Tech-Hubs: Der Kampf um die klügsten Köpfe

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In der digitalen Ökonomie konkurrieren weltweit Städte und Standorte um Tech-Talente. Denn sie machen letztlich den Unterschied. Einer neuen Studie zufolge hat hierzulande München klar die besten Karten, aber auch kleinere Städte mischen ziemlich erfolgreich mit.

Die digitale Ökonomie kann überall blühen, wenn nur das Internet schnell genug ist. Um herkömmliche Standortfaktoren wie etwa Rohstoffvorkommen schert sie sich nicht. Allerdings wird Wissen und somit der Mensch immer mehr zum entscheidenden Produktionsfaktor. Und der ist in der gesuchten, kreativen „Ausführung“ mobil und schätzt städtisches Leben sowie hohe Lebensqualität. Deshalb entwickeln sich Städte, die dies mit erstklassiger Forschung und Ausbildung kombinieren, zu Talentmagneten und damit zwangsläufig zu Innovationsschmieden.

Die Folge: Die Digitalbranche konzentriert sich nur an relativ wenigen Orten. Auch in Deutschland. Welche Regionen aktuell die größte Anziehungskraft ausüben, hat nun die Wirtschaftsberatungsgesellschaft Deloitte an Hand verschiedenster Indikatoren untersucht.

Magnetisches München

Tech-Hub
Matrix Tech-Hub-Status und Tech-Hub-Potenzial der 30 untersuchten Metropolregionen. (Bild: Deloitte).

Danach ist der mit Abstand wichtigste deutsche Tech-Hub die Metropolregion München. Sie punktet mit einer sehr hohen Fokussierung auf die IKT-Industrie. Dazu verfügt sie über die mit Abstand meisten MINT (Mathematik, Ingenieur- und Naturwissenschaften, Technologie) -Berufe in der gesamten städtischen Wirtschaft. Damit führt München nicht nur im originär digitalen Sektor, sondern auch bei der so wichtigen Digitalisierung der klassischen Industrien.

Die bayerische Landeshauptstadt hat beispielsweise eine höhere absolute Beschäftigung im IKT-Sektor und bei den MINT-Berufen als das doppelt so große Berlin. Und trotz dieses beachtlichen Levels liegt München auch bei der Dynamik der MINT-Beschäftigung an der Spitze. Dasselbe gilt für den Anteil komplexer MINT-Berufe, die Reputation der Universitäten sowie die erwartete Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt bis 2030.

Das im Gesamtranking zweitplatzierte Berlin zeichnet sich vor allem bei der Dynamik der Beschäftigung im IKT-Sektor und in den MINT-Berufen sowie der absoluten Anzahl der MINT-Studenten aus. Der extrem niedrige Anteil der MINT-Berufe an der Gesamtbeschäftigung beschert der Hauptstadt in dieser Kategorie allerdings den letzten Platz. Was das Gesamtranking angeht, haben es ebenso Hamburg (Platz 4), Stuttgart (Platz 5) und Frankfurt am Main (Platz 8) in die Top Ten geschafft.

Kleinstadt als Tech-Hub

Die digitalen Ökonomie bevorzugt vor allem die großen Städte. Hier trifft dank entsprechender Ausbildungsmöglichkeiten und Forschungseinrichtungen das Know-how auf die benötigte Infrastruktur. Doch es gibt auch die „Hidden Champions“. So lässt Darmstadt als Dritter in der Gesamtwertung durch einen sehr hohen Anteil an MINT-Studenten und der ausgezeichneten Universitäts-Reputation die meisten Großstädte hinter sich.

Auf den Plätzen sechs bis zehn folgen kleinere Uni- und Forschungsstädte. Erlangen, Karlsruhe, Aachen, Münster und Regensburg liegen im Index vor deutlich größeren Städten wie Düsseldorf oder Leipzig. Sie schaffen es bei der Spezialisierung auf den IKT-Sektor (Karlsruhe) oder bei der MINT-Beschäftigung (Regensburg, Erlangen) erfolgreich zu sein. Dies kann zum einen Start-up-Aktivität widerspiegeln, aber auch die regionale Wirtschaftsstruktur mit großen Unternehmen, die sich bei Spitzenpositionen im Bereich MINT-Berufe zeigt.

„Grenzenlose“ Konkurrenz

Ballungstendenzen der digitalen Wirtschaft und der passenden Talente finden natürlich auch auf internationaler Ebene statt. München und Berlin stehen deshalb zunehmend im Wettbewerb mit Innovationsregionen wie dem Silicon Valley, Tel Aviv oder Stockholm. Denn Unternehmen müssen an den wichtigen Standorten in ihrer Branche oder in ihrem Segment – national wie international – vertreten sein.

Die deutschen Standorte täten der Studie zufolge gut daran, sich nicht abhängen zu lassen und den Aufbau internationaler Innovations-Ökosysteme mitzugestalten. Ein bemerkenswertes Ergebnis der Untersuchung ist außerdem der enge Zusammenhang zwischen dem Anteil hochqualifizierter Tech-Jobs in einer Stadt und dem Pro-Kopf-Einkommen.

„Datenland Deutschland“ – die Studie

Die Deloitte-Studie „Datenland Deutschland“ untersucht neben dem Status quo auch das Potenzial der fünfzig größten Metropolregionen. Dabei liegt beim Statusindex der Fokus darauf, welches die aktuell führenden deutschen Digitalstandorte sind. Wie stark ist also die IKT-Industrie (Informations- und Kommunikationstechnik) als Treiber der Digitalisierung vertreten, wie viele Technologie-Jobs außerhalb der IKT-Industrie gibt es, und wie dynamisch gestaltet sich die Beschäftigungsentwicklung in diesen beiden Bereichen. Der Potenzialindex zielt dagegen darauf ab, wie es um die Zukunftsaussichten für die deutschen Tech-Hubs bestellt ist. Ein wichtiger Indikator ist hier die Ausbildung. Gibt es gute technische Universitäten, wie viele MINT-Studierende sind vor Ort und wie attraktiv sind die Städte für den künftigen Berufseinstieg?

Die vollständige Studie erhalten Sie hier zum Download.

 

 

 

Wissenschaft (Bild: pixabay/Gerd Altmann)

Tech-Talente sind ein zentraler Bestandteil von Innovations-Ökosystemen. (Bild: pixabay/Gerd Altmann).