Energiespeicher: Batterieboom ohne Ende

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Batterien halten unser zunehmend „elektronisches“ Leben am Laufen. Das sichert ihnen eine nicht endend wollende Nachfrage. Rosige Aussichten also für den Energiespeichermarkt, auch in Europa.

Ende der 1980er-Jahre begannen Computer als „Schoßrechner“ auf Aktentaschenformat zu schrumpfen. Und tragbare elektronische Geräte wie Mobiltelefone und Kameras bevölkerten zunehmend die Tische in Cafes und Restaurants. Was zum vollkommenen, mobilen Glück jedoch noch fehlte, war eine leichte, wieder aufladbare Stromquelle. Die ließ allerdings nicht lange auf sich warten. 1991 kam der erste kommerziell erhältliche Lithium-Ionen-Akku in einer Hi8-Videokamera von Sony in die Läden. Danach gab es kein Halten mehr. Die neue Stromspeichertechnologie hat sich zur bevorzugten Energiequelle für alle denkbaren Zwecke – vom Kleinstgerät bis hin zu großen Energiespeichern – gemausert. Und ein Ende ist nicht in Sicht.

Einer Analyse vom Bloomberg New Energy Finance (BNEF) zufolge soll die Leistung von Lithium-Ionen-Batterien bis zum Jahr 2040 weltweit auf 942 Gigawatt mit Investitionen in Höhe von rund 1,2 Billionen Dollar ansteigen. Als einen wesentlichen Treiber für den zukünftigen Boom identifizieren die Analysten stark sinkende Batteriekosten. Daneben spielen die von der Politik formulierten Klimaziele eine wichtige Rolle. Sie verlangen eine grundlegende Elektrifizierung der Mobilität und die Speicherung erneuerbarer Energien.

Energiespeicher aus Deutschland

energiespeicherWachstum gab es aber auch schon in der Vergangenheit. So stieg der deutsche Batteriemarkt zwischen 2016 und 2018 nach Berechnungen des ZVEI um knapp 420 Millionen (+ 15 Prozent) auf insgesamt 3,3 Mrd. Euro. Seit 2013 legte er sogar um 69 Prozent zu. Dabei hat die Lithium-Ionen-Batterie mit einem Volumen von 1,19 Mrd. Euro knapp die Nase vor den Blei-Akkus (1,08 Mrd. Euro) und sonstigen Technologien (1 Mrd. Euro) wie etwa Zink-Luft, Lithium-Knopfzellen und Nickel-Cadmium.

Bislang speiste sich das Marktvolumen von Lithium-Ionen-Batterien – seit 2013 mehr als versechsfacht – vor allem aus dem stark gestiegenen Importvolumen nach Deutschland. Denn die Zellen aus Asien werden erst in Deutschland zu fertigen Batterien konfektioniert.

Nach dem ZVEI nahm die deutsche Energiespeicher-Produktion zwischen 2016 und 2018 um über 250 Millionen Euro auf knapp 2,4 Milliarden Euro zu – eine Steigerung von gut zwölf Prozent. Der Export von Batterien belief sich letztes Jahr auf 3,3 Milliarden Euro. Zwischen 2016 und 2018 waren Lithium-Ionen-Batterien für zwei Drittel des Exportwachstums aller Batteriesysteme verantwortlich. Allerdings zeigte sich die Bleibatterie mit einem Volumen von knapp 1,5 Milliarden Euro im Jahr 2018 erneut als Export-Primus.

China schrumpft

StromspeichermarktFür den globalen Batteriemarkt über alle Technologien hinweg prognostizieren die Analysten von Inkwood Reseach im Jahr 2027 nach einem durchschnittlichem jährlichen Wachstum (CAGR) von 6,63 Prozent ein Volumen von 135.43 Milliarden US-Dollar. Als Gründe werden die boomende Automobilindustrie, die Zunahme der Elektromobilität, der wachsende Bedarf an Energiespeichersystemen, neue Anwendungen in der industriellen Antriebstechnik und nicht zuletzt der steigende Verbrauch wieder aufladbarer Batterien in der Konsumerelektronik genannt.

Den größten Marktanteil mit knapp über 60 Prozent im letzten Jahr und die höchste Wachstumsrate sehen die Analysten in der Asien-Pazifik-Region. Auch hier hatte 2018 die Bleibatterie mit einem Anteil von 52.40 Prozent noch die Nase vorne. Allerdings geht diese Dominanz ihrem Ende zu.

Stromspeichermarkt
Gesamtproduktion von Batterien in Asien, China, Europa und Nordamerika in GWh pro Jahr. (Bild: Visual Capitalist/Benchmark Mineral Intelligence).

Bestimmender Player in der Region ist wie nicht anders zu erwarten China. Allerdings soll nach Inkwood Research der chinesische Part am Weltmarkt schrumpfen. Betrug er 2017 mit 134,8 GWh noch 60 Prozent der globalen Lithium-Ionen-Produktionskapazität, so prognostizieren die Analysten bis zum Jahr 2028 nur noch 53,8 Prozent. Denn das rasante Marktwachstum eröffnet auch anderen Standorten lukrative Möglichkeiten. Derzeit sind weltweit 68 Megafactories für die Produktion von Lithium-Ionen-Batterien geplant, die bis 2028 auf eine Kapazität von 1,45 TWh kommen könnten. Profitieren wird davon in der Hauptsache Europa und Nordamerika. So soll den Marktforschern zufolge Europas Anteil an der globalen Produktionskapazität bis 2028 von derzeit 5,3 Prozent auf knapp 20 Prozent steigen, der nordamerikanische Anteil von 5,7 Prozent auf 14,8 Prozent.

 

 

 

 

Batterie (Bild:pixabay)

Der Batteriemarkt sieht weltweit in eine rosige Zukunft. (Bild:pixabay)