Alte Technologie in neuen Hüllen

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Drahtlose Ladetechnik für Smartphones gibt es schon. Allerdings braucht man dazu Strom. Jetzt soll recycelter Elektrosmog iPhones gratis laden. Tesla macht’s möglich. Vielleicht?

Die Idee ist alt, um nicht zu sagen uralt. Schon Kristalldetektoren (Diodenempfänger) aus den frühen Tagen des Rundfunks funktionierten nach demselben Prinzip. Ebenso die bekannten RFID-Etiketten (Radio Frequency Identification). Funkwellen induzieren in der Antenne schwache Induktionswechselströme, die in Gleichstrom umgewandelt werden. Verbraucht die Schaltung dann nicht mehr Energie, als sie empfängt, kann man einige Mikrowatt abzapfen.

Firmen wie NEC, Intel oder Nokia forschen seit vielen Jahren an dem Thema. So stellte der finnische Mobilfunkhersteller schon 2009 einen Prototypen vor, der damit angeblich 50 Milliwatt erzeugen konnte. Dazu bediente sich das Gerät aus einem breiten Frequenzspektrum zwischen 500 Megahertz und 10 Gigahertz. 50 Milliwatt klingt allerdings ziemlich „phantastisch“. Eine Marktreife wurde damals für 2013 prognostiziert. Davon dürfte man auch jetzt noch meilenweit entfernt sein?

Auch Ingenieure der US-Forschungseinrichtung Georgia Tech wollten elektromagnetische Strahlung zwischen 100 Megahertz und 15 Gigahertz zurückzugewinnen. Also von UKW-Radiofrequenzen über WLAN und Fernsehsender, bis hin zu Radarstrahlen. Dabei sollten Sensoren zusammen mit den Komponenten des „Funkempfängers“ kostengünstig auf Papier oder Kunststoff gedruckt werden. Der Prototyp eines Temperatur-Sensors konnte bereits 2011 mehrere hundert Meter neben einem Fernseh-Sender mit einigen 100 Mikrowatt versorgt werden.

Letztes Jahr berichteten wir von einem ameisengroßen Funkchip der Stanford Universität, der seine Energie aus denselben elektromagnetischen Wellen, die auch Informationen an ihn übermitteln, gewinnt (Der Ameisenfunk).

Wirkliche Praxistauglichkeit konnte allerdings noch von keinem der Projekte bewiesen werden. Gegenüber einer Energiegewinnung mit Solarzellen oder Thermogeneratoren war die „Tesla-Methode“ bislang nicht konkurrenzfähig.

Start-up macht ernst

Das Start-up Nikola Labs macht jetzt einen neuen Versuch. Eine iPhone-Hülle soll einen Teil jener Energie zurückgewinnen, die das Apple-Gerät selbst verschwendet. Und das können bis zu 90 Prozent sein. Etwa ein Drittel mehr Akkulaufzeit würde das bringen. Die Projektfinanzierung via Crowdfunding startet in den nächsten Wochen. Und die Auslieferung soll schon diesen Sommer beginnen.

Die Technologie stammt von der Ohio State University. Wirkliche Wunder darf man sich davon zwar nicht verprechen.  Aber 30 Prozent mehr Laufzeit wären so schlecht nicht.

Die Technologie könnte ebenso in Wearables, Sensoren oder medizinischen Geräten für „kleinen“ Strom sorgen. Apple’s iPhone 6 ist aber für den Start sicher der beste Einstieg.

Wie groß das Interesse ist, wird die Kickstarter-Kampagne zeigen. Wer mitmacht, zahlt 99 Dollar für die Iphone-Hülle.

Nikola Labs  iPhone-Hülle

Neue Hüllen sollen einen Teil der vom iPhone verschwendeten Energie zurückgewinnen und damit den Akku des Apple-Smartphones aufladen. (Bild: Nikola Labs).