VDE: Mehr Mikroelektronik braucht das Land der Ingenieure

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Die Mikroelektronik ist eine der wichtigsten Schlüsseltechnologien für die Digitalisierung. Mit Blick auf die hochsubventionierten Standorte in Asien muss deshalb in Deutschland und Europa mehr dafür getan werden. Zu diesem Ergebnis gelangt eine aktuelle Expertise des VDE.

Durch die Digitalisierung erlebt die Mikrosystemtechnik einen Boom, und Deutschland hat das Potenzial, dabei Weltmarktführer zu werden. Denn Millionen drahtlos vernetzter Sensoren und Mikrosysteme führen hinter den Kulissen im Internet of Things (IoT) die Regie. Und die kommen nun mal meist aus Deutschland bzw. Europa – so der Verband der Elektrotechnik Elektronik und Informationstechnik (VDE). Allerdings vermisst der Technologieverband eine deutsch/europäische Industrialisierungsstrategie. Allem voran die systematische Stärkung der Mikroelektronik über die gesamte lnnovationskette hinweg. Angefangen mit einer umfassenden IKT-Infrastruktur und Cyber-Security-Strategie, die besonders den Mittelstand berücksichtigt, und einen schnellen 5G-Rollout.

Mikroelektronik schafft – etwa über Kryptographie-Chips – die Basis für zuverlässige und sichere Kommunikation und ist im Verbund mit smarter mikrosystemtechnischer Sensorik der Key Enabler für Industrie 4.0, autonomes Fahren, Smart Cities und Smart Energy – und damit ein wesentlicher Schlüssel für die digitale Souveränität. Gleichzeitig kann Cyber Security „Made in Germany“ laut VDE zum Exportschlager avancieren.

Sensorik als Datenlieferant

Sensoren zählen zu den wichtigsten Enablern des IoT. So kann die Nachfrage nach ihnen von jetzt 10 Milliarden auf 100 Billionen bis 2030 steigen – ein enormes Wachstumspotenzial für den Mittelstand. Gerade für Industrie 4.0 lautet deswegen die große Aufgabe, aus dem „Messfühler“ einen Datengenerator zu machen, der seine Daten kompatibel für alle denkbaren Anwendungen bereitstellt. Das geht nur über Vernetzung – horizontal, vertikal und entlang des Lebenszyklus. Erst die intelligente Nutzung der Daten bringt die Wertschöpfung. Dazu braucht es allerdings eine neue Generation von IT-Infrastruktur und Kommunikationsstandards wie 5G.

Ohne Sicherheit keine Digitalisierung

Der Erfolg der Digitalisierung steht und fällt mit IT-Security. Lediglich eins von zehn VDE-Mitgliedsunternehmen hält Deutschland in Sachen Cyber Security für gut gerüstet. Der Technologieverband empfiehlt daher der neuen Bundesregierung die zügige Umsetzung einer umfassenden Cyber-Security-Strategie: vor allem Chips ohne „Backdoors“, Kryptographie-Chips und -Module zur Absicherung der Datenkommunikation und End-to-End-Security. Und diese Chips sollten aus Deutschland bzw. Europa kommen. Gerade eigene Kryptochips sind hier ein wichtiger Aspekt, um fremde Backdoors in die eigene Industrie 4.0-Umgebung von Beginn an zu vermeiden. Zudem ist Cyber Security für Deutschland eine große Wachstumschance, wenn man es schafft aus der kritischen Haltung zum Datenschutz heraus Geschäftsmodelle zu generieren und schnell zu vermarkten.

Mehr Chips, mehr Grips

Für eine erfolgreiche Digitalisierung und eine europäische Re-Industrialisierungsstrategie 4.0 bedarf es laut VDE einer Art „Magischen Sechsecks“ mit den Eckpunkten Mittelstand, Cyber Security, Mikroelektronik, Mikrosystemtechnik/Sensorik, IKT-Infrastruktur und Nachwuchspotenzial. Dreh- und Angelpunkt ist dabei der Mittelstand. Die Hidden Champions sind der Wirtschafts- und Innovationsmotor Nummer 1. Wenn er ins Stottern kommt, ist die gewohnte Pole Position in vielen Anwendungsfeldern gefährdet.

Dass die Politik bis 2020 Fördermittel in Höhe von 1 Milliarde Euro bereitstellt, die zusätzliche Investitionen der Industrie von 2,3 Milliarden Euro stimulieren sollen, begrüßt der VDE. Mit Blick auf hochsubventionierte Standorte in Asien ist das aber zu wenig. Denn auf dem Welthalbleitermarkt fällt Europa erstmals unter 10 Prozent. Das jährliche Wachstum wird deutlich unter dem Niveau von China bleiben. Bis 2021 verlieren Europa und Amerika voraussichtlich weiter Anteile an Asien, wo sich jetzt schon mehr als zwei Drittel des Welthalbleitermarkts konzentrieren. Lediglich diskrete Leistungshalbleiter und Smart-Power-ICs halten noch dagegen.

Letztendlich aber sind laut VDE-Erhebungen 10.000 neue IngenieurInnen der Elektro- und Informationstechnik pro Jahr nötig. Allein in den nächsten zehn Jahren fehlen demnach mehr als 100.000 IngenieurInnen. Und die fallen nicht vom Himmel – so der VDE.

 

VDE Mikrochip (Bild: pixabay/bodkins18)

Mikroelektronik ist im Verbund mit smarter mikrosystemtechnischer Sensorik ein wesentlicher Schlüssel für die digitale Souveränität. (Bild: pixabay/bodkins18)