Aus Freude am Selberfahren

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Lenken, Bremsen und Einparken – das überlassen Autofahrer anscheinend ungern elektronischen Helfern in ihren High-Tech-Karossen. Eine aktuelle Studie zeigt: Selbst jüngere Neuwagenkäufer lassen die teure On-Bord-Elektronik links liegen.

Autohersteller investieren Milliarden, um das Fahrerlebnis so smart wie möglich zu gestalten. Nicht selten umsonst. Denn der Kunde lässt sich anscheinend ungern ins Lenkrad greifen. Das ergab jetzt die Studie 2015 Drive Report von J. D. Power.

Danach haben 20 Prozent der befragten 4.200 Neuwagenkäufer in den USA die Hälfte der neuen Funktionen noch nie ausprobiert. 35 Prozent nutzen die Einparkhilfe nicht, 38 Prozent machen keinen Gebrauch vom Wlan-Router. Und gerade einmal die Hälfte folgt Concierge-Systemen, die etwa Restaurants in der Umgebung vorschlagen.

Dabei ist die Missachtung altersunabhängig. Die Jüngeren greifen bei Unterhaltung oder Navigation lieber auf ihr gewohntes Smartphone zurück. Auf keinen Fall soll ihr nächster Wagen mit Apple CarPlay, Google Android Auto oder irgendwelchen Concierge-Angeboten vom Fließband laufen. Das ist einigermaßen überraschend, behauptet doch etwa Ford, dass sein “Sync Infotainment System” gerade junge Käufer dazu veranlasst ihr Fahrzeug anderen vorzuziehen.

Bestellt, bezahlt und nicht abgeholt

Die Gründe für die Ablehnung sind einfach. Viele brauchen die Features eben nicht. Sie sind nur Teil eines bestimmten Ausstattungspakets. Dazu kommt, dass Autoverkäufer auch aus eigener Unkenntnis oftmals versäumen die neuen Möglichkeiten zu demonstrieren. Und für Smartphone-Besitzer erscheinen viele Funktionen redundant. Deswegen gehören auch Tote-Winkel- oder Kollisionswarner und Spurassistenten zu den wenigen willkommenen neuen Funktionen. Nicht unbedingt eine Kernkompetenz des Smartphones.

„Liebstes Kind“ auch mit Fahrerassistenzsystem

Hierzulande scheint sich zumindest die Akzeptanz für elektronische Fahrhelfer zu erhöhen. Eine Online-Umfrage der Creditplus Bank unter 1.000 Bundesbürgern aus dem letzten Jahr ergab, dass knapp 40 Prozent der Autokäufer dafür tiefer in die Tasche greifen würden. Im Vergleich zum Vorjahr eine Erhöhung um 13 Prozentpunkte. Dazu fordern etwa 20 % eine Smartphone-Anbindung. Und ein vernetztes Auto mit Telematik-Funktion finden zwei Drittel gut.

Zu einem ähnlichem Ergebnis kam schon Ende 2013 eine Umfrage von Accenture unter mehr als 1 000 Führerscheininhabern in Deutschland. Danach orientierten sich 48 Prozent beim Neuwagenkauf eher an elektronischen Assistenzsystemen, Informations- und Unterhaltungselektronik als an den Fahrleistungen. An selbstfahrenden Autos waren allerdings nur 38 Prozent interessiert.

Das ergab auch eine aktuelle Umfrage des Direktversicherers DA Direkt, wonach sich über die Hälfte gegen autonomes Fahren aussprachen. Etwa genauso viele kreuzten bei „Autofahren vermittelt ein Gefühl von Freiheit und Selbstbestimmtheit“ an. Und nur für 14 Prozent ist das Auto ihr liebstes Kind wegen des technischen „Schnickschacks“.

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Head-up-Displays, WLAN oder Parkassistenten - Autofahrer nutzen viele teure Features in ihren Fahrzeugen nicht. (Foto: Daimler).