STARTUP: Pi mal Daten

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Auch Unternehmen sammeln massenhaft Daten. Doch was tun damit? Anders als bei Google, Facebook und Co. ist das nicht immer so klar. Ein Münchner Start-up hilft ihnen neuerdings auch mit Machine-Learning-Algorithmen ihre Datenschätze zu heben.

Mit 10 000 Euro Startkapital begannen 2011 drei Studenten der TU München eine Software zu entwickeln, die in Echtzeit Unternehmensprozesse visualisieren und analysieren sollte. Das war  zumindest nicht ganz neu. Data Mining machte mit Big Data ähnliches. Aber nicht gut genug, fanden die Gründer von Celonis und entwickelten eine eigene Big-Data-Technologie. Letztes Jahr sorgten dann 27,5 Millionen US-Dollar von den Investoren Accel und 83North (ehemals Greylock) sowie von mehreren Business Angels für die nötige Grundlage, um Produkt und Markt weiter zu entwickeln.

Große Konzerne konnten die Münchener mit ihrer sogenannten Process-Mining-Technologie aber schon vorher als Kunden gewinnen. Mittlerweile sorgt die Software in Unternehmen aller Branchen in allen Bereichen – von der Revision über das Accounting bis hin zum Supply Chain Management und dem Kundenservice – für vollständige Transparenz. Dazu rekonstruieren und visualisieren Algorithmen die Prozesse aus deren „Spuren“ in den IT-Systemen. Und zwar so, wie sie tatsächlich ablaufen. Vielfach genügt dann ein Blick, um etwa Abweichungen vom Standardprozess zu erkennen. Doch das ist längst nicht alles. Weil auch die Ursachen mitgeliefert werden, lassen sich die Schwachstellen schnell und effektiv beheben.

Data Mining mit Process Mining

Kein Wunder, dass sich SAP, das sich mit der Abwicklung sämtlicher Geschäftsprozesse eines Unternehmen als viertgrößter Softwarehersteller der Welt etabliert hat, früh für die Münchner interessierte. Seit 2012 profitierte Celonis vom SAP Startup Focus Programm, ab Mitte 2015 gehörte dann die „bayrische“ Software zu den SAP Solutions Extensions Lösungen.

Mittlerweile nutzen Unternehmen wie Siemens, ABB, Bayer, RWE, EDEKA, KPMG oder Vodafone Celonis-Software. Den nächsten Wachstumsschub könnte nun ein Kooperationsvertrag mit EY (Ernst & Young Global Limited) auslösen. Die Berater des globalen Beratungsunternehmens nutzen „Process Mining“ als Basis für die Entwicklung individueller Optimierungsansätze bei ihren Kunden.

Celonis Pi mit Grips

Da kommt das neue „Celonis Pi“ gerade recht. Denn es liefert dank künstlicher Intelligenz und Machine Learning neben der Analyse auch intelligente Verbesserungsvorschläge. So wählt etwa das Modul „Pi Conformance“ aus dem Vergleich zwischen Soll- und Ist-Prozessen diejenigen Abweichungen, die aus einer reinen Business-Perspektive Priorität haben – sei es weil sie wichtig für die Wettbewerbsposition sind, oder weil sie das Unternehmen viel Geld kosten. „Pi Machine Learning“ erlaubt jedes statistische Verfahren und jeden denkbaren Algorithmus in die Software zu implementieren. Als Werkzeug für Analysten eröffnen sich unbegrenzte Möglichkeiten bei der Datenauswertung und für vorausschauenden Analysen. Das dritte Modul „Pi Social“ zeigt wie Teams in Organisationen zusammenarbeiten und wo Ressourcen suboptimal eingesetzt werden. Und last but not least sorgt „Pi Companion“ für die flexible Integration in die IT-Systeme, damit die relevanten Informationen genau da verfügbar sind, wo sie dringend benötigt werden.

Über Celonis

Celonis ist der weltweit führende Anbieter von Process Mining. Das Münchener Start-up ist laut dem Deloitte Fast50 Ranking 2015 das schnellst wachsende Technologieunternehmen Deutschlands, und beschäftigt bei einem jährlichen Umsatz von 20 Millionen Euro letztes Jahr 200 Mitarbeiter in Deutschland, in den USA und den Niederlanden. Für 2020 wollen die drei Gründer Bastian Nominacher, Martin Klenk und Alexander Rinke das Start-up an die Börse bringen.

 

Data Mining (pixabay/Stachowiak)

„Process Mining“ deckt auf, wie gut Abläufe in einem Unternehmen tatsächlich funktionieren. (Bild: pixabay/Stachowiak).