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Smartphones sind die Schweizer Messer der Elektronik. Sie können fast alles, allerdings nicht sehr lange. So wie häufige Tankstellenbesuche die Freude am Fahren verderben, nervt permanentes Aufladen. Die Neuauflage einer alten Technologie soll das jetzt ohne unser Zutun erledigen.

Wir sind mittlerweile zu wahren Lade-Freaks verkommen. In „Familien-Unterkünften“ wird schon die Hälfte der Steckdosen von Ladegeräten okkupiert. Und wer nach Hause kommt oder morgens aufsteht, verbindet als erstes seine elektronischen Begleiter damit. Etwas komfortabler sind da Ladeschalen oder -matten. Das Gefummel mit den Kabeln entfällt dann zwar, aber die Wohnung sind mit oftmals designtechnisch fragwürdigen Gegenständen angefüllt.

Eine vollkommen unsichtbare Lösung verspricht da ein Unternehmen aus San Jose, wenige Steinwürfe von Apple entfernt. Einem WLAN ähnlich, versorgt der Power Router von Energous in einem Radius von 4,5 Metern automatisch bis zu 12 Geräte mit Strom. Voraussetzung ist, dass sie mit der Watt-UP-Technologie ausgestattet sind und die Leistungsaufnahme 10 Watt nicht übersteigt.

Neu ist das Prinzip nicht. Vor knapp hundert Jahren nutzten Schrebergärtner in der Nähe starker Mittelwellensender Radioübertragungen, um Strom aus der Luft „abzuzapfen“. Die Gartenzäune dienten als Empfängerantennen, an die Glühlampen angeklemmt wurden.

Power Router mit mehr Power

Die Antennen von Watt Up sind natürlich erheblich kleiner. Arrays aus künstlich hergestellten Strukturen (Metamaterial) sammeln die Energie vom Power Router in kleinen, „mundgerechten“ Stücken. Wie ein WLAN-Router sendet dieser mit 5,8 GHz. Aber erst, wenn ein Smartphone, Tablet, eine LED oder auch eine Smartwatch via Bluetooth explizit Energie anfordern. Dann richtet sich eine Sendeantenne auf das jeweilige Gerät aus. Die Software erkennt Typ, Parameter, Lade- und Verbindungszustand und managt dynamisch die Energieübertragung.

Die übertragene Leistung hängt von der Entfernung und der Anzahl der Geräte ab. So bekommen vier Geräte in bis zu 1,5 Meter Entfernung jeweils vier Watt ab. Die Ladezeit entspricht etwa der an der Steckdose. Gesteuert wird das System über eine App.

Noch findet das in speziellen Hüllen oder Ladestationen für die Mobilgeräte statt. Die Chips sind aber so klein, dass sie künftig in die Geräte verbaut werden können. Erst dann wird es wirklich interessant.

Rascher Markteintritt

„Watt Up“ soll schon Ende 2016 marktreif sein. Die nötigen Patente wurden erst letzte Woche erteilt. Eine strategische Partnerschaft mit einem noch unbenannten, führenden Technologielieferanten (Tier One) für Consumer Electronics ist unter Dach und Fach. Da passt ganz gut ins Bild, dass Motorola Solutions anscheinend an einer selbstladenden Technologie arbeitet. Und schließlich und endlich ist Martin Cooper, der Vater des Mobiltelefons, in den Vorstand von Energous gerückt. Er hatte bei Motorola in der Entwicklung gearbeitet und machte am 3. April 1973 auf der 6th Avenue in New York den ersten Anruf über einen Motorola Mobiltelefon-Prototypen.

 

Energous Watt Up

Smartphones und andere elektronischen Geräte sollen in Zukunft vollautomatisch geladen werden. (Bild: Energous).