STARTUP: KI für kollaborative Roboter

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Deutsche Start-ups, die auf Künstliche Intelligenz setzen, sind selten. An Wissen fehlt es dabei nicht, wohl aber an risikofreudigen Investoren. Ein junges Unternehmen aus Berlin ist trotzdem in München fündig geworden.

Nach McKinsey soll Künstliche Intelligenz unsere Gesellschaft zehnmal schneller und dreitausendmal stärker verändern, als es die industrielle Revolution getan hat. Über die Zahlen mag man sich streiten, über das Ausmaß weniger. Deswegen stecken auch weltweit Unternehmen und Hightech-Konzerne Milliarden in den Bereich. Ganz oben auf der Einkaufsliste stehen da besonders KI-Start-ups. International boomt das Geschäft – vor allem in den USA. In Deutschland ist die Szene eher überschaubar. Aus akademischer Sicht muss man sich was KI angeht sicher nicht verstecken, allerdings mangelt es dafür an Wagniskapital. Das findet hierzulande eher den Weg in die hundertste „E-Commerce-Bude“.

Ein paar „Tollkühne“ wie den Münchner Business Angel und Wellington Partner Christian Reitberger gibt es dann aber doch. Er war maßgeblich an der ersten Seed-Finanzierungsrunde über 800.000 Euro für die 2014 gegründete micropsi industries GmbH vor einem Jahr beteiligt. Damit entwickelte das achtköpfige Team ein Machine-Learning-Produkt, das Muster in unstrukturierten (Live-)Daten erkennt und analysiert. Methoden der KI sollen so auch für den Mittelstand verfügbar werden. Bedarf und Potenzial sind vor dem Hintergrund „Industrie 4.0“ enorm. Denn die zunehmende Vernetzung und Bestückung der Maschinen mit Sensoren liefert eine Menge Daten, die man für Prozessoptimierungen nutzen kann.

Lernfähige kollaborative Roboter

Parallel dazu arbeitet micropsi industries an einer Software, die Roboter lernfähig und damit für den Menschen „umgänglicher“ macht. Denn, auch wenn der „Kollege Roboter“ schon seit Jahren die Schlagzeilen der Medien erobert hat, bislang gehen Mensch und Maschine noch weitgehend getrennte Wege.

Industrieroboter werden in der Regel noch mit bestimmten Befehlen für festgelegte Bewegungen programmiert. Für sogenannte Cobots ( collaborative robots) genügt diese Methode nicht mehr. Sie müssen bis zu 40 Befehle pro Sekunde verarbeiten, um dem Menschen wirklich zur Hand gehen zu können. Zu viel für herkömmliche Programmiertechnik. Hier kommt die künstlich intelligente Software von Micropsi Industries ins Spiel. Mit einem großen Autobauer werden bereits Möglichkeiten erarbeitet, die Technologie schon im kommenden Jahr in der Fertigung einzusetzen. Dafür gab es nun weitere zwei Millionen Euro Seed-Finanzierung von verschiedenen Investoren, diesmal angeführt von Vito Ventures aus München.

Für Ronnie Vuine, dem Gründer von Micropsi Industries, ist das aber erst der Anfang. Er will mit Hilfe Künstlicher Intelligenz irgendwann Roboterpersönlichkeiten schaffen – Roboter mit Gefühlen. Das könnte aber noch etwas dauern und ob es dafür Investoren gibt, ist zumindest derzeit fraglich. Vielleicht aus München?

Kollaborative Roboter  (Bild: ABB).

Kollaborative Roboter werden mit Künstlicher Intelligenz noch umgänglicher. (Bild: ABB).