Is it hip to be chipped?

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Was noch nach Science Fiction klingt, könnte bald normal sein. In Schweden haben sich jetzt dreihundert Büroangestellte einen RFID-Chip einpflanzen lassen. Freiwillig, versteht sich. Noch.

Der reiskorngroße Chip unter der Haut soll Türen öffnen, Smartphones entsperren oder als Kundenkarte fungieren. Völlig ungefährlich, wie der Verein der „Bionyfiken“ in Stockholm betont. Dort wurde jüngst zur Eröffnungsparty eines schicken Bürohauses ein Piercingstudio eingeladen, das Nutzer des Gebäudes einen Chip in die Hand implantierte, mit dem die Türen geöffnet und Kopierer benutzen werden können.

Einer der Vorreiter der „Cyborgianer“ – Amal Graafstra – nennt sein Unternehmen „Dangerous Things“. Nach einem Crowdfunding bietet er einen 2 Millimeter dicken und 1,2 Zentimeter langen  Microchip an, der die Hand in ein von Maschinen lesbares Interface verwandelt. Der Chip zur Selbstimplantation wird mittlerweile zum Preis von 99 Dollar verschickt. Für den „Einbau“ reiche jemand, der eine „Gebrauchsanweisung“ lesen kann.

Im Unterschied zu anderen implantierbaren Chips, unterstützt das „gefährliche Ding“ als erste kommerzielle Version auch „Near-Field Communication“ (NFC). Damit kann man die Verbindung zum Smartphone herstellen, Lebensmittel bezahlen, Haustüren öffnen, Auto starten oder auch Bitcoins speichern.

Die zu speichernden Datenmengen sind mit einigen Hunderten Bytes noch überschaubar. Die Auslesedistanz entspricht den bei Bezahlkarten und elektronischen Ausweisen üblichen 10 Zentimeter. Neuere Standards – etwa ISO15693 – überbrücken allerdings schon 70 Zentimeter, was die Gefahr unerlaubter Zugriffe nicht gerade vermindert.

Gechippter Hund mit gechipptem Herrchen

Ganz neu ist das „körpernahe“ Verfahren auch hierzulande nicht. Tragen doch Haustiere schon länger Chips im Ohr mit gespeicherter Identitätsnummer und Angaben zum Besitzer. Ob auch Herrchen oder Frauchen die allgegenwärtige Erfassung jetzt freiwillig bis in den „subkutanen“ Bereich zulassen müssen, ist mehr als diskussionswürdig.

Noch ist die breite kommerzielle Nutzung ausgeblieben, auch wenn in Stockholm zunehmend Chip-Partys gefeiert werden und die Zahl der Cyborgs steigt. Noch haben Drucker Einschaltknöpfe und viele Türen Türgriffe, noch implantieren die subkutanen Chipper freiwillig, aber wie schnell sich „Gewohnheiten“ ändern, zeigt unsere jüngste digitale Vergangenheit.

electronicablog KW 11 Chippen

Sobald eine „gechippte“ Hand in die Nähe eines geeigneten Lesegeräts kommt, ist man identifiziert. (Bild: Amal Graafstra).