RoboCup: Niedliche Weltmeister

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Besonders künstlich intelligente Maschinen haben uns schon so manches Spiel verdorben. Man denke nur an Schach, Dame oder Go. In einem nicht ganz unwichtigen „Zeitvertreib“ aber, da werden wir Menschen noch lange als Sieger vom Platz gehen.

Fußball-Weltmeister nach Elfmeterschießen – mehr geht nicht. Das Team „B-Human“ vom Deutschen Zentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) und der Universität Bremen entschied das Finale im diesjährigen RoboCup für sich. Der nun sechsfache Weltmeister war im roboterverrückten Japan mit elf niedlichen NAO-Robotern von Softbank Robotics am Start.

Sie wiegen bei einer Größe von knapp 60 cm etwa 5 Kilogramm. In der aktuellen Version Nao V5 steuern Servomotoren 25 Gelenke: elf für die Beine und zwölf für beide Arme. Zwei weitere bewegen den Kopf, in dem ein 1,6 GHz Intel ATOM Z530 Prozessor tickt. Für den Durchblick sorgen zwei HD-Kameras mit 30 Bildern/Sekunde. Und der Akku reicht mit 90 Minuten gerade einmal für die Dauer eines herkömmlichen Fußballspieles. Bei Conrad muss man derzeit für die NAO Evolution Academic Edition 6895 Euro auf den Tisch blättern. Allerdings wird er nur an Schulen, Universitäten und andere Bildungseinrichtungen geliefert.

Robocup zwischen Tradition und Moderne

Mit dem Austragungsort Nagoya ist das Roboterturnier an den Ort zurückgekehrt, wo es vor 20 Jahren seinen Anfang nahm. Und nach wie vor wird der High-Tech-Event mit Jahrtausendalten Taiko-Trommeln eröffnet. Und nach wie vor spürt man dabei, was den Reiz dieses Landes ausmacht: uralte Tradition bei gleichzeitiger „totalen“ Moderne.

Was die fußballerischen Fähigkeiten der Robos angeht, hat sich in den letzten zwanzig Jahren einiges geändert. Konnte man früher wohl eher von Standfußball sprechen, so ist mittlerweile viel mehr Bewegung im Spiel. Bis 2050 sollen in einem großen Finale sogar die „echten“ Weltmeister geschlagen werden. Der ewige Traum der Wissenschaftler eben, Menschen mit Technik zu übertrumpfen. Was im Schach vor zwanzig Jahren und im Go letztes Jahr gelang, ist im Fußball allerdings ungleich schwieriger. Erstens stellen Mannschaftssportarten mit all ihren Unwägbarkeiten ein ungleich größeres Problem dar. Dazu kommt der „körperliche“ Aspekt. Ob jemals ein Roboter „Neuergleich“ einen Ball aus dem Winkel fischen wird, um danach unfallfrei zu landen, ist die Frage.

Aber wie sie oft und ganz besonders im buddhistischen Japan ist und bleibt der Weg das Ziel. So besteht das Team von B-Human neben den NAOs aus Studierenden der Universität Bremen und ihren Betreuern. Sie lernen für ein höchst anspruchsvolles Umfeld robuste und echtzeitfähige Software zu entwickeln. Die zudem nach jeder Weltmeisterschaft offengelegt wird, sodass andere davon profitieren können.

Und wenn auch bei den Robotern auf dem „Rasen“ Fortschritte nicht immer sichtbar sind, heißt das nicht, dass sie intern nicht stattfänden. Außerdem rufen Müller, Götze, Neuer und Co. ihr volles Potential ebenso nicht immer ab. Wie man so schön sagt.

 

 

 

 

 

 

RoboCup 2017 (Bild: Universität Bremen/DFKI, Peter Schulz)

Fußball-Roboter bei ihrer schweißtreibenden Tätigkeit. (Bild: Universität Bremen/DFKI, Peter Schulz)