Mode heiratet Technik

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Nach der ersten Wearable-Welle mit Uhren und Fitnessbändern erobern nun smarte Jacken, Shirts und Hosen den Markt. Einer neuen Studie von Gartner zufolge zieht die smarte Kleidung schon in zwei Jahren an der Konkurrenz am Handgelenk vorbei.

Auf der electronica konnte man den Trend spüren. An vielen Ständen wurde gestrampelt, gehüpft, der Puls oder die Herzfrequenz gemessen (wir berichteten davon). Eine neue Studie von Gartner untermauert nun die Beobachtung. Zwar rechnen die Marktforscher für 2015 mit einer leichten Delle, da es zu Funktionsüberschneidung zwischen Fitnessarmbändern, anderen tragbaren Fitnessgeräten und Smartwatches kommt. Schon 2016 aber geht es wieder aufwärts. Und die Aussichten sind gut: die Preise sinken, die Technik wird besser, die Batterielaufzeit ebenso. Und in Zukunft werden die „Tragbaren“ wohl von Gymnastikstudios, Versicherungen, Kliniken oder Arbeitgebern ermäßigt oder kostenlos an die Kundschaft und Mitarbeiter abgegeben.

Smarte Kleidung auf der Überholspur

Die eigentliche Überraschung der Studie ist jedoch, dass smarte Kleidung in zwei Jahren an Smartwatches, Fitnessbändern und –monitoren vorbeiziehen wird (siehe Abbildung). Dann sollen immerhin schon 26 Millionen smarte Textilien über die Ladentheken wandern. Eine saftige Steigerung, gemessen an den 100 000 dieses Jahr.

Smarte Kleidung überholt Smart Eatches und Fitnesbänder

Noch werden die mit Sensoren gespickten Kleidungsstücke jedoch in der Hauptsache von Sportlern getragen. So trainiert etwa die Bundesligamannschaft von Hoffenheim seit letztem Jahr in Funktionskleidung mit integrierten Sensoren. Aber in Zukunft eröffnen sich eine Reihe ganz anderer Anwendungen im Healthcare-Bereich, in der Industrie oder auch einfach im Alltag.

Zukünftige Bekleidung wird dann gesundheitliche Überwachungsfunktionen übernehmen, Krankheiten verhindern oder sogar heilend wirken. Davon profitieren zum Beispiel ältere Menschen, Patienten in der Rehabilitation aber auch Eltern mit kleinen Kindern. Untersuchungen können von zuhause und unterwegs durchgeführt und von Ärzten, die den direkten Zugriff auf die Daten haben, ausgewertet werden? Natürlich ist da die Frage nach dem Datenschutz zu klären. Geschieht das unzureichend, wird die gesellschaftliche Akzeptanz schnell von Pro auf Contra kippen.

Function follows form

Neben der reinen Funktion darf aber der Lifestyle- und Designaspekt der smarten Kleidung nicht außer Acht gelassen werden. Man denke nur an den Erfolg von Apple. Schließlich ist einer der spannenden Aspekte der Entwicklung, dass Mode und Technologie eine Hochzeit eingehen und die Technik beinahe unsichtbar in den Alltag gelangt.

So ist denn auch der Modemarkt gerade dabei auf den Wearable-Zug aufzuspringen. Auf dem Tennisturnier in New York hatte Ralph Lauren als erstes Luxuslabel bereits Balljungen und Tennisspieler mit seinem neuen „Polo Tech-Shirt“ ausgestattet. Das mit Sensoren ausgestattete Sportshirt misst Herzfrequenz, Atmung und Kalorienverbrauch. Bei Sportkleidung wird es nicht lange bleiben, und die Pradas und Guccis dieser Welt werden folgen.

www.gartner.com

 

Lauren Tech Shirt

Das "Polo Tech Shirt" von Ralph Lauren erfasst biometrische Daten und übermittelt sie an Smartphones und Tablets. In Kürze soll es in Deutschland erhältlich sein. (Foto: Ralph Lauren)