Geldregen für „KI made in Europe“?

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Auch in Europa beeindruckt der Markt um künstliche Intelligenz mit hohen Wachstumsraten. Trotzdem sind die Unternehmen mit Investitionen in dem Bereich noch sehr zurückhaltend. Und im internationalen Ranking liegt der alte Kontinent selbst hinter einer erstaunlich kleinen Volkswirtschaft.


Von rund drei Milliarden Euro in diesem Jahr bis auf 10 Milliarden Euro im Jahr 2022 soll der europäische Markt für künstliche Intelligenz wachsen. Das entspricht einem jährlichen Wachstum von durchschnittlich 38 Prozent. Im vergangen Jahr lag das Markvolumen gerade einmal bei 2 Milliarden Euro. Das teilte der Digitalverband Bitkom auf Grundlage der Studie „AI in Europe – Ready for Take-off“ vom European Information Technology Observatory (EITO) Anfang des Jahres mit. Investitionen in Server und Speicher stiegen dabei nur um 24 Prozent pro Jahr, während sie in Software und Dienstleistungen mit jeweils ca. 45 Prozent deutlich stärker zulegten.

Zurückhaltendes Europa

Das klingt erst einmal beeindruckend, kaschiert aber, dass sich Unternehmen in Europa mit Investitionen in künstliche Intelligenz noch sehr abwartend verhalten. So ergab eine Umfrage des Digitalverbands Bitkom, dass nur jedes vierte deutsche Unternehmen mit 50 oder mehr Beschäftigten der KI-Technologie aufgeschlossen gegenüber steht. Ebenso viele bezeichnen sich selbst als kritisch oder ablehnend. Und siebzehn Prozent haben sich mit dem Thema noch gar nicht beschäftigt.

Milliardengeschäft mit künstlicher Intelligenz. (Bild Tractica).

Andererseits sind etwa zwei Drittel der Bundesbürger überzeugt, dass der Wohlstand in Gefahr gerät, wenn Deutschland bei der KI nicht zu den führenden Nationen gehört. Und das zu Recht, denn welchen Stellenwert sie für das Wirtschaftswachstum einnimmt, zeigt eine Studie des McKinsey Global Institute (MGI). Demnach kann KI das globale Bruttoinlandsprodukt (BIP) bis 2030 zusätzlich um durchschnittlich 1,2 Prozentpunkte pro Jahr steigern. Bis 2030 entspricht das weltweit einem zusätzlichen Wertschöpfungsbeitrag in Höhe von 13 Billionen US-Dollar. Damit übertrifft der Bereich „Künstliche Intelligenz“ die Wachstumseffekte von Dampfmaschinen, Industrierobotern sowie Informations- und Kommunikationstechnologien.

China und USA mit Vorsprung

Länder wie China und die USA haben das Potential früh erkannt und „wuchtig“ darauf reagiert. China etwa will bis 2020 einen KI-Markt von 150 Milliarden US-Dollar schaffen und 2030 in dem Bereich weltweit führend sein. Dazu investiert die Regierung in Peking bis dahin mindestens sieben Milliarden US-Dollar, 2,1 Milliarden davon fließen in den KI-Research-Park in Xinhua. Die USA stecken schon seit vielen Jahren Mittel in die Forschung und Entwicklung von KI. Dazu kommen überproportional hohe private Investitionen in globale IT-Hotspots.

KI made in Europe
Die meisten KI-Startups kommen aus den USA, gefolgt von China und Großbritannien. (Bild: Asgard).

Da scheinen die drei Milliarden Euro, mit denen Deutschland bis 2025 zu einem „Weltmarktführer im Bereich künstlicher Intelligenz“ aufsteigen will, nicht unbedingt überdimensioniert. Noch dazu sind davon vom Haushaltsausschuss erst einmal nur 50 Millionen Euro genehmigt, 450 Millionen Euro dann für die Folgejahre. Berlin setzt dabei aber auch darauf, dass die Förderung weitere Investitionen aus Wirtschaft, Wissenschaft und aus den Ländern auslöst. Nach Achim Berg, Präsident des Digitalverbandes Bitkom, „sollten wir allerdings eher in Milliarden und nicht in Millionen denken“. Immerhin haben von den weltweit 7500 KI-Firmen nur drei Prozent ihren Sitz in Deutschland. Vierzig Prozent agieren in den USA. Dahinter folgen fast gleichauf das riesige China und das kleine Israel mit jeweils ungefähr elf Prozent.

Auch Europa will bis 2020 mit Investitionen von 20 Milliarden Euro eine „weltweit führenden KI-Regionen“ werden. Im Rahmen des „Horizon 2020 Forschungs- und Innovationsprogramms“ fließen Fördermittel von 1,5 Milliarden Euro bis 2020. Und an Unternehmen und Start-ups sollen mehr als 500 Millionen Euro durch den Europäischen Fonds für strategische Investitionen (EFSI) gehen.

Spitzenforschung in Deutschland

Was die KI-Forschung angeht, gehören Hochschulen und wissenschaftliche Einrichtungen in Deutschland immerhin zu den besten der Welt. 155 Professoren und 130 Lehrstühle für KI existieren derzeit. Hundert neue Professuren sollen folgen. Um der Abwanderung hier ausgebildeter Spezialisten entgegenzuwirken wird man allerdings zukünftig mit attraktiven Aufgaben und Arbeitsbedingungen den Verlockungen der Digitalkonzerne aus den USA oder China entgegenwirken müssen.

Knowledge Base

Asgard/Roland Berger: The Global Artificial Intelligence Landscape (2018)

BMWi: Potenziale der Künstlichen Intelligenz im produzierenden Gewerbe (2018).

 

 

 

 

 

 

 

Geldregen (Bild: pixabay).

Mit drei Milliarden Euro zum „Weltmarktführer im Bereich künstlicher Intelligenz"? (Bild: pixabay).