Die Top Tech-Trends 2019

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Wie jedes Jahr orakeln die Analystenhäuser ab Herbst über die nahe und fernere Zukunft von IT und Hightech. Den Start macht nun Gartner mit den wichtigsten strategischen Technologietrends für 2019.

Im Rahmen des Gartner Symposiums/ITxpo in Orlando hat Gartner auch dieses Jahr seine Liste der zehn wichtigsten strategischen Technologietrends herausgegeben. Wer allerdings nur ein Jahr in die Zukunft schaut, wird nicht wirklich Überraschendes oder Neues in der Glaskugel entdecken. Änderungen zum Vorjahr finden, wenn überhaupt, nur sehr „nuanciert“ statt. Auf der anderen Seite kann man sicher sein, dass die Trends den Status des Marketing-Hypes hinter sich gelassen haben und zunehmend unternehmerische Entscheidungen beeinflussen.

So weist denn auch Gartner seinen strategischen Technologietrends erhebliches disruptives Potenzial zu. Auffällig ist dieses Jahr ausserdem, dass die Kombination bekannter Trends wie etwa IoT mit KI oder Augmented Analytics mit Edge Computing in Zukunft für erfolgreiche Dienste und Anwendungen sorgen soll.

 

Die Top Ten 2019 in der Kurzübersicht

1. Autonome Dinge
Autonome „Stand-alone-Dinge“ werden zunehmend von in „Schwärmen“ arbeitenden intelligenten Geräten abgelöst. Das kann auch vollkommen ohne menschlichen Input geschehen. Wenn also zum Beispiel eine Drohne ein Feld als erntereif identifiziert, könnte sie eigenständig autonome Mähmaschinen beauftragen. Eine andere Anwendung sind Logistikdienste, die etwa mit autonomen Fahrzeugen die Pakete in die Stadtteile transportieren, wo sie automatisch von mitgebrachten Drohnen oder Robotern zum Kunden gebracht werden.

2. Augmented Analytics
Augmented Analytics versetzt Mitarbeiter auch ohne Data-Science-Hintergrund (Citizen Data Scientists) mit Hilfe von Machine-Learning-Tools in die Lage aus Daten Erkenntnisse zu gewinnen und vorausschauende Modelle zu entwickeln. Dazu wird der Prozess von der Datenaufbereitung über die Erkenntnisgenerierung bis hin zur Visualisierung automatisiert.

Mitarbeiter aus den Bereichen Personal, Finanzen, Vertrieb, Marketing, Kundenservice, Einkauf und Asset Management sind damit in vielen Situationen in der Lage optimierte Entscheidungen ohne professionelle Data Scientists zu treffen. Deshalb wird Augmented Analytics nach Gartner als Schlüsselfunktion bei der Datenaufbereitung und –verwaltung schnell Standard werden. Die Analysten erwarten, dass bis 2020 die Zahl der “Citizen Data Scientists” fünfmal schneller wachsen wird, als die der Datenexperten. Unternehmen könnten damit den Mangel an Data Scientists ausgleichen.

3. KI-basierte Entwicklung
Für KI-unterstütze Lösungen kommen Anwendungsentwickler wohl schon bald ohne professionelle Datenexperten aus. Stattdessen arbeiten sie in einer Art Ökosystem aus Entwicklungswerkzeugen, KI-Algorithmen und vordefinierten Modellen, die als Service geliefert werden. Dazu wird KI in Zukunft auch auf den Entwicklungsprozess selbst angewendet, um verschiedene Funktionen zu automatisieren. Nach Gartner sollen 2022 wenigstens vierzig Prozent neuer Anwendungsentwicklungsprojekte einen KI-Co-Entwickler in ihrem Team haben.

4. Digital Twins
Digitale Zwillinge sind virtuelle Modelle von realen Prozessen, Produkten oder Dienstleistungen, die über Sensoren die reale mit der virtuellen Welt verbinden. Diese Kopplung erlaubt es den „Doppelgängern“ etwa anhand von Daten zu Umgebungsbedingungen oder Maschinenpositionen komplexe Analysen und Simulationen zu erstellen. Nach Gartner sollen bis 2020 mehr als 20 Milliarden Sensoren und Endpunkte vernetzt sein und digitale Zwillinge für potenziell mehrere Milliarden von Dingen existieren. Unternehmen werden Gartner zufolge die „Zwillinge“ zunächst relativ schnell implementieren, um sie dann aber gezielt weiterzuentwickeln.

5. Empowered Edge
Edge Computing bezeichnet im Gegensatz zum Cloud Computing die dezentrale Datenverarbeitung am Rand des Netzwerks, der sogenannten Edge. Cloud Computing und Edge Computing werden sich nach Gartner dabei als komplementäre Modelle entwickeln, bei denen Cloud-Services als Dienste nicht nur auf zentralisierten Servern, sondern auch auf lokalen verteilten Servern und auf den Edge-Geräten laufen.

Den Analysten zufolge sollen in den nächsten fünf Jahren spezialisierte KI-Chips mit einer höheren Verarbeitungsleistung und Speicherkapazität in einem breiteren Spektrum von Edge-Geräten zum Einsatz kommen. Dabei stellen die extreme Heterogenität der IoT-Welt und die langen Lebenszyklen von Industriesystemen erhebliche Herausforderungen für das Management dar. 5G sorgt ausserdem in Zukunft dafür, dass die „Ränder“ stabiler mit zentralisierten Diensten kommunizieren können. Der neue Mobilfunkstandard punktet mit einer geringere Latenz, höherer Bandbreite und wird so zu einem dramatischen Anstieg von Edge-Endpunkte pro Quadratkilometer sorgen.

6. Immersive Erfahrungen
Gesprächsplattformen verändern die Art und Weise, wie Menschen mit der digitalen Welt interagieren. Und Virtual Reality (VR), Augmented Reality sowie Mixed Reality verändern die Wahrnehmung in ihr. Erst die Kombination beider Modelle führt dann letztlich zu einem immersiven Benutzererlebnis. Die Entwicklung geht dabei von einzelnen Geräten und fragmentierten Benutzer-Interfaces hin zu mehrkanaligen und multimodalen Erfahrungen. Letztere verbinden Menschen dann über Hunderte von Endgeräten mit der digitalen Welt.

7. Blockchain
Blockchain schafft Vertrauen sowie Transparenz und verringert die Reibung zwischen Geschäftsökosystemen. Das senkt die Kosten, verkürzt die Transaktionsabwicklungszeiten und verbessert den Cashflow.

Allerdings sind nach Gartner die aktuellen Blockchain-Technologien und -Konzepte noch unausgereift und werden zum Teil falsch verstanden. Trotzdem sollten CIOs und IT-Leiter mit der Evaluierung der „Blockkette“ beginnen.

8. Smart Spaces
In intelligenten Räumen – physisch oder digital – interagieren Menschen und technologiegestützte Systeme in zunehmend offenen, vernetzten und intelligenten Ökosystemen, um ein immersiveres, interaktives und automatisiertes Erlebnis für bestimmte Zielgruppen zu schaffen. Der Trend verschmilzt seit einiger Zeit auch mit Elementen von Smart Cities, Smart Home, digitalen Arbeitsplätzen oder vernetzten Fabriken.

9. Digitale Ethik und Privatsphäre
Digitale Ethik und Privatsphäre wird zunehmen zum Problemfeld für Einzelpersonen, Organisationen und Regierungen. Dazu gehört auch die Sorge über die Nutzung persönlicher Daten von Unternehmen im öffentlichen und privaten Sektor. Wer diese Bedenken nicht proaktiv angeht, muss vermehrt mit Gegenreaktionen rechnen.

10. Quantum Computing
Im Unterschied zum herkömmlichen Rechnern arbeiten Quantencomputer nicht nach den Gesetzen der klassischen Physik bzw. Informatik, sondern auf der Basis quantenmechanischer Zustände. Dadurch lassen sich bestimmte Probleme der Informatik effizienter lösen. Am meisten profitieren zukünftig Automobil-, Finanz-, Versicherungs-, Pharma-, Militär- und Forschungsorganisationen von den Fortschritten in dem Bereich. Das wird aber nicht schon in den nächsten Jahren stattfinden. Gartner sieht die Zeit für Quantencomputer in Unternehmen erst 2023 oder 2025 kommen.

Knowledge Base

Gartner: Special Report „Top 10 Strategic Technology Trends for 2019“.

 


Wenn Sie schon dieses Jahr wissen wollen, was nächstes Jahr relevant wird, besuchen sie die Konferenzen der electronica.

 

 

 

 

Tech-Trend (pixabay Gerd Altmann)

Für das Jahr 2019 hat Gartner die zehn wichtigsten IT-Trends definiert. (pixabay/Gerd Altmann).