Autonomes Fahren mit Nachrüstsatz

| |
1 Star2 Stars3 Stars4 Stars5 Stars

Wer an seinem „alten“ Auto hängt, muss nicht auf autonome Features verzichten. Neue Nachrüstkits befreien den Fahrer in Zukunft von lästigen Lenkaufgaben.

Bis Autos ohne menschliches Zutun unsere Strassen sicherer machen, gehen noch einige Jahre ins Land. In der Zwischenzeit kann man seinem alten Gefährt mit erschwinglicher Selbstfahrtechnologie einen autonomen Anstrich verpassen. Etwa mit der Retrofit-Lösung des Berliner Start-ups Kopernikus Automotive. Das schickte kürzlich einen umgerüsteten Kompaktwagen auf eine Jungfernfahrt von Ingolstadt nach Wolfsburg.

Für Fahrzeuge mit einem Parkassistenten und Abstandstempomaten ist der Umbau denkbar einfach. Rund um das Auto werden sieben Kameras positioniert und mit dem Hochleistungscomputer Nvidia PX2 verbunden. Der greift ebenso auf die bereits an Bord befindlichen Sensoren und Aktuatoren zu. So wird zum Beispiel die Lenkung wie beim Einparkassistenten angesteuert und das Radar ausgelesen, das eigentlich den Abstandstempomaten steuert. Die Miteinbeziehung vorhandener Hardware macht das Nachrüst-Kit mit 3000 Euro ziemlich günstig. Im Preis enthalten sind außerdem eine Online-Verbindung für Over-the-air-Updates und Upgrades. Und der Fahrer kann Software für verschiedenste Einsatzzwecke hochladen. Etwa, um an der Grenze zu England per Klick auf Linksverkehr umzustellen.

Länderspezifischer Nachrüstsatz

Die Mitarbeiter des Start-ups sehen sich selbst als „autonome Tuner“. Aus der Überlegung heraus, ob tatsächlich alle Selbstfahr-Software von den großen Autoherstellern stammt, kamen die beiden Gründer 2016 auf die Business-Idee. Für sie ist es kaum vorstellbar, dass eine in Deutschland entwickelte Software auch in Mumbai oder Peking funktioniert. Daher arbeitet das Berliner Start-up in den verschiedenen Ländern sehr eng mit „Ortskundigen“ zusammen.

In Zukunft können die Nachrüst-Kits im Kopernikus-Store geordert werden. Die Anwendungen reichen dabei vom autonomen Einparken bis zur gemütlichen Autobahnfahrt. Es soll aber auch Software gesichtet worden sein, die schnellstmöglichst eine Rennstrecke auf Ideallinie abfährt – mit dem Fahrer als Passagier.

Noch steckt der Nachrüstsatz in der Entwicklungsphase, die Demonstrationen sind aber vielversprechend. Ganz oben auf der Todo-Liste stehen allerdings noch zulassungsrechtliche Themen. Der Vertrieb wird zuerst in ausgewählten Ländern erfolgen. Ungeduldige können allerdings schon heute auf www.kopernikusauto.com ihr autonomes Nachrüst-Kit reservieren.

 


Erfahren sie mehr über den derzeitigen Stand des autonomen Fahrens am 12. November 2018 auf der electronica Automotive Conference (eAC).

 

 

 

 

Kopernikus Automotive (Bild: Youtube / Kopernikus Automotive).

Das Steuer könnte schon bald ein Retrofit-Kit übernehmen. (Bild: Youtube / Kopernikus Automotive).