„Einzigartige“ Hautcreme aus der Minifabrik

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Welcher Hauttyp sind Sie – fettig, trocken oder gemischt? Soll eine Creme ihre volle Wirkung entfalten, muss sie individuell auf den Kunden abgestimmt sein. Damit das erschwinglich bleibt, wird sie nun vor Ort im Kosmetik-Shop in Beauty-Minifabs produziert.

Unsere Haut ist nicht nur das, was wir sehen. Sie erfüllt als unser größtes Organ lebenswichtige Funktionen als Schutzschild, Sinnesorgan oder Temperatur- und Feuchtigkeitsregler. Gleichzeitig soll sie auch noch schön, glatt und ohne Falten sein. Das gelingt ab einem gewissen Alter nur noch mit ausreichender Pflege, auch in Form von Cremes.

Doch welches Pflegeprodukt ist das richtige? Die passende Kosmetik zu finden, ist gar nicht so einfach. Zum einen muss sie auf den jeweiligen Haupttyp abgestimmt sein. Zum anderen beeinflussen zahlreiche Faktoren wie Jahreszeit, Stress, Hormonhaushalt und Alter den Zustand der Haut zusätzlich und erschweren die richtige Wahl.

Das muss nicht sein, geht es nach Forschern von Skinmade, einer Ausgründung vom Fraunhofer IPA. Bereits in drei Douglas-Filialen in Frankfurt, Hamburg und Sindelfingen können Kundinnen nun eine Gesichtscreme kaufen, die vollkommen auf ihre persönlichen Bedürfnisse abgestimmt ist. Bis Ende 2019 soll Skinmade Personal Skin Care dann in allen Großstädten erhältlich sein.

Losgröße 1 aus der Minifabrik

Das Produkt erfüllt dabei alle Regularien der EU-Kosmetikverordnung und ist dermatologisch überprüft. Zu einem Preis von 40 Euro (30 ml) kommt es aus einer Beauty-Minifabrik in der Größe eines Kleiderschranks. Sie umfasst eine komplette Produktionsstraße, die Maschinensteuerung, Rohstoffe, Tiegel und Deckel sowie Messgeräte, um den Feuchtigkeits- und Fettgehalt der Haut zu analysieren.

Im Prinzip handelt es sich dabei um eine Massenfertigung in Losgröße 1, die den eigentlichen Widerspruch zwischen maßgeschneiderten Produkten und hohen Stückkosten aufhebt. Das Ergebnis ist ein Endverbraucherpreis, der im Bereich höherwertiger „Fertig-Cremes“ liegt. Und das in Rekordzeit, denn dosieren, homogenisieren und reinigen erfolgt in einem Prozessschritt.

In sieben Minuten zur eigenen Creme

Vorher ermitteln unterschiedliche Messverfahren an Stirn, Wange und unterhalb des Mundwinkels den Feuchtigkeits- und Fettgehalt der Haut. Die Corneometrie zur Bestimmung der Hautfeuchtigkeit basiert auf Messungen der Dielektrizitätskonstanten von Wasser in der obersten Hautschicht. Sie reicht etwa 20 Mikrometer tief. Die Sebumetrie quantifiziert dagegen den Gehalt an Oberflächenlipiden, und eine weitere Messung bestimmt die Elastizität der Haut.

Selbstlernende Algorithmen und neuronale Netze berechnen danach in der Cloud, welche Inhaltsstoffe die personalisierte Creme in welcher Konzentration enthalten soll und übergeben die Ergebnisse an die Maschinensteuerung. Am Ende des siebenminütigen Produktionsprozesses in der Minifabrik taucht dann ein fertig abgefüllter Tiegel mit 30 Millilitern Creme auf. Sogar Duft und Textur lassen sich dabei frei wählten. Nach sechs Wochen empfiehlt sich eine erneute Messung, um die Mischung der Inhaltsstoffe an mögliche Veränderungen der Haut anzupassen.

Mini-Hautmessgerät für zuhause

Die Messungen kann man künftig auch in den eigenen vier Wänden erledigen. Entweder mit Hilfe von Berater/innen mit einer mobilen Messstation oder mit einem eignen Mini-Hautmessgerät plus App. Beide Mal erfolgt die Auswertung in der Cloud, und die fertig hergestellte Hautcreme kommt mit der Post.

 

 

 

Skinmade (Bild Fraunhofer IPA)

Individualisierte Hautcreme kommt bald aus der Minifabrik in der Drogerie. (Bild: Fraunhofer IPA).