Smart City made in Germany

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Was Wien dieses Jahr zur „smartesten“ City gemacht hat, soll endlich auch in deutschen Städten Einzug halten. Eine aktuelle Studie geht jedenfalls für die nächsten Jahre von einer Verdoppelung der Umsätze entlang der Smart-City-Wertschöpfungskette aus.

„Die Zukunft der Erde entscheidet sich in den Städten“, heißt es. In Europa leben bereits 70 Prozent der Menschen in Städten. Weltweit werden in den kommenden zwei bis drei Jahrzehnten etwa zwei Drittel der „Erdlinge“ Stadtbewohner sein. Mit herkömmlichen Konzepten lassen sich die Folgen dieser rasenden Urbanisierung nicht bewältigen. Die Cities müssen also smart werden. So gehört denn auch in den kommenden Jahren der dazugehörige Markt zu einem der am schnellsten wachsenden Sektoren weltweit.

Laut der aktuellen Studie von eco (Verband der Internetwirtschaft e.V) und Arthur D. Little „Der deutsche Smart-City-Markt 2017–2022. Zahlen und Fakten“ verzeichnet dieser Markt in Deutschland 2017 einen Umsatz von circa 20,4 Milliarden Euro. Bis 2022 sollen sich diese Umsätze auf rund 43,8 Milliarden Euro mehr als verdoppeln – das entspricht einem durchschnittlichen jährlichen Wachstum von 16,5 Prozent. Nicht ganz so optimistisch war vor Monaten die Studie von Roland Berger. Sie sah das Volumen des weltweiten Marktes für Smart-City-Lösungen bis 2023 bei etwa 28 Milliarden Dollar. Heute sind es 13 Milliarden Dollar. Die doch erhebliche Diskrepanz liegt sicherlich auch darin begründet, dass Smart City ein diffuser Sammelbegriff ist. Und jeder etwas anderes darunter subsumiert.

Trotzdem müssen sich natürlich moderne Mobilitätsstrategien wie sie etwa Wien zum Teil schon umgesetzt hat auch in Deutschland durchsetzen. Allerdings werden der Studie zufolge deutsche Unternehmen bei den großen internationalen Mega-Projekten nur dann zum Zuge kommen, wenn sie jetzt beginnen, für das Ökosystem „Smart City“ Produkte und Services mit Testkunden und Referenzprojekte auf den Markt zu bringen. Denn internationale Konzerne aus den USA und Asien umfassen mit ihren Lösungen bereits mehr und mehr Teilbereiche des Smart-City-Geschäfts. Oft sind dabei strategische, langfristige Partnerschaften mit Städten (zum Beispiel Cisco und Hamburg) und Investitionen in Digitalisierungsprojekte (zum Beispiel geplante 500-Millionen-US-Dollar-Investitionen von Cisco im Zuge des Programms „Deutschland Digital“) der Schlüssel zum Erfolg.

Die Studie prognostizieren deshalb aus gutem Grund eine Welle an Kooperationen zwischen unterschiedlichsten Anbietern. Fast 50 Kompetenzen (von der Sensorik über Konnektivität bis hin zur Anwendungssoftware) entlang der Wertschöpfungskette werden benötigt, um einen Großteil der Anwendungsfälle im Bereich Smart City abzudecken. Da müssen selbst große Konzerne passen. Die richtigen Partner in dem komplexen Ökosystem entscheiden also über Erfolg und Niederlage.

Löwenanteil für Transport & Logistik

Das größten Marktvolumen winkt der Transport & Logistik-Branche. Etwa in Form von intelligenten Parksystemen, intelligentem Verkehrsmanagement oder der Integration unterschiedlicher Verkehrssysteme. Mit circa 3,5 Milliarden Euro Umsatz dieses Jahr und einem durchschnittlichen jährlichen Wachstum von über 13 Prozent erfreut sich auch der Bereich IT-Sicherheit und Netzinfrastruktur großer Investitionen. Gemeinsam mit dem Bereich physischer Sicherheit mit audiovisueller Überwachung, intelligenten Zugangskontrollsystemen sowie Identitätsmanagement und Gebäudeautomatisierung vereinen die oben genannten Wachstumsfelder über 65 Prozent des gesamten Smart-City-Marktes dieses Jahr auf sich.

Bildung und Gesundheit in der Smart City

Mit einem jährlichen Wachstum von rund 27 Prozent wird ebenso das Marktsegment Bildung besonders stark zulegen. Die Digitalisierung der Bildungseinrichtungen steht noch am Anfang. Hier sind hohe Ausgaben für Hardware, Software und Service-Leistungen wie Cloud-Plattformen sowie digitale Lehrinhalte zu erwarten.

Hohe Investitionen prognostiziert die Studie auch für die Gesundheits-Infrastruktur, etwa für mobile Gesundheitsgeräte wie portable Blutzuckermessgeräte. Und die alternde Bevölkerung wird zunehmend von digitalen Patientenakten und persönlichem Gesundheitsmanagement profitieren.

Um im internationalen Vergleich mitzuhalten, müssen deutsche Städte allerdings enger zusammenarbeiten und mit einer kohärenten Strategie die Vielzahl unterschiedlicher Smart-City-Angebote integrieren – angefangen von der Mobilität über das Energiemanagement bis hin zu Sicherheitslösungen. So schlägt die Studie denn auch letztlich eine segmentübergreifende Smart-City-Plattform als Bindeglied aller Dienstleistungen vor.

Knowledge Base

Der deutsche Smart-City-Markt 2017–2022. Zahlen und Fakten (PDF)

eco-Mitgliedern erhalten die Studie auf Anfrage an mitglieder@eco.de kostenfrei. Nicht-Mitglieder erhalten kostenfrei eine Management Summary oder können die Studie für 149 Euro erwerben.

Smart City (Bild: pixabay/Speedy McVroom)

Das ungeheuere Wachstum der Städte erfordert neue Konzepte. (Bild: pixabay/Speedy McVroom)