Flugtaxis: Abheben mit Plug&Fly

| |
1 Star2 Stars3 Stars4 Stars5 Stars

Im Nahverkehr der Zukunft soll auch geflogen werden. Zur Massentauglichkeit fehlt den Fluggeräten allerdings noch leichte und preisgünstige Luftfahrttechnik. Eine handtellergroße Entwicklung aus der Automobiltechnik könnte da eine Marktlücke füllen.

Voraussichtlich ab 2023 transportieren die ersten Flugtaxis auf ersten, festgelegten Routen Passagiere über unseren Großstädten. Zunächst noch pilotiert, ab 2025 dann autonom. Der Probebetrieb dazu beginnt allerdings schon nächstes Jahr in Dubai, Singapur und Los Angeles. Die Unternehmensberatung Roland Berger erwartet für 2025 rund 3000 Flugtaxis weltweit. 2030 soll ihre Zahl auf 12.000 steigen, um dann spätestens 2050 die 100.000-Schallmauer zu durchbrechen.

Damit entsteht ein Markt, den die Analysten von Morgan Stanley für das Jahr 2040 auf 1,5 Billionen US-Dollar schätzen. Und davon profitieren nicht nur Unternehmen in den USA und Südostasien. Auch im Ruhrgebiet, im Rhein-Main-Gebiet oder im Dreieck München, Augsburg und Ingolstadt werden Flugtaxis die Reisen auf Kurz- und Mittelstrecken deutlich beschleunigen. Landeplätze auf dem Hauptbahnhof in München und dem Bahnhof Pasing sind bereits in Planung.

Flugzeuge dafür kommen zum Beispiel aus dem nicht weit davon entfernten Weßling. Erst kürzlich hoben die Jets von Lilium zum Jungfernflug ab. Elektrisch angetrieben und vorerst mit einem Piloten besetzt, bieten sie Platz für fünf Personen. Lilium will ab dem Jahr 2025 in mindestens zwei Städten den kommerziellen Alltagsbetrieb starten. Das Serienmodell soll eine Stunde in der Luft bleiben und eine Geschwindigkeit von bis zu 300 Kilometer pro Stunde erreichen.

Der Volocopter vom gleichnamigen, Daimler finanzierten Start-up aus Karlsruhe setzt dagegen wie der „CityAirbus“ von Airbus auf Drohnentechnologie. Bereits 2016 gab es für das zweisitzige, elektrische Flugtaxi die deutsche Verkehrszulassung. Und ein Jahr später fanden in Dubai erste „autonome“ Tests statt. Aktuell entwickelt das junge Unternehmen zusammen mit der Fraport AG Konzepte für die Bodeninfrastruktur und den Betrieb von Flugtaxis am Flughafen Frankfurt.

Automobiltechnik lernt fliegen

Um den Nahverkehr in Zukunft auf breiter Basis in die Luft zu bekommen, sind allerdings noch einige Hindernisse zu überwinden. Zum Beispiel ist herkömmliche Luftfahrttechnik für massentaugliche Flugtaxis bislang zu teuer, zu groß und zu schwer. Eine Lösung dafür könnte nun aus Stuttgart von Bosch kommen. Denn schwäbische MEMS-Sensorik, die serienerprobt schon beim automatisierten Fahren oder im Schleuderschutzsystem ESP sicher ihren Dienst tut, kann auch ein paar Stockwerke höher in der Luft die Steuerungsaufgaben übernehmen. Dazu haben die Entwickler dutzende Sensoren in einem Universalsteuergerät zusammengeführt, das laufend Position und Flugzeuglage ermittelt.

Im Gegensatz zu aktuellen Sensorlösungen in der Luftfahrt, die mehrere zehn- bis hunderttausend Euro kosten, arbeitet die Bosch-Box zu einem Bruchteil der Kosten. Zudem ist sie besonders klein und leicht, und Hersteller von Flugtaxis können sie nach dem Plug&Play-Prinzip einfach in ihre Fluggeräte einbauen.

Je nach Konzept und Anzahl an Passagierplätzen wird der Preis für ein Flugtaxi mit etwa 500 000 Euro deutlich niedriger sein, als für einen Helikopter mit heutiger Technik. Das macht automatisierte und elektrisch betriebene Fluggeräte besonders für Sharing-Lösungen interessant. Einen zeitlichen Vorteil bringen sie gegenüber klassischen Verkehrsmitteln schon ab zehn Kilometern Reisedistanz und die maximalen Reichweiten liegen bei bis zu 300 Kilometern.

 

 

 

 

 

Lilium (Bild: Lilium)

Flugtaxis könnten schon bald den Himmel über unseren Metropolen erobern. (Bild: Lilium).