Hörbücher mit Papierlautsprecher

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Ein Fotobuch mit Meeresrauschen und Vogelgezwitscher, ein Roman mit gesprochenen Dialogen – Lautsprecherpapier und Elektronik im Buchdeckel machen es möglich. Das T-book – T wie Ton – kann man dieser Tage auf der Frankfurter Buchmesse hören.

Messen sind eigentlich laut genug, selbst Buchmessen. Sollte sich allerdings eine Entwicklung durchsetzen, die gerade den CPI-Stand auf der Frankfurter Buchmesse (Halle 4.0, Stand F73) zum Klingen bringt, wird der Lärmpegel in Zukunft zunehmen. Und das nicht nur in Messehallen, auch Wohnzimmer, öffentliche Verkehrsmittel und – bewahre uns Gott – Supermärkte, Apotheken, usw. könnten betroffen sein.

Denn Techniker der TU Chemnitz haben nach langjähriger Forschung die neueste Generation ihres „T-books“ vorgestellt. „T“ hat diesmal nichts mit der Telekom zu tun, sonder steht für „Ton“. Will heißen: die Buchseiten sind gleichzeitig Lautsprecher und können als solche Töne jeglicher Art abspielen. Sensoren erkennen dabei die aufgeschlagenen Seiten und die Elektronik und SD-Karte für den Audio-Content stecken im Buchdeckel. Was den Frequenzgang angeht, haben sie allerdings nicht einmal gegen ein Küchenradio eine Chance. Dafür fällt der Bass zu „dünn“ aus. Aber der obere und mittlere Frequenzbereich wird ziemlich gut wiedergegeben. Und das überraschend laut.

Massentaugliche Papierlautsprecher

Die Technologie dahinter ist vom Aufbau her eigentlich relativ einfach. Ganz normales Papier wird mit zwei Schichten eines leitfähigen organischen Polymers bedruckt. Diese fungieren als Elektroden. Dazwischen versetzt eine piezoelektrische Schicht als aktives Element das Papier in Schwingungen und erzeugt so durch die Luftverdrängung den Sound. Die Schwierigkeit besteht nun hauptsächlich darin, eine kostengünstige Massenfertigung dafür zu entwickeln.

Vor zwei Jahren hatten die Chemnitzer Forscher in Zusammenarbeit mit der Münchner Werbeagentur Serviceplan das Jahrbuch der World Press Photo Foundation als T-book realisiert. Der Audio-Schmöker wog mehr als 3kg, was vor allem der Batterie geschuldet war. Letztlich geriet das Kleinserienprodukt aber natürlich zu klobig und zu teuer.

Deswegen soll die bisherige Bogenherstellung durch eine Rollenfertigung ersetzt und der Papierlautsprecher was Leistungsfähigkeit und Anmutung angeht optimiert werden. Auch die Elektronik will man zukünftig drucken. Das steigert die Effizienz des gesamten Herstellungsprozesses ganz erheblich und eröffnet Massenmärkte wie etwa den der Fotobücher. Auch könnten zukünftig etwa Beipackzettel sich selbst vorlesen, oder Bücher Blinden zugänglich gemacht werden. Und umgekehrt ließe sich das Lautsprecherpapier in einen Kraftsensor oder ein Mikrophon verwandeln. Der sogenannte direkte Piezoeffekt reagiert nämlich auf elastisch verformte Festkörper mit einer Spannung. Es gibt also eine Reihe sinnvoller Anwendungen, und es müssen nicht unbedingt sprechende Verpackungen, tönende Tapeten oder sonstige „Marktschreiereien“ sein.

Papierlautsprecher T-book (Bild: TU Chemnitz)

Batterien, SD-Karte und Steuerelektronik des T-books stecken im Buchdeckel. (Bild: TU Chemnitz)