electronica 2016: „Entwicklungshilfe“ für Entwickler

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Wer zu spät kommt, den bestraft der Markt. Besonders bei extrem kurzen Produktzyklen wie im Healthcare- und Wearable-Bereich üblich. Ohne passende Entwicklungsplattformen kann man da mit dem Tempo schwer Schritt halten. Wir haben einige davon für Sie auf der elektronica 2016 entdeckt.

Wie verbreitet der mobile Gesundheitsbereich inzwischen ist, zeigte eine aktuelle Umfrage des Marktforschungsunternehmens GfK. Danach  gehen knapp ein Drittel der Deutschen ohne Gesundheits-App, Fitness-Armband oder Smartwatch nicht mehr aus dem Haus. Getoppt wird das nur noch von China (45 Prozent), Brasilien und den USA (jeweils 29 Prozent). Noch gibt man sich dabei mit der Herzfrequenz, der zurückgelegte Strecke, den Schritten oder den verbrannten Kalorien zufrieden. Aber neue Anwendungen, auch professionellere, scharren mit den Hufen.

Da heißt es, schnell auf den Markt zu kommen. Leichter gesagt als getan. Schließlich kann das Entwickeln eigener Boards mit Sensoren für Wearable-Anwendungen im Gesundheits- und Fitnessbereich sehr komplex werden. Designer müssen zuerst ihre individuelle Hardware und Firmware erstellen, um ihre Konzepte zu validieren und dann Prototypen herstellen, bevor sie mit Feldversuchen starten können. Anschließend verbringen sie viel Zeit mit der Evaluierung von Sensoren und bereits bestehender Lösungen. Development-Plattformen können da die Entwicklungszeit um Monate verkürzen.

 

So bietet etwa Maxim Integrated (Halle A4, Stand 279) die extrem kleine hSensor Platform mit ARM® mbed-Unterstützung für Wearable-Health- und High-End-Fitnessanwendungen wie etwa Brustgurte, EKG-Pflaster,  Thermometer, Einweg-Temperaturmesspflaster, Blutsauerstoff-Messgeräte, intelligente Waagen und die Bio-Authentifikation an. Das Referenzdesign MAXREFDES100# bestehend aus einem hSensor-Board, der kompletten Firmware mit Treibern, einem Debugger-Board und einer grafischen Benutzeroberfläche (GUI) ist für 150,- US-Dollar erhältlich.
Auf dem Medical Electronics Forum nimmt heute, 8. November 2016, 14:30-15:30 Uhr (Halle A3, Stand 242), Andrew Baker, Executive Director, Industrial & Healthcare bei Maxim, an einer Podiumsdiskussion zum Thema „Wearables for Healthcare – Components for Digital Medicine“ teil.

 

Die „Medical Platform MD8710“ von Infineon (Halle A5/Stand 506) kann in ganz unterschiedliche elektronische Anwendungen in der Medizintechnik integriert werden. Mögliche Einsatzfelder sind elektronische Blutzucker- und Blutdruck-Messgeräte, elektrochemische Analysen oder Fitnessgeräte, die ihre Messwerte automatisch auch per Mobilfunk an den Computer des Arztes oder die Klinik übermitteln.

 

Die Open Source Entwicklungsplattform WaRP7 von Farnell element 14 und NXP (Halle A6/Stand 107) vereinfacht den Entwicklungsaufwand für Linux-Softwareentwickler und unterstützt umfangreiche Benutzeroberflächenfunktionen. Basierend auf dem Applikationsprozessor i.MX 7Solo von NXP kann sie übergeordnete Betriebssysteme und funktionsreiche Benutzerschnittstellen ansteuern. Neben integrierten Sensoren, Datenanbindung über NFC, Bluetooth, Bluetooth Smart und Wi-Fi, stellt sie einen externen LPDDR3-Speicher auf dem Board sowie umfangreiche Multimedia-Funktionen mit Zugriff auf einen MIPI-DSI-Display-Port, eine On-Board-Kamera und Audiofunktionen zur Verfügung.

 

Bei Digikey (Halle A5/Stand 578) gibt es basierend auf dem FPGA iCE40 Ultra eine Entwicklungsplattform von Lattice für stromsparende Wearables. Mit vielen Sensoren und Peripherie bietet sie einen low power Standby-Modus, der auch für Dauerbetrieb geeignet ist.

 

Der 3-Achsen-Beschleunigungssensor für medizinische Anwendungen „MIS2DH“ von STMicroelectronics N.V. (Halle A5 Stand 207) trägt dem Umstand Rechnung, dass für Kleinbetriebe und mittelständische Unternehmen auch die nötige FDA-Zertifizierung (US-amerikanischen Food and Drug Administration) einen hohen Kosten- und Zeitfaktor darstellt. So eignet sich der Sensor für implantierbare Geräte gemäß Klasse III der FDA. Funktionen wie die Aktivitätsüberwachung und die Erfassung der Körperhaltung lassen sich in eine breite Palette medizinischer Anwendungen integrieren.

 

Das Umgebungssensorik-Kit von Silicon Labs (Halle A3 Stand 478) erfasst Temperatur, Licht, Näherung und Gesten. Ein zweites Kit für Biometrie vereinfacht die Messung der Pulsfrequenz, des Sauerstoffgehalts im Blut (Sp02), des UV-Indexes, der relativen Luftfeuchte und der Temperatur. Die Plattform umfasst das Erweiterungsboard BIOMETRIC-EXP-EVB mit den optischen Sensoren Si114x sowie den Feuchte- und Temperatursensoren Si701x/2x.

Das Umgebungssensorik-Kit SLSTK3201A mit dem EFM32 Zero Gecko Starterkit und Sensor-Erweiterungsboard kostet 109 US-Dollar, die Erweiterungskarte BIOMETRIC-EXP-EVB 50 US-Dollar und das EFM32WG-STK3800 Wonder Gecko Starterkit 79 US-Dollar. Das optionale HRM-GGG-PS Board zur Pulsmessung per Armband ist zu 50 US-Dollar erhältlich (alle Preise als UVP).

 

Ein Hardware Development Kit (HDK) und ein Software Development Kit (SDK) von Toshiba (Halle A5 Stand 115) bieten  zusammen eine Entwicklungsplattform für die Applikationsprozessoren TZ1000 ApP LiteTM. Die Prozessoren ermöglichen eine Aktivitätsüberwachung sowie die Messung der Herzfrequenz. Weitere Anwendungen sind geplant. Die Bausteine der Serie TZ1000 enthalten einen Sensor, Prozessor, Flash-Speicher und einen Bluetooth® Low Energy Controller in einem Gehäuse. Die Einchip-Lösung zur Messung, Verarbeitung, Speicherung und Kommunikation von Daten ist auf Wearables und IoT-Anwendungen zugeschnitten.

 

Entwicklungsplattform (Bild: Maxim Integrated)

Neue Entwicklungsplattformen versprechen eine deutliche Beschleunigung und Kostenersparnis. (Bild: Maxim Integrated).