TREND Wearables: Doktor to go

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Noch liefern Wearables keine brauchbaren Daten für seriöse Diagnosen. In Zukunft sollen sie aber mithelfen eine ganze Reihe medizinischer Herausforderungen zu bewältigen.

Der CEO eines großen US Healthcare-Unternehmens sagte kürzlich auf einem Symposium: “Aus der Sicht eines Arztes sind Wearables wie Fitnesstracker genau für eine Sache gut: Dezember“. Womit er das Weihnachtsgeschäft meinte. Die Abneigung war tief und entsprangt der Angst vor einer unbeherrschbaren Flut nicht verwertbarer Daten.

Andere dagegen sehen in Wearables zukünftige, “tragbare Assistenzärzte“. Laut einer Bitkom-Umfrage soll die telemedizinische Routineüberwachung des Gesundheitszustands via Vitalparameter nach Ansicht von 97 Prozent der Experten eine große Rolle spielen. Herz- oder Diabetespatienten übermitteln dabei von zuhause aus Werte wie EKG, Blutdruck, Gewicht oder Blutzucker elektronisch an einen Arzt. 70 Prozent denken außerdem, dass auch Online-Sprechstunden zwischen Arzt und Patient bedeutsam werden.

Die Techniker-Krankenkasse (TK) erprobt letzteres seit etwa zwei Monaten bundesweit in ausgewählten Arztpraxen. Noch genügen als Ausstattung ein Computer mit Internetverbindung, ein Webbrowser und eine Webcam. In Zukunft wird das mit der gleichzeitigen Übertragung von Vitalparametern um einiges effektiver ablaufen können.

Der Hype hilft

Bis dahin ist allerdings noch einiges zu tun. Medizinisches Monitoring stellt erheblich höhere Anforderungen an Technik und Infrastruktur als Fitnesstracking. Verbesserungen bei der Datenqualität, beim Tragekomfort sowie dem Leistungsverbrauch sind unabdingbar. Auch müssen Wearables im professionellen Umfeld in eine Art mobilen Gesundheits-Ecosystem eingebunden werden, mit Standards bezüglich Datenintegrität und Datensicherheit. Und nicht zuletzt spielt der Kostenfaktor eine mitentscheidende Rolle. Eine Krankenkasse wird etwas preissensitiver sein als ein Apple-Fan.

So ist denn auch der Hype um die Wearables im klinischen Umfeld um einiges größer, als die Anzahl konkreter Beispiele. Noch liegen eine Menge nicht zu kleiner Hürden auf dem Weg. Healthcare- und Life-Science-Unternehmen suchen noch nach geeigneten Strategien, damit Wearables nicht nur ein positive Wirkung auf die Gesundheit entfalten, sondern auch auf ihre Umsätze. Deswegen sehen nicht wenige den Hype um die Wearables eher kritisch. Ein Gutes hat er aber sicher: Er zieht Risikokapital und Entwickler an.

 

 

 

Wearables Doctor to go (Bild: pixabay)

Bis der Arzt kommt, mißt ein LED-Sensor schon mal Herzfrequenz und Blutsauerstoffsättigung. (Bild: pixabay).