TREND E-Mobil: Tesla-Killer gesucht!

| |
1 Star2 Stars3 Stars4 Stars5 Stars

Dieselskandal, CO2-Dilemma und bessere Akkus sorgen für elektromobilen Rückenwind. Die raue Reichweitenwirklichkeit bleibt vielen der Concept Cars auf der IAA allerdings erst einmal noch erspart.

Der Konstrukteur Alberto Tribelhorn aus Feldbach am Zürichsee würde sich wundern, wäre er dieser Tage auf der Internationalen Automobil-Ausstellung (IAA) in Frankfurt unterwegs. Bereits vor über hundert Jahren bekam er im Rahmen der Weltausstellung in Paris für sein E-Mobil die Goldmedaille. Elf Jahre später zogen die Benziner nach der Erfindung des elektrischen Anlassers allerdings an ihm vorbei. Der Grund ist hinlänglich bekannt: Reichweite.

Jetzt, mehr als hundert Jahre später, hört man aus den Chefetagen der Autobauer „Electric is the new normal“. Schließt sich also der Kreis? Zumindest zeigt es, dass man gewillt oder „gemusst“ ist, den Batterie-Autos wieder Prioritäten einzuräumen. Kein Hersteller taucht auf der IAA ohne sie auf. Volvo will nach 2019 nur noch Elektro- und Hybridautos auf den Markt zu bringen, Jaguar ab 2020 für jedes Modell auch eine Elektrovariante anbieten, BMW bis 2025 nicht weniger als 25 elektrifizierte Modelle vom Band rollen lassen und beim Volkswagen-Konzern soll 2025 jedes vierte Fahrzeug rein elektrisch fahren.

Zumindest hierzulande dürfte die Dieselkrise einen nicht unerheblichen Anteil an der „Elektro-Euphorie“ haben. CO2-Flottenvorgaben aber auch die drohenden Verbote für Verbrennungsmotoren in vielen Ländern und zukünftige Absatzmärkte etwa in China sprechen für die Stromer. Zudem scheint das langsam aber stetig anzulaufen, was bisher die größte Sorge der Autobauer ausmachte – die Nachfrage. So erfreut sich der E-Golf doppelt so vieler Bestellungen seit der Diesel in Misskredit geraten ist. Dauerhafte Nachfrage wird sich allerdings nur mit bezahlbaren, attraktiven Modellen, genügend Reichweite und nicht zu vergessen einer lückenlosen Ladeinfrastruktur generieren lassen.

Den Weg dahin kann man auf der diesjährigen IAA in Frankfurt schon erahnen. Neben der unvermeidlichen SUV-Bullenparade sind eine Reihe von Elektroautos zu sehen. Oftmals allerdings nur als Concept Cars mit unsicherer Zukunft.

E-Mobil I-Pace (Bild: Jaguar)
Die wichtigsten Zahlen zum I-Pace-Konzept von Jaguar. (Bild: Jaguar).

So präsentiert VW zukünftige Stromer über alle Segmente hinweg, die ab 2019 sukzessive die Strassen erobern sollen. Daimler stößt nach dem E-Smart ab 2018 erstmals mit elektrischen EQ-Modellen in größere SUV-Dimensionen vor. Opel zeigt mit dem Ampera-e ein alltagstaugliches E-Mobil mit einer „realistischen“ Reichweite um die 400 Kilometer. Mit dem aCar stellt die TU München einen innovativen Elektrolaster speziell für den afrikanischen Markt vor. Und „I-Pace“, die erste vollelektrische Raubkatze von Jaguar, wird vom Marktbeobachter IHS Markit schon als möglicher „Tesla-Model-X-Killer“ gehandelt.

„Tesla-Killer“ aus München

Der neue vollelektrische BMW i Vision Dynamics hat sich dagegen das Tesla Model 3 als Opfer ausgesucht. Angesiedelt zwischen dem i3 und dem i8 soll er mit einer Akkuladung 600 Kilometer weit und 200 Stundenkilometer schnell fahren. Wann das Gran Coupé in Serie gehen wird, bleibt offen. Man kann nur hoffen, dass sich bis dahin die Batterietechnologie weit genug entwickelt hat. Und ob man damit tatsächlich gegen das E-Mobil von Tesla antreten kann, bleibt außerdem die Frage. Immerhin läuft in Kalifornien Model 3 schon vom Band, mit der Gründer Elon Musk den elektrische Mittelklasse erobern will.

Tesla ist auf der IAA allerdings nicht vertreten, denn Musk sieht sich nicht als klassischer Automobilhersteller und präsentiert lieber auf nichtindustriellen Veranstaltungen. Auch das meistverkaufte Elektroauto der Welt glänzte mit Abwesenheit. Die Weltpremiere der zweiten Generation des Nissan Leaf fand schon vorab in Tokio statt.

Digitale Revolution im E-Mobil

Nicht von der Partie sind ebenso Alfa Romeo, Aston Martin, DS Automobiles, Fiat, Infiniti, Jeep, Mitsubishi, Peugeot, Rolls-Royce und Volvo. Gründe dafür sehen Experten im zunehmenden Stellenwert digitaler Inhalte in den Fahrzeugen. Deswegen gewinnen große Digitalmessen wie etwa die CES für Autobauer an Reiz.

Auf der anderen Seite werden auch die klassischen Automessen digital. So füllen auf der IAA dieses Jahr die Lücke, die abwesende Autohersteller hinterlassen, Daten- und Hightech-Unternehmen wie Google, Facebook, SAP, Qualcomm, IBM, Kaspersky, NXP, Siemens, oder die Telekom. Das ist allerdings nicht weiter verwunderlich, schließlich verlangt einer der Megatrends der Automobil-Industrie – vernetztes und automatisiertes Fahren – zwingend enge Kooperationen zwischen Tech-Firmen und Autoherstellern.

Zu sehen ist das dieses Jahr auf einem Extragelände, wo Daimler, VW, Audi und Zulieferer Bosch, Continental und ZF zeigen wie weit der Trend schon in der Realität angekommen ist. In eine ähnliche Richtung geht der Sonderausstellungsbereich „New Mobility World“ für die Themen alternativer Antriebe, Vernetzung und Digitalisierung. Ob das reicht, um in Zukunft als Automesse zu überleben, wird sich zeigen.

 

 

BMW i Vision (Bild: BMW)

„Telsa-Jäger“ wie den BMW i Vision Dynamics wird man nicht so schnell auf der Strasse sehen. (Bild: BMW).