High-Power-Charging: Espresso-Stopps für Elektroautos

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High-Power-Charging ist in Deutschland angekommen. Damit reicht in Zukunft eine kurze Kaffeepause, um sein E-Mobil voll zuladen. Die passenden Autos dazu kommen allerdings erst nächstes Jahr.

An der Raststätte Brohltal-Ost wartet seit kurzem die erste deutsche Turbotankstelle mit 350 Kilowatt Leistung auf ungeduldige Elektromobilisten. Als Teil des europaweiten High-Power-Charging-Netzes (HPC) liefert sie bis zu sieben Mal mehr Leistung, als aktuelle Stromladesäulen. Damit übertrifft Ionity – ein Zusammenschluss von Daimler, BMW, Audi, Porsche und Ford – sogar Tesla’s viel gelobtes Supercharger-Netz. Die passenden Autos dafür liefern die Autobauer allerdings erst nächstes Jahr.

Neue E-Modelle, flächendeckende Ladeinfrastruktur und kurze Ladezeiten – alles muss jetzt schnell gehen. Das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) erwartet in zwei Jahren bis zu 15.000 Ladesäulen in Deutschland. Aktuell sind es etwa 9.500, ca. 8.000 mit einer Leistung von bis zu 22 Kilowatt. Nur 1.300 beschleunigen das Stromtanken mit 50 Kilowatt und mehr.

Turbo-E-Tankstellen sind noch seltener. Nur Tesla’s Supercharger-Netz an etwa 400 Standorten mit mehr als 3200 Ladepunkten lockt mit schnellem „Tanken“ – etwa 30 Minuten für 270 Kilometer Reichweite. Ionity’s HPC lädt den Akku dagegen in nur zwölf Minuten für weitere 400 Kilometer. Der nötige Strom kommt dabei vom Energieversorger Polarstern aus Laufwasserkraftwerken in Deutschland.

High-Power-Charging “on the rocks”

Das High-Power-Charging-Netz (HPC) soll bis 2020 aus 400 Ladestationen in 24 Ländern bestehen, über 100 will man schon bis zum Ende diesen Jahres fertigstellen. Schließlich scharrt die neue Generation E-Mobile schon mit den Pneus. Ohne leistungsfähige Ladeinfrastruktur dürften sich die Verkaufszahlen der mit Spannung erwarteten E-Boliden von Audi, Mercedes, Porsche und Co. in Grenzen halten.

High-Power-Charging
Die hohe Leistungsaufnahme beim High-Power-Charging erfordert eine Kühlung von Kontakten und Kabeln. (Bild: Phoenix Contact).

Wie alle HPC-Ladestationen von Ionity verfügt auch Brohltal Ost über sechs Ladepunkte nach dem europäischen Standard „Combined Charging System“ (CCS). Sie ermöglichen mit bis zu 350 kW Leistung dem passenden Fahrzeug am anderen Ende des Kabels deutlich verkürzte Ladezeiten. Dazu sind allerdings Spannungen von bis zu 1.000 Volt und Ströme von bis zu 400 Ampere notwendig. Eine heiße Angelegenheit – in weniger als einer Sekunde könnte man damit einen Liter Wasser zum Kochen bringen. Ladestecker und Ladeleitung werden deshalb flüssig gekühlt und durch Temperatursensoren überwacht.

Da die Ladesäulen durch das Combined Charging System (CCS) markenunabhängig abwärtskompatibel sind, können schon jetzt auch „Langsamtanker“ bei einem genüsslichen Snack auf einen vollen Akku warten.

 


Erfahren Sie mehr über Ladeinfrastrukturen auf der electronica Automotive Conference am 12. November 2018 im Internationalen Congress Center München (ICM).

 

 

 

Turbo-Stromtankstellen Bild Ionity

Stylische 350-KW-Schnelllader füllen während des kurzen Stopps das Elektroauto. (Bild: Ionity).