STARTUP: Digitaler Beifahrer denkt mit

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Selbstfahrende Autos kommen, das ist sicher. Bis dahin allerdings kämpfen menschliche Lenker zunehmend mit digitalen „Ablenkungen“ aus Smartphones und Co. Unterstützung verspricht nun ein künstlich intelligenter Copilot.

Junge Unternehmen, die irgend etwas mit künstlicher Intelligenz (KI) zu tun haben, schießen weltweit aus dem Boden. Die Angellist zählt bei der Eingabe von „Artificial Intelligence“ aktuell 1663 Start-ups und 2600 Investoren in dem Bereich. Dabei treibt vor allem die Forschung rund um autonome Autos die KI besonders an und sorgt für zum Teil astronomische Übernahmepreise bei den Start-ups. Bis man sich aber entspannt in seinem Fahrzeug bei einem Pastis durch seine Musiksammlung blättern kann, um die passende Untermalung für eine südfranzösische Küstenstrasse herauszufischen, werden noch einige Jahre ins Land gehen.

Digitaler Beifahrer statt digitaler Fahrer

Bis dahin sorgt der digitale Copilot des Berliner Start-ups German Autolabs dafür, dass Ihre Hände am Steuer bleiben. Dienste wie WhatsApp oder Email können Sie auf Zuruf steuern. Und die Informationen kommen zudem immer zum richtigen Zeitpunkt. So eignet sich etwa ein Stau optimal für Emails, während eine Sause auf der linken Spur keine noch so wichtige Ablenkung verträgt, auch keine sprachgesteuerte.

Wie bei Amazons Alexa, Googles OK oder Apples Siri versteht der „Copilot“ Sie durch eine intelligente, semantische Spracherkennung. Eine hochkomplexe Aufgabe, die weit mehr ist, als gesprochene Worte zu verstehen. Auch mehr als deren Sinn und Kontext zu erfassen. Danach muss die eigentliche Information erst gefunden und aufbereitet werden. Das alleine erfordert eine gigantische Rechenleistung, die sowohl in der Cloud als auch im Fahrzeug steckt.

Starke Konkurrenz in einem Milliardenmarkt

Geht es nach den Gründern, soll ein digitaler Beifahrer im Fahrzeug wie das Navi vor zehn Jahren in keinem Auto – unabhängig von Alter und Marke – fehlen. Klingt irgendwie nach Milliardenmarkt – 500 Millionen Fahrzeuge allein in Europa und Nordamerika. Das dachten sich wohl auch Target Partners und einige Business Angels, die schon vor dem Start zwei Millionen Euro in das Berliner Jungunternehmen investierten. Die Gründer sind allerdings nicht ganz so „jung“ im Geschäft.

Holger G. Weiss und Patrick Weigert verfügen über langjährige Erfahrung im Mobility-Bereich. Unter anderem waren sie beim digitalen Karten- und Navigationssystemanbieter HERE beschäftigt, der letztes Jahr von Audi, BMW and Daimler für fast 3 Milliarden Euro von Nokia gekauft wurde.

Ein interdisziplinäres Team aus Entwicklern, UX/UI-Designern, Produktmanagern und Produktdesignern verbindet nun bei German Autolabs in Berlin menschliche Interaktionsmodelle mit künstlicher Intelligenz. Damit soll das „digitale Leben“ eines heutigen Konsumenten auch auf sein Fahrzeug erweitert werden. Die Konkurrenz ist mit Apple CarPlay mit Siri oder Google Android Auto mit Google Assistent nicht gerade klein. Und dazu kommen noch die „Assistenten“ der Autohersteller. Man darf gespannt sein. Das erste Produkt wird für nächstes Jahr erwartet.

Kirobo Mini Toyota

Nicht alle digitalen Beifahrer sehen so niedlich aus wie der Kirobo Mini von Toyota. (Bild: Toyota).