TREND Healthcare: Tech-Giganten mit „Zuckerlösungen“

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Im Kampf gegen Volkskrankheiten wie Diabetes sind die Medizintechnik- und Pharmaindustrie nicht mehr allein. Apple, Google und Co. haben die Arena betreten.

„Schuster bleib’ bei deinem Leisten“, rät ein altes Sprichwort. Viele Unternehmen mögen sich daran halten, große Technologiekonzerne wie Google, Apple und Co. dagegen sind laufend auf der Suche nach neuen lukrativen Leisten. Dazu gehört zweifellos der Mega-Markt Gesundheit. Die Gründe dafür sind hinlänglich bekannt. Ganz oben auf der Liste steht der demografische Wandel mit der Zunahme chronischer Krankheiten wie etwa Diabetes. Mehr als 400 Millionen Menschen weltweit sind davon betroffen, in Deutschland schätzt man rund 7,5 Millionen, und jedes Jahr kommen 300.000 neu hinzu.

Der Bedarf nach besseren und einfachen Behandlungsmethoden wächst, und die Medizintechnik spielt dabei eine Hauptrolle. Denn die Betroffenen müssen mehrmals täglich ihren Blutzuckerspiegel bestimmen und sich dann die entsprechende Dosis Insulin verabreichen. Mittlerweile erleichtert moderne Technologie den Umgang mit der chronischen Erkrankung im Alltag. Für die Zukunft aber setzen Diabetiker große Hoffnungen auf „branchenfremde“ Unterstützung.

Die Multimilliardäre vom Silicon Valley haben nämlich die Arena betreten. Der Markt ist schließlich riesig. Und wer in Gesundheit macht, gehört zu den „Guten“, und ein paar Daten springen vielleicht auch heraus. Für die Diabetiker ist es auf jeden Fall ein Segen. Denn bei Apple, Google und Co. wird nicht gekleckert.

Healthcare braucht Kooperationen

Die Google-Mutter Alphabet hatte Ende letzten Jahres ein Joint Venture mit dem französischen Arzneimittelhersteller Sanofi geschmiedet, um erst einmal den Alltag von Typ-2-Diabetikern zu erleichtern. Die machen immerhin 90 Prozent aller Zuckererkrankten aus. Rund 500 Millionen Dollar sollen nun in das Gemeinschaftsunternehmen „Onduo“ fließen, um Geräte zu entwickeln, die automatisch die passende Menge Insulin verabreichen.

Healthcare Smart Lens von Google und Novartis
Auf die „smarte“ Kontaktlinse von Google und Novartis muss man wohl noch eine Weile warten. (Bild: Google).

Etwa zur gleichen Zeit gründete die Alphabet-Tochter Verily (ehemals Google Life Sciences) mit dem britischen Pharmakonzern Glaxo Smithkline die Firma Galvani Bioelectronics, um an winzigen, bioelektronischen Sonden zu forschen. Sie sollen durch direkte Beeinflussung der Nervensignale eines Tages chronische Erkrankungen wie Diabetes, Arthritis und Asthma behandeln. Mit der Zulassung für erste Produkte ist allerdings nicht vor 2023 zu rechnen.

Schon seit 2014 arbeitet Google mit dem Schweizer Pharmakonzern Novartis an einer Kontaktlinse, die Blutzucker-Werte über die Tränenflüssigkeit bestimmen kann. Damals ging der Novartis CEO Joe Jimenez noch von einer Marktreife in fünf Jahren aus. Die für letztes Jahr geplanten klinischen Studien an Menschen wurden jedoch bis auf weiteres verschoben. Und dieses Jahr hatte Jimenez die Erwartungen weiter gedämpft. In den nächsten drei bis vier Jahren erwartet er keine „unglaublichen“ Fortschritte.

Blutzuckermessung ohne Pieks

Neuerdings will auch Apple im großen Stil in die Medizintechnik einsteigen. Laut dem US-Sender CNBC forscht seit kurzem ein Team von rund 30 Wissenschaftlern streng geheim an Behandlungsmethoden für Diabetes-Patienten. Das Ziel: Sensoren für die Smartwatch, die laufend nicht-invasiv den Blutzuckerwert überwachen. Wie genau das funktionieren soll, darüber hält sich der Konzern bedeckt. Gewöhnlich gut unterrichtete Kreise mutmaßen jedoch, dass dazu das Armband mit optischen Sensoren aufgerüstet wird, und die Bestimmung der Werte via Lichtmessung funktioniert. Patente für ein mehrgliedriges Armband mit integrierten Sensoren hält Apple jedenfalls. Apple vertreibt übrigens seit Anfang des Jahres ein „pieksendes“ Diabetes-Messgerät mit dem Namen „One Drop“, das nach der Auswertung die Daten per Bluetooth ans iPhone oder iPad überträt, wo sie eine App aufbereitet und grafisch anzeigt.

Samsung gegen Diabtes Mellitus

Auch der Tech-Riese Samsung hat Diabetes als Betätigungsfeld für sich entdeckt. Schon seit ein paar Jahren drängt der koreanische Mischkonzern über die Bereiche Röntgen, Ultraschall und Invitro-Diagnostik in den Medizintechnikmarkt. Auch eine Art Intensivstation am Handgelenk, die verschiedenste Vitaldaten kontrollieren und bei Bedarf an Ärzte weiterleiten soll, ist in der Pipeline. Kürzlich hat man eine kostengünstige Lösung angekündigt, um Diabetes Mellitus – also die Frühform der Stoffwechselerkrankung – zu erkennen. Eine Blutprobe auf einem Streifen reicht, damit „Tizen Check“ den Blutzuckerwert mit Hilfe der Kamera und des LED-Blitzes eines Samsung Smartphones bestimmen kann.

An Ideen mangelt es jedenfalls nicht und Geld ist auch genügend vorhanden. Der Alltag für Diabetiker könnte sich also weiter vereinfachen. Wenn auch nicht morgen, so doch hoffentlich übermorgen. Bis dahin gilt „Vorbeugen ist besser als behandeln“. Gesunde Ernährung und Bewegung!

 

 

Diabetes  (Bild: pixabay/Paul Hunt).

Google hat den Milliardenmarkt Diabetes im Visier. (Bild: pixabay/Paul Hunt).