Smarte Sturzmelder im Altersheim 4.0

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Alleinstehende Senioren leben gefährlich. Denn schwere Verletzungen oder Bewusstlosigkeit als Folge eines Sturzes können den lebensrettenden Notruf verhindern. Deswegen holen nun neue intelligente Alarmsystem in solchen Situationen selbstständig Hilfe.

Mehr als neunzig Prozent der Deutschen möchten ihren letzten Lebensabschnitt so lange wie möglich in den eigenen vier Wänden erleben. Ein Wunsch, der im Anbetracht der demographischen Entwicklung schwer umsetzbar zu sein scheint. Wären da nicht die rasanten Fortschritte im Bereich Ambient Assisted Living (AAL).

Diese„altersgerechten Assistenzsysteme für ein selbstbestimmtes Leben“ sollen unter anderem an die Medikamenteneinnahme erinnern, aber auch Vital-Parameter messen und automatisch an den Hausarzt übertragen. Allerdings befindet sich vieles noch im Versuchsstadium.

Sturzmelder ohne Kamera

Zunehmend auf dem Markt kommen jedoch autonome Warnsysteme zur Sturzerkennung. Immerhin stürzen in Deutschland jährlich vier bis fünf Millionen Senioren. Und etwa ein Drittel der über 65-jährigen Alleinlebenden kommt einmal pro Jahr zu Fall, bei den über 80-jährigen steigt der Anteil auf über fünfzig Prozent. Zwar ziehen dabei knapp neunzig Prozent der Vorfälle keine oder nur kleinere physischen Verletzungsfolgen nach sich. Bis zu zehn Prozent führen aber zu ernsthaften Beeinträchtigungen. Der klassische Hausnotruf – falls vorhanden – läßt sich dann möglicherweise nicht mehr betätigen.

Genau in diesen Fall kommt der“Walabot“ des israelischen Unternehmens Vayyar ins Spiel. Das smarte Gerät erkennt, wenn eine Person im Haushalt stürzt und informiert automatisch einen Wahlkontakt. Das passiert auch bei plötzlichen Abweichungen von täglichen Routinen, denn der Walabot lernt die Gewohnheiten seiner Nutzer. Im Gegensatz zu kamerabasierten Lösungen benötigt er dafür weder Licht noch freie Sicht. Und „privatsphärische“ Vorbehalte etwa in Schlaf- und Badezimmern spielen ebenso keine Rolle.

Das Angenehme: Der Walabot muss nicht wie herkömmliche Sturzmelder am Körper getragen werden, sondern überwacht mit Hilfe von schwacher Hochfrequenzstrahlung den Raum. Ähnlich einem Radar empfangen spezielle Antennen die Reflexionen vorher ausgesendeter Radiowellen (6,3 – 8.3 GHz). Die Auswertung übernehmen dann je nach Anwendung entsprechende Algorithmen.

„Fesche“ Sicherheit im Alter

SturzmelderEinen ähnlichen Nutzen mit gänzlich anderer Technologie verspricht das Start-up Caru aus der Schweiz. Sein schicker IoT-Smart-Sensor baut über einfache Sprachbefehle – etwa bei einem Hilferuf – selbstständig eine Telefonverbindung zu einem vorher festgelegten Kontakt auf. Zusätzlich erfasst er durch eine Reihe von Sensoren unter anderem die Temperatur und Luftqualität der Umgebung und sendet diese Daten in eine Cloud, wo Algorithmen das Nutzerverhalten analysieren. Kommt es dabei zu Abweichungen, wird automatisch eine Vertrauensperson kontaktiert. Ab Ende November ist Caru für institutionelle Kunden erhältlich. Derzeit läuft ein Pilotversuch mit dem Wohn- und Pflegheimbetreiber Tertianum.

Sicherheit am Handgelenk

Trotz der unübersehbaren Vorteile der Stand-Alone-Assistenten spielen Wearables nach wie vor als Sturzdetektoren eine wichtige Rolle. Immerhin spendierte auch Apple seiner neuen Watch Series 4 eine Sturzanalyse. Bleibt der Nutzer eine Minute lang regungslos liegen, wird automatisch ein Notruf an einen hinterlegten Kontakt gesendet. Die Daten kommen dabei von den Beschleunigungssensoren.

Sturzmelder
Der Sensor vom KIT lässt sich unauffällig wie eine Uhr am Handgelenk tragen. (Bild: Tomislav Pozaic/KIT).

Ähnliche Sensoren setzen auch Forscher am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ein, um das Sturzrisiko zu bewerten und passende Maßnahmen zur Vorbeugung zu empfehlen. Bisher erfolgen solche Bewertung nur in geriatrischen Kliniken im Zusammenhang mit Rehabilitationsmaßnahmen oder als Sturztagebuch von Patienten. Häufig sind davor aber bereits Stürze passiert. Die kontinuierliche Bewertung der Sturzgefahr soll dagegen möglicherweise schon den ersten Sturz verhindern können.

Die neu entwickelten Sensoren ermitteln dazu die Anzahl und Art der Schritte genauso aus wie das Tempo und den Bewegungsablauf. Daraus errechnet ein Algorithmus unter Berücksichtigung der jeweiligen Umgebung eine Kennzahl, die für das Sturzgefahrniveau („gefährdet“ oder „nicht gefährdet“) steht. Und für die richtige Strategie gegen Stürze fließen Informationen zu Gang, Aufstehverhalten der Person und Arm-Bein-Koordination mit ein. Empfehlungen können zum Beispiel Gleichgewichtstraining, Arzneimittelanpassungen oder das Minimieren von Gefahren im Haushalt sein.

Aktuell befinden sich die Sensoren gemeinsam mit Bosch Healthcare Solutions (Halle C3 Stand 522) in der Weiterentwicklung und könnten in den nächsten Jahren auf den Markt kommen.

 


Erfahren Sie mehr über Sensoren in der Medizintechnik auf der electronica Medical Electronics Conference (eMEC).

 

 

 

 

 

 

Walabot Home  (Bild: Vayyar).

Der Walabot erkennt Stürze in den eigenen vier Wänden mit Hilfe von Radiowellentechnologie. (Bild: Vayyar).