Umfrage zu KI: Lieber künstlich intelligent als natürlich dumm

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Wenn es um „Leib und Leben“ geht, stehen die Bundesbürger künstlicher Intelligenz nach wie vor skeptisch gegenüber. Eine neue Studie zeigt aber, dass ihr viele gerechtere Entscheidungen zutrauen als den Mitmenschen.

Anwendungen mit künstlicher Intelligenz (KI) entwickeln sich rasend schnell. Die Meinungen in der Bevölkerung darüber bleiben allerdings zumindest in Teilbereichen konstant. Bei der Umfrage zum electronica Trend-Index im Oktober 2016 hielten etwa zwei Drittel der Deutschen KI in elektronischen Geräten für eine gute Idee. Allzu autonom sollte sie jedoch nicht agieren. So möchte etwa eine Mehrheit beim Fahren die Kontrolle nicht vollständig aus der Hand geben.

Zwiespältige Umfrage zu KI

Umfrage zu KI im Gesundheitswesen (Bild: Bearingpoint)
Zögerlich reagieren die Deutschen auf KI im Gesundheitsbereich. Das zeigt eine repräsentative Online-Umfrage von BearingPoint vom November 2017. Demnach kommt eine alleinige Diagnose durch einen Computer für 63 Prozent nicht infrage. Arzt plus KI hielten dagegen 61 Prozent für akzeptabel. (Bild: Bearingpoint)

Ein Jahr später machte KI in selbstfahrenden Autos oder virtuellen Assistenten vielen Menschen hierzulande immer noch Angst. 41 Prozent der Deutschen sah in „intelligenter“ Technologie sogar eine Bedrohung für die Menschheit. Das ergab eine Umfrage der digitalen Kommunikationsagentur Syzygy AG.

Etwa zur gleichen Zeit stimmten 77 Prozent der Befragten der Aussage von Price Waterhouse Coopers (PWC) zu, dass KI dazu beiträgt, den Alltag besser zu organisieren. Zugleich räumten allerdings 51 Prozent ein, dass ihnen die Entwicklung ein Stück weit auch Angst mache. 49 Prozent hielten die künstliche Intelligenz für ein mögliches Instrument gegen Cyber-Kriminalität. 45 Prozent trauten ihr Lösungen im Kampf gegen den Klimawandel zu. Und 43 Prozent hofften, dass sich mit ihrer Hilfe bessere Medikamente finden lassen. Dagegen stießen selbstfahrende Autos nur bei jedem dritten Befragten auf Begeisterung.

Künstliche Intelligenz bevorzugt

Einer aktuellen repräsentativen Bevölkerungsumfrage des Bitkom unter 1.006 Bundesbürgern ab 14 Jahren zufolge würde die Mehrheit der angeblich so „technophoben“ Deutschen in bestimmten Situationen eher der Entscheidung einer KI als der eines Menschen vertrauen. So geben 15 Prozent an, sie akzeptierten bei der Beantragung eines Kredits eher das Urteil einer KI, als das eines Menschen. Auch ein KI-Richter wäre für 10 Prozent die bevorzugte Wahl. Und 9 Prozent stellten die Frage nach einer Gehaltserhöhung lieber einer KI als ihrem Chef. Ebenso viele halten den „künstlichen“ Schlichter bei einem Streit mit ihrem Partner oder ihrer Partnerin für sinnvoll. Insgesamt würden damit 6 von 10 Bundesbürgern (58 Prozent) zumindest in bestimmten Situationen eine KI-Entscheidung der eines Menschen vorziehen. Nur 4 von 10 (40 Prozent) lehnen dies grundsätzlich ab.

Während es der Umfrage zufolge zwischen den Geschlechtern kaum einen Unterschied bei der Akzeptanz von KI-Entscheidungen gibt, stehen vor allem Ältere dieser Idee skeptisch gegenüber. Unter den Bundesbürgern, die 65 Jahre oder älter sind, gibt eine Mehrheit von 56 Prozent an, generell keine KI-Entscheidungen anstelle der Entscheidung eines Menschen akzeptieren zu wollen.

Fazit

In allen Studien befürworten die Bundesbürger grundsätzlich eine künstliche Intelligenz. Dass man ihr die gerechteren Entscheidungen zutraut, hat sicher mit ihrer systembedingten „Gefühlskälte“ zu tun. Dazu kommt wahrscheinlich aber auch der allgemeine Vertrauensverlust den Institutionen, der Rechtsprechung und Vorgesetzten gegenüber. So bleibt denn ebenso die Skepsis, dass KI vom Staat und den Unternehmen nicht nur zum Wohl der Bürger eingesetzt werden könnte. Und wenn es um „Leib und Leben“ geht wie etwa beim autonomen Fahren oder im Gesundheitswesen, will man sich nicht zu hundert Prozent in die Hände einer nicht menschlichen Intelligenz begeben.

KI statt Mensch (Bild: pixabay/Pete Linforth).

Eine Mehrheit der Bundesbürger würde KI in bestimmten Situationen für sich entscheiden lassen. (Bild: pixabay/Pete Linforth).