V2X: „Automobile“ Direktkommunikation auf Probe

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Mehr Sicherheit, mehr Energieeffizienz und weniger Schadstoffe – das verspricht die Verkehrsvernetzung. Dafür verbindet jetzt erste kommerzielle Technik die Fahrzeuge via LTE mit dem „Straßenrand“.

Intelligente Verkehrssysteme und vernetzte Automobile sind die Meilensteine auf dem Weg hin zum vollständig autonomen Fahrzeug. Und LTE-V2X (Vehicle-to-everything) ist eine mögliche Technologie dafür. Sie verbindet Fahrzeuge direkt untereinander, mit der Verkehrsinfrastruktur und mit dem Mobilfunknetz. Bislang jedoch greifen die beherrschenden Verfahren –DSRC (Dedicated Short Range Communication) in USA und C-IST (Cooperative Intelligent Transport Systems) in Europa – auf WLAN-Standards zurück.

Diese Vormachtstellung der mittlerweile zwanzig Jahre alten Technologie gerät nun möglicherweise durch die junge Konkurrenz aus dem Mobilfunk ins Wanken. Mit Blick auf den sehnlichst erwarteten Allround-Wunderstandard 5G nicht weiter verwunderlich. Deswegen hatte die weltweite Kooperation für Mobilfunk-Standardisierung (3rd Generation Partnership Project, 3GPP) wohl schon einmal vorab die Bezeichnung LTE-V2X in C-V2X (Cellular V2X) umgewandelt. Zukünftige Upgrades erfordern jetzt keine Namensänderungen mehr.

V2X via LTE

Noch aber wird mit LTE getestet. Und neuerdings auf dem digitalen Testfeld in Berlin. Dazu hat Fraunhofer FOKUS die ersten kommerziellen LTE-V2X-Produkte von Huawei in die Basisstationen am Straßenrand und in die Autos integriert. Die Erweiterungen ermöglichen den direkten Austausch von Daten im Verkehr – ohne den Umweg über ein zentrales Backend. Das beschleunigt die Übertragung und spart Netzkapazität. Ähnliche Tests finden auch seit letztem Jahr auf der Autobahn 9 bei Allershausen in Bayern statt. Mit von der Partie sind wieder Huawai, Bosch (electronica 2018, Halle C3 Stand 522) und Vodafone.

V2X für saubere Luft

Auf diese Art vernetzte Fahrzeuge tauschen laufend Angaben über Position, Geschwindigkeit oder mögliche Hindernisse mit allen anderen vernetzten Automobilen in der Umgebung und mit der Verkehrsinfrastruktur aus. Die Liste der Test-Szenarien reicht dabei von der Gefahrenwarnung über elektronische Notbremsen bis hin zu Geschwindigkeitsempfehlungen von Ampeln. Auch könnten mit Radar-Sensorik ausgestattete Kreuzungen und Unfallschwerpunkte zukünftig die Detektionsgenauigkeit von Fußgängern und Radfahrern deutlich erhöhen. Und nicht zuletzt ließen sich in Kombination mit Wetter- und Luftdaten umweltbewusste Verkehrsszenarien für einzelne Straßenzüge oder komplette Städte realisieren.

Konkurrenz oder Koexistenz

Welche der konkurrierenden Kommunikationstechnologien letztlich die Nase vorne haben wird, ist nicht entschieden. Anforderungen an die Technologien wie etwa Latenz, Reichweite und Zuverlässigkeit spielen dabei ebenso eine Rolle wie Kosten-Nutzen-Überlegungen oder plausible Einführungsszenarien. Und: Obwohl die Konkurrenten aufgrund unterschiedlicher Strukturen in der physikalischen Schicht grundsätzlich nicht kompatibel sind, lässt sich eine Koexistenz beider Technologien nicht ausschließen. So gewährleistet etwa Huawei eigenen Angaben zufolge eine störungsfreies Nebeneinander von WLAN und Cellular.

Was die Unterstützung angeht, sind die Telekommunikationsunternehmen wie zu erwarten auf der Seite von C-V2X, der Verband der Automobilindustrie (VDA) allerdings präferiert WLAN. So senden neuerdings im Rahmen einer Testumgebung in Wolfsburg zehn Signalanlagen die Ampelphasen via WLANp aus, um künftige Fahrzeuge über Grünphasen zu informieren. Ab nächstes Jahr soll dann der Kurzstreckenfunk WLANp serienmäßig in neuen VW-Modellen zum Einsatz kommen.

Knowledge Base

Fraunhofer Fokus: V2X – Integrierte Betrachtung Fahrzeugkommunikation.

 


Erfahren Sie mehr über vernetztes Fahren auf dem Automotive Forum.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

V2X (Bild: Fraunhofer FOKUS/ Bernhard Schurian).

Die Vernetzung des gesamten Verkehrs mit V2X. (Bild: Fraunhofer Fokus).