technik der Zukunft weltweit positiv bewertet, wenn sie das Leben der Menschen sicherer und einfacher gestaltet“, sagt Falk Senger. „Allerdings zeichnet die Umfrage-Auswertung individuelle Verbraucherprofile in den sieben untersuchten Länder.“ Bei Sicherheit, Umwelt und Entertainment beispielsweise setzen Menschen in den USA andere Schwerpunkte als Verbraucher in Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, China oder Japan. Auch das Zukunftsthema Car-Sharing illustriert, wie unterschiedlich Fahrzeug-Features in verschiedenen Ländern bewertet werden: In China halten die Verbraucher ein smartes Auto, das seinen Standort meldet und so Abrechnungen für eine Car-Sharing-Nutzung erleichtert, für eine gute Idee. In Italien begrüßen immerhin 76 Prozent diese Funktion. In Ländern, in denen der Schutz der Privatsphäre einen hohen Stellenwert hat, wie in Deutschland, Großbritannien und Japan hingegen, ist man deutlich skeptischer: Dort wollen nur rund 50 Prozent der Befragten, dass die Bordelektronik Dienstleistern mitteilt, wohin sie fahren.

Range Rover Sport

SUVs im Visier der Autodiebe: Digitaler Diebstahlschutz hat beim vollvernetzten Fahrzeug der Zukunft hohe Priorität.