TREND: Low Cost Boards: Die Profi-Früchtchen

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Open Source Hardware wie der Raspberry Pi, Banana Pi oder Orange Pi sind in der Profi-Welt angekommen. Und auch die ganz „Großen“ nehmen den digitalen Obstsalat neuerdings ernst.

Schon auf der electronica zählte Open Source Hardware zu den Messe-Highlights (wir berichteten davon). Mit dem Raspberry Pi A+ wurde mit einem Preis von 20 Dollar der günstigste Single-Board-Computer der Welt vorgestellt. Nicht weniger Aufsehen erregte die Profi-Variante – das Raspberry Pi Compute Module. Denn die günstigen Community-Boards erfreuen sich nicht nur bei Elektronik-Bastlern großer Beliebtheit. Sie sind auch in der professionellen Entwicklerszene angekommen.

Und die Auswahl ist immens angewachsen. Rasperry, der Single-Board-Veteran, hat mittlerweile eine Menge Konkurrenz mit ebenso exotischen Namen, aber nicht selten deutlich höheren Leistungen bekommen.

Erhältlich sind diese Boards hauptsächlich über Katalogdistributoren. Für die war es anfangs mehr ein Marketing-Tool, denn umsatzrelevant. Sie bringen die Elektronik einer breiten Öffentlichkeit nahe und fördern die Kundenbindung.

Low-Cost-Boards im Aufwind

Aber auch die Zahlen können sich sehen lassen. Erst vor kurzem hatte die Raspberry Pi Foundation getwittert, dass Anfang dieses Jahres das fünfmillionste Board über die Ladentheke ging. Damit seien sie nach eigenen Angaben der Computerhersteller mit dem höchsten Absatz in Großbritannien.

laut IHS nehmen die Umsätze mit Do-it-yourself (DIY) Boards ab 2017 "sichtbar" zu. (grafik: IHS).
Laut IHS nehmen die Umsätze mit Do-it-yourself (DIY) Boards ab 2017 „sichtbar“ zu. (Grafik: IHS).

Und das gerade erst vorgestellte neue Modell Raspberry Pi 2 Model B soll sich auch schon 500.000 mal verkauft haben. Es verfügt über einen Quad-Core-ARM-Prozessor und 1 Gigabyte RAM. Daran dürften auch „erwachsene“ Entwickler ihre Freude haben. Das erste Modell musste noch mit einem einkernigen 700-Megahertz-Prozessor und 256 Megabyte RAM auskommen.

Dass der Mini-Computer mittlerweile mehr als ein Spielzeug ist, hat erst vor wenigen Wochen der britischer Geheimdienst gezeigt. Er baute aus 66 Raspberry Pi model B einen Low-Cost-Supercomputer. Was da im Projekt „Raspberry Pi Bramble“ entstand, kann sich natürlich nicht mit echten Superrechnern messen, funktioniert aber prinzipiell genau so: ein Computing-Job wird auf viele unabhängige Knoten verteilt. Ganz neu ist die Idee allerdings nicht. Schon 2013 hatten Forscher einen Cluster mit 120 Raspberry Pi gebaut.

Microsoft mit Raspberry Pi

Selbst der Riese aus Redmond hat sein Herz für die Kleinen entdeckt. So könnte man denken. Denn Microsoft stellt Windows 10 IoT für den Raspberry Pi 2 kostenlos zur Verfügung. Zumindest bemerkenswert, waren doch die Open Source Gemeinde – die sogenannte Maker- Community – und der Software-Gigant eigentlich schon immer ziemlich beste Feinde. Aber zum einen arbeitet die Raspberry Pi Foundation schon länger mit Microsoft zusammen, um Windows 10 auch auf den neuen Pi 2 zu bringen. Und zum anderen will, beziehungsweise muss, Microsoft dazugehören.

Denn das Internet der Dinge lebt auch von kreativen Start-Up-Unternehmern, die aus der Maker-Kultur kommen und längst das Bastler-Image abgestreift haben. Schließlich sind Einplatinen-Computer für „smarte“ IoT-Anwendungen wie geschaffen. Hier will Microsoft mit seinem „Geschenk“ einen Fuß in die Tür bekommen. Intel hatte sich da schon mit seinem „Bastel-Board“ Galileo Gen vor einiger Zeit in Stellung gebracht. Das wurde übrigens letztes Jahr zusammen mit vorinstalliertem Windows IoT von Microsoft kostenlos an Entwickler und Programmierer verteilt. Geschenke machen Freunde.

 

Raspberry Pi

Low Cost Computer mit den fruchtigen Namen sind auch in der Profi-Ecke angekommen. (Bild Raspberry Pi Foundation).