Mobilitätskonzepte: Selbstfahrmodus mit Akzeptanzproblemen

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Fahren ohne Fahrer soll schon in naher Zukunft möglich sein. Allerdings klammern sich viele der avisierten Nutzer noch ans Lenkrad. Einer neuen Studie zufolge jedoch können bestimmte autonome Mobilitätskonzepte bei den Befragten punkten.

Der öffentliche Fokus dieser Tage richtet sich ganz auf die elektromobile Klimarettung. Daneben trainieren fast im Verborgenen auf einigen Testabschnitten deutscher Strassen Automobile unbeirrt den „Ernstfall“ fahrerloses Fahren. Aktuelle Studien schätzen den Anteil an automatisierten Flottenfahrzeugen im Jahr 2030 auf zwölf bis zwanzig Prozent, im Jahr 2035 bereits auf 32 bis 42 Prozent. Die Akzeptanz in der Bevölkerung diesem Zukunftsszenario gegenüber lässt allerdings zu wünschen übrig. Das offenbarten in der Vergangenheit eine ganze Reihe von Studien.

Mobilitätskonzepte
Zeithorizont der Einführung des automatisierten Fahrens. (Bild: Fraunhofer IAO).

Schon der electronica-Trend-Index 2020 anlässlich der electronica 2016 zeigte, dass im Gegensatz etwa zu den Chinesen (89 Prozent) nur 47 Prozent der Deutschen sich vom Lenkrad trennen möchten. Und viel geändert hat sich in der Zwischenzeit anscheinend nicht. Denn einer Prognos-Studie vom Dezember letzten Jahres zufolge halten 45 Prozent der Autofahrer die neue Fahrzeugtechnologie immer noch für unzuverlässig oder haben Angst vor Hackern.

Die brandaktuelle Studie „Robocab“ vom Fraunhofer IAO und dem Institut für sozial-ökologische Forschung ISOE zeichnet dagegen ein etwas anderes Bild. Zumindest automatisierte Taxi- und Carsharing-Konzepte stoßen da auf breites Interesse.

Mobilitätskonzepte mit Zuspruch

Von sogenannten „Robocabs“ erwarten die Befragten eine bequeme Mobilitätslösung, um umweltfreundlich, effizient und sicher von A nach B zu gelangen. Insgesamt ist der Zuspruch in China nach wie vor am höchsten, gefolgt von den USA und Deutschland. Hierzulande werden „Robocabs“ eher noch als Ergänzung zu den aktuell genutzten Transportmitteln gesehen, in China hingegen bereits als Ersatz. In den USA und in China würden die Befragten vor allem klassische Taxifahrten durch ein Robocab ersetzen. In Deutschland könnten sie sogar Bus und Tram teilweise verdrängen.

Mobilitätskonzepte
Positionierung verschiedener Mobilitätskonzepte des Robocabs. (Bild: Fraunhofer IAO).

Die Ergebnisse lassen allerdings keine Rückschlüsse auf ein idealtypisches Fahrzeugkonzept zu. Vielmehr ändern sich die spezifischen Anforderungen an Fahrzeugeigenschaften, Karosserie und Ausstattung mit dem tatsächlichen Nutzungszweck. In keinem Fall aber sehen die Befragten autonome Fahrzeuge als Prestigeobjekt, sondern als zuverlässiges, praktisches und zügiges Transportmittel, hauptsächlich für den urbanen Raum. Auf dem „Land“ sollte es – integriert in das Streckennetz – für einen lückenhaften, öffentlichen Nahverkehr eine attraktive Variante bieten.

Besonders Nutzerinnen und Nutzer, die mangelnder Komfort und fehlende Privatsphäre von öffentlichen Verkehrsangeboten fern hält, könnten solche Shuttles zukünftig ihren Privatfahrzeugen vorziehen. Außerdem bekämen mit den Robocabs auch Nutzergruppen wie Minderjährige oder ältere Menschen eine autarke, flexible und komfortable Fortbewegungsmöglichkeit. Und die tendenziell hochwertigen, zweckorientierten Fahrzeuge ließen sich zudem effizient in teil-öffentlichen Sharing-Modellen einsetzen.

So ganz groß scheint das Vertrauen in das „Autonome“ dann aber doch nicht zu sein, denn die Befragten äußerten Bedenken die eigenen Kinder einem Robocab anzuvertrauen.

Zur Studie „Robocab“

Zur Erhebung der Nutzerperspektive wurden quantitative Umfragen mit insgesamt etwa 2.400 Teilnehmenden in Deutschland, China und den USA in Kombination mit qualitativen Interviews unter ausgewählten Testpersonen durchgeführt.

Die Akzeptanzstudie »Robocab« kann unter folgendem Link kostenlos heruntergeladen werden:

http://publica.fraunhofer.de/dokumente/N-531897.html

 

 

 

VW Sedric (Bild: VW)

So könnten zukünftige autonome Shuttles aussehen. (Bild: VW).