Telemedizin – bequem aber gefährlich?

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Implantierte Mikrochips, Operationsroboter oder die Ferndiagnose per Videochat und Telemonitoring – digitale Technologien verändern die Medizin und Gesundheitswirtschaft. Und die Bundesbürger finden das gut, aber nicht nur, wie eine aktuelle Studie des Bitkom ergab.

Nach dem E-Health-Gesetz sollen ab Mitte 2017 die telemedizinische Beurteilung von Röntgenbildern und Online-Sprechstunden starten. Bis Mitte 2018 ist dann eine flächendeckende Telematik-Infrastruktur mit Arztpraxen und Krankenhäusern vorgesehen. Die Telemedizin rückt also immer näher. Aber wie stehen eigentlich die zukünftigen „Telepatienten“ dazu?

Die Deutschen haben grundsätzlich keine Angst vor digitalen Technologien im Gesundheitswesen. Vielmehr sehen sie darin große Chancen für Prävention, Diagnose und Heilung. Das zeigt eine repräsentative Befragung im Auftrag des Digitalverbands Bitkom.

Dabei stieß besonders die Telemedizin auf großes Interesse. Jeder Fünfte würde im Krankheitsfall seinen Gesundheitszustand telemedizinisch überwachen lassen, weitere 39 Prozent könnten es sich immerhin vorstellen. Sechs von zehn Deutschen stehen damit sogenanntem Telemonitoring offen gegenüber. Dazu gehört auch das „häusliche“ Messen von Vitalwerten wie Blutdruck oder Blutzucker mit nachfolgender Übermittlung an medizinisches Fachpersonal. Oder die Operation mit „Fernunterstützung“ durch einen Spezialisten. 14 Prozent hätten kein Problem damit, für fast die Hälfte ist es vorstellbar.

High-Tech-Medizin der Zukunft

Bitkom TelemedizinSelbst Operationsroboter würde etwa ein Viertel der Befragten an den eigenen Blinddarm lassen. Ebenso viele hätten auch gegen digitale Tabletten, die Information ans Smartphone senden, nichts einzuwenden. Vorsichtiger ist man dann schon, wenn es unter die Haut geht. Implantierte Mikrochips zur permanenten Überwachung von Körperfunktionen begrüßen nur 15 Prozent uneingeschränkt, 18 Prozent sind nicht abgeneigt.

Telemedizin mit Nachteilen

Bitkom Telemedizin Online-SprechstundeInteressanterweise erhalten Online-Sprechstunden ähnliche Zustimmungswerte wie die futuristische High-Tech-Medizin. So käme die Konsultation eines Arztes via Online-Sprechstunde für 17 Prozent auf jeden Fall in Frage, 16 Prozent könnten sich dies vorstellen. Nicht verwunderlich, dass dabei hauptsächlich „bequeme“ Gründe Rolle spielen. Der Zugang zu räumlich weit entfernten Ärzten wird erleichtert (57 Prozent), die Wartezeit in der Praxis (43 Prozent) sowie die Anfahrt (29 Prozent) entfällt.

Dagegen sehen zwei Drittel (67 Prozent) aller Befragten durch Online-Sprechstunden das Risiko einer Fehlbehandlung steigen. Für gut die Hälfte (52 Prozent) leidet das Verhältnis zwischen Arzt und Patient. Und knapp die Hälfte (43 Prozent) sieht einen Nachteil darin, dass Patient und Arzt über technisches Know-how und eine zusätzliche technische Ausstattung verfügen müssen.

Big data – good data?

Über telemedizinische Szenarien hinaus ermöglichen Big-Data-Technologien etwa die Untersuchung des Erbgutes auf Gesundheitsrisiken. Drei Viertel der Befragten (72 Prozent) sind für diese Möglichkeit offen. Allerdings haben viele Befragte (82 Prozent) die Sorge, dass durch die Digitalisierung der Medizin die Gefahr des Missbrauchs von Gesundheitsdaten steigt.

Bei optimalem Datenschutz würden für langfristigen Erforschung einer Krankheit 75 Prozent Informationen zu Symptomen und Krankheitsverlauf zur Verfügung stellen, 61 Prozent für die Entwicklung von Medikamenten oder Therapien, die auf sie persönlich zugeschnitten sind und 44 Prozent gegen eine finanzielle Entschädigung.

Zur Studie
Grundlage der Angaben ist eine repräsentative Befragung, die Bitkom Research im Auftrag des Digitalverbands Bitkom durchgeführt hat. Dabei wurden 1009 Deutsche ab 14 Jahren befragt, darunter 783 Internetnutzer.

 

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Telemedizin (Bild: pixabay))

Der Doktor kommt zukünftig via Internet. (Bild: pixabay),