Das Internet der chinesischen Dinge

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Viel wird hierzulande vom allgegenwärtigen und doch immer noch zukünftigen Internet der Dinge gesprochen. Mehr getan als geredet wird dagegen in China. Denn im Reich der Mitte kommt die Zukunft schneller als anderswo.

Das Internet der Dinge (engl. Internet of Things, IoT) ist kein Nice-to-have. Am wenigsten in China. Dort ist es überlebensnotwendig. Immerhin sollen bis 2020 mindestens 60 Prozent aller Chinesen in Städten leben.  90 Millionen zusätzliche „Konsumenten“ als Turbo für die Binnennachfrage der zweitgrößten Volkswirtschaft der Erde. Und das ohne „urbane Katastrophen“.

Dabei nähern sich die Metropolen schon jetzt gefährlich dem Kollaps. Umweltverschmutzung, Verkehrschaos oder veraltete Müll- und Abwasserentsorgungen lassen sich mit herkömmlichen Ansätzen kaum mehr lösen. Vieles davon läßt sich aber mit IoT in den Griff bekommen. So hofft man.

Auch die Gesundheitsversorgung einer alternden Bevölkerung erfordert neue „vernetzte“ Ansätze. So sind Landbewohner für ein fünfminütiges Arztgespräch in der Stadt oftmals tagelang unterwegs.

Und dann ist da noch die Produktion. Steigende Lohnkosten signalisieren das Ende des langjährigen Erfolgsmodells. Der schnelle Wechsel vom Billiglohnland zur Industriemacht gelingt nur durch eine rasante Automatisierung und Digitalisierung der Industrie. So viel Zeit wie in Europa hat man dabei nicht.

IoT-Markt China

Bei so viel „Leidensdruck“ verwundert es nicht, dass sich das „Internet der Dinge“ als vermeindlicher Alleslöser durch die von der Regierung initiierten IoT-Projekte erheblich weiterentwickelt hat. Und China bis zum Jahr 2020 den globalen Markt dominieren wird. Innerhalb Asiens mit einen Anteil von 59 Prozent. Weltweit entspräche dies jedem fünften vernetzten Gerät.

Die Chancen des IoT Ecosystems (Grafik: IDC).
Die Chancen des IoT Ecosystems (Grafik: IDC).

Das Marktforschungsunternehmen IDC Asia-Pacific sieht die Anzahl der miteinander verbundenen Geräte im asiatisch-pazifischen Raum von derzeit 3,1 Milliarden bis 2020 auf 8,6 Milliarden ansteigen. Der Marktwert des asiatisch-pazifischen Raumes – ohne Japan – soll von 250 Milliarden USD auf 583 Milliarden USD wachsen.

Für Chinas Regierung stehen als Anwendungsgebiete die Produktion, Regierungsangelegenheiten und das Gesundheitswesen ganz oben auf der Liste. Besonders gut dürfte sich dabei der Gesundheitsbereich entwickeln. Wächst doch bis 2020 die Mittelschicht in Asien um rund eine Milliarde.

Was die Produktion betrifft, so treibt man mit dem strategischen Programm „Made in China 2025“ gezielt Technologien der Industrie 4.0 voran. Hierzulande soll ein 10-Punkte-Programm ähnliches bewirken. Allerdings müssten die EU-Länder noch gemeinsame rechtliche Rahmenbedingungen für IT-Sicherheit, Datenschutz und für die Unterstützung von Start-ups aufstellen.

Eine aktuelle Studie des Fraunhofer IAO ergab, dass von 2013 bis 2015 im Bereich Industrie 4.0 über 2500 Patente in China angemeldet wurden. Die USA mit 1065 oder gar Deutschland mit 441 Anmeldungen liegen da abgeschlagen auf den hinteren Rängen. Werden auf Basis dieser Schutzrechte nationale und auch internationale Standards definiert, so sind auch europäische Technologieanbieter gezwungen, sich daran zukünftig zu orientieren.

electronica China 2016

Wenn Sie sich persönlich ein Bild vom chinesischen „Internet der Dinge“ an Ort und Stelle machen wollen, so ist auf der electronica China & productronica China vom 15.-17. März 2016 die beste Gelegenheit. Seit 2002 zählen sie zu den wichtigsten Messeplattformen für elektronische Bauteile, Komponenten und Systeme in Asien. In diesem Jahr präsentierten 1.006 Aussteller ihre Produkte und Dienstleistungen 55.365 Fachbesuchern.

Als Unternehmen können sie sich noch am deutschen Gemeinschaftsstand für die electronica China 2016 beteiligen. Anmeldeschluss hierfür ist der 23. November 2015.

IDC China IoT

China wird bis zum Jahr 2020 sowohl regional als auch global den IoT-Markt dominieren. (Grafik: IDC).