KI made in Europe

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Weltweit fließen Milliarden in die KI-Forschung. Wenn Europa weiter zögert, ist es in Gefahr abgehängt zu werden. Jetzt will eine breit angelegte Initiative will nun das Tempo erhöhen.

Künstliche Intelligenz (KI) wird einen enormen Einfluss auf alle Gesellschaften haben. Darüber herrscht auch in Europa Einigkeit. Entwickelt wird sie aber hauptsächlich anderswo. Ganz vorne mit dabei China. Dort ist die Schlüsseltechnologie Chefsache. Der Staat will bis 2025 mehr als 50 Milliarden Euro investieren und mit einem milliardenschweren Gewerbepark Unternehmen aus aller Welt anlocken. Parallel dazu haben die drei chinesischen Digitalkonzerne Baidu, Alibaba und Tencent die KI-Weltspitze fest im Visier. Ein ähnliches Szenario bietet sich in den USA, wo neben dem Staat Großkonzerne wie Google, IBM, Apple oder Microsoft massiv investieren – auch in Grundlagenforschung. In der EU liegt das Niveau privater Investitionen in dem Bereich bei 2,4 Milliarden Euro – in Nordamerika ist es fünf bis sechs Mal so hoch.

Das ist ein Grund, warum der alte Kontinent bislang nicht mithalten kann. Und das, obwohl es von Anfang an eine wichtige Rolle in der KI gespielt hat. Immerhin steht mit dem Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) das weltweit größte Forschungszentrum in Deutschland.

Ein anderer Grund ist politischer Natur. Hierzulande wird ausgelotet, Bundesländer buhlen um den Zuschlag eines geplanten Forschungszentrums, Masterpläne mit Frankreich sollen bis zum Herbst stehen, Kabinettsausschüsse werden eingerichtet und auf den Digitalgipfel im Dezember gehofft. So will Europa globaler Spitzenreiter werden, bei einer Technologie, die sich explosionsartig ausbreitet.

CLAIRE für KI-Forschung

Um das Tempo nun zu erhöhen, fordern 600 führende KI-Experten mit einem offenen Brief europäische und nationale Entscheider auf, ihre Unterstützung für Forschungsexzellenz und Innovation in der Künstlichen Intelligenz (KI) drastisch zu erhöhen. Und zwar unter Berücksichtigung der Stärken Europas: Verantwortungsvolle Forschung und Innovation, die den Menschen in den Mittelpunkt stellt. Die Ergebnisse sollen dann in Produkte, Dienstleistungen und soziale Innovationen fließen, die den europäischen Bürgern klare Vorteile bringen und die Wirtschaft stärken.

Am 10. April 2018 unterzeichneten 25 europäische Länder die Zusage, die Finanzierung und Koordination der KI-Forschung zu erhöhen. Zwei Wochen später veröffentlichte dann die Europäische Kommission erste Pläne zur Finanzierung von KI-Forschung und Innovation mit rund 20 Milliarden Euro.

Die Initiative fordert die Gründung einer Konföderation der Laboratorien für KI-Forschung in Europa (CLAIRE). Ein zentraler Knotenpunkt stellt Forschungsinfrastruktur, Daten und Computing-Ressourcen zur Verfügung und macht sie regionalen Exzellenzzentren und allen anderen Partnern zugänglich. Dabei soll wie beim CERN die Hauptforschung von Forschern und Laboren in ganz Europa und der Welt betrieben werden. Die Koordinierung sorgt dann in allen Bereichen für ausreichende Hebelwirkung und Anerkennung.

Über die Initiative

CLAIRE („Confederation of Laboratories for Artificial Intelligence Research in Europa“) wurde von Dr. Holger Hoos, Professor für Maschinelles Lernen am Institute of Advanced Computer Science (LIACS) an der Universität Leiden, Niederlande, ins Leben gerufen. Dr. Morten Irgens, Vizerektor an der Oslo Metropolitan University, Norwegen, und Prof. Dr. Philipp Slusallek, Wissenschaftlicher Direktor am Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI), Deutschland. Das DFKI ist weltweit eines der größten gemeinnützigen Forschungszentren für innovative Softwaretechnologien auf der Basis von Methoden der Künstlichen Intelligenz. Die Oslo Metropolitan University (OsloMet) ist eine der jüngsten Universitäten Europas mit Fokus auf den technologischen Wandel der Lebens- und Arbeitswelten. Die Universität Leiden ist die älteste Universität der Niederlande und gehört zu den 100 forschungsintensivsten Universitäten weltweit.

Ab sofort können weitere Unterstützer den Brief auf www.claire-ai.org elektronisch unterschreiben.

 

KI made in Europe (Bild: pixabay).

Europa muss bei der KI-Forschung schneller werden. (Bild: pixabay).