Die Endlichkeit des Exponentiellen

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Ein halbes Jahrhundert hat die Halbleiterindustrie versucht Moores Vorhersagen zu erfüllen. Jetzt scheint eine Ära zu Ende zu gehen. Traurig muss man deswegen aber nicht sein.

Noch letztes Jahr feierte das Quasi-Naturgesetz der Chip-Industrie seinen fünfzigsten Geburtstag. Der Intel-Mitgründer Gordon Moore brachte es 1965 zu Papier. Danach sollte die „Komplexität für Chips mit minimalen Herstellungskosten jedes Jahr um den Faktor zwei wachsen.“ Zehn Jahre später korrigierte er den zu optimistischen Zeitraum auf zwei Jahre. Bekannt geworden ist dann Intels Auslegung von „Moore’s Law“, nach der sich die Performance von Chips alle 18 Monate verdoppelt. Seitdem treibt die „selbstauferlegte“ Gesetzmäßigkeit die Chip-Industrie vor sich her.

Noch letztes Jahr wurde ihm von vielen Experten eine „Mindesthaltbarkeit“ bis 2020 bescheinigt.  Ebenso viele Fachleute spekulieren allerdings auch schon seit 25 Jahren über das Ende von „Moore’s Law“. Sie scheinen jetzt endlich Recht zu bekommen.

Roadmap ohne das „Gesetz“ von Moore

Die Zeitschrift „Nature“ berichtet in der aktuellen Ausgabe, dass die nächste Roadmap der Halbleiterindustrie ohne „Moore’sches Law“ auskommen muß. Die neue Strategie heißt nun „More-than-Moore“. Dabei steht „more“ nicht etwa für noch mehr Transistoren. Vielmehr verschiebt sich der Fokus weg von der reinen Performance hin zum Anwendungsspektrum. Denn schließlich verlangt jede Applikation Halbleiter mit besonderen Eigenschaften. Zahlreiche Entwicklungen der mobilen Kommunikation, Automobilbranche oder der „smarten“ Branchen haben die Nachfrage nach diese Art Chips enorm erhöht.

Statt der weiteren Verkleinerung von Chip-Strukturen kommt Halbleitern mit immer mehr Funktionen auf einem Chip eine immer stärke Bedeutung zu. „More-than-Moore-Technologien“ unterstützen diese Anforderungen durch Systemintegrationstechnologien wie etwa 3-D-Integration auf Waferlevel.

Offiziell hat man bei Intel zwar „Moore’s Law“ noch nicht zu Grabe getragen. Aber die Aussage, dass zukünftige Chip-Herstellung das Hauptaugenmerk noch vor der Performance auf Energieeffizienz richten wird, sagt genau das aus. Für Moore selbst kommt diese Entwicklung nicht überraschend. Er meinte schon vor langem: „Nichts Exponentielles dauert ewig, aber Ewigkeit kann man verschieben“. Eine ziemlich lange Zeit lang, aber eben nicht ewig.

Gordon Moore

Für Gordon Moore war immer klar, dass seine Vorhersagen nicht ewig halten würden. (Bild: Intel).